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Südkreis Kritik aus dem Ebsdorfergrund an Regionalplanung
Landkreis Südkreis Kritik aus dem Ebsdorfergrund an Regionalplanung
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18:54 16.01.2022
So sieht der Entwurf für das Fortschreiben des Regionalplans Mittelhessen als Karte aus.
So sieht der Entwurf für das Fortschreiben des Regionalplans Mittelhessen als Karte aus. Quelle: Gianfranco Fain
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Ebsdorfergrund

Im Zuge der Offenlegung des Entwurfs für den neuen Regionalplan Mittelhessen und der Berichterstattung über die dort aufgeführten Gewerbegebietsflächen bei Moischt übt Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz scharfe Kritik an Plänen der Stadt Marburg.

Im neuen Regionalplan ist eine Fläche von 33 Hektar südlich des Marburger Stadtteils Moischt als Vorranggebiet für Gewerbeansiedlung aufgeführt – also praktisch in direkter Nachbarschaft zur Gemeinde Ebsdorfergrund. Die baut bekanntermaßen gemeinsam mit Staufenberg und Marburg ein paar Kilometer entfernt das interkommunale Gewerbegebiet „Interkom“ bei Heskem auf. Schulz betrachtet ein mögliches neues Gewerbegebiet nebenan als Konkurrenz-Angebot für die Pläne der eigenen Kommune. Wie er in einer Mitteilung schreibt, sehe er das „übergroße Konkurrenzgebiet“ zudem „als Bruch der Vereinbarungen“ über das gemeinsame Vorhaben an: „Wir haben nicht zu dritt (Marburg, Staufenberg, Ebsdorfergrund) Verträge in unseren Parlamenten zur Verwirklichung des interkommunalen Gedankens beschlossen und geschlossen, damit Marburg diese nun einseitig aushöhlt“, kritisiert Schulz. Er habe zu dem Thema bereits Kontakt zum Regierungspräsidium wie den Ortsbeiräten der umliegenden Orte, darunter auch Moischt, aufgenommen und plane für die Sitzung der Gemeindevertretung von Ebsdorfergrund im März eine Beschlussfassung für eine ablehnende Stellungnahme.

Weiterer Kritikpunkt ist der Verkehr – eine mögliche neue Ansiedlung in dem vorgesehenen Vorranggebiet werde zu neuen Verkehrsströmen führen, die vor allem den Ebsdorfergrund, insbesondere die Orte Hachborn und Ebsdorf, belasten würden, da der Großteil der Nutzer wohl die B3-Abfahrt bei Fronhausen nehmen dürfte, schätzt der Bürgermeister. In dieser Hinsicht wie auch bei der Planung im Abwasser-Bereich werde es mit seiner Gemeinde „keine Kooperation geben, sowohl was die Entwässerung des Oberflächenwassers als auch einen möglichen Anschluss an den Sammler zur Kläranlage Hachborn anbetrifft“. Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller steht Schulz bei der Kritik zur Seite: Auch für Gefeller sei das Vorgehen von Marburg „nicht nachvollziehbar“. Gerade wegen der Beteiligung an Interkom bei Heskem, von dem erst zwei der vier Abschnitte konkret angegangen wurden. Das über Landkreisgrenzen hinweg aufgebaute Gewerbegebiet der drei Partner sei ein hessenweit beachtetes Leuchtturmprojekt – die „vollständige Verwirklichung“ sehe er nun „durch das nicht abgestimmte Vorhaben der Stadt Marburg in Gefahr“, so Gefeller.

Im Zuge der Entwicklung von Interkom hatte Marburg bereits mitgeteilt, sich zwar an dem Projekt zu beteiligen, damit jedoch nicht den eigenen Bedarf an Gewerbeflächen decken zu können. Der Regionalplan beziffert diesen für die nächsten zwölf Jahre auf 56 Hektar – neben Moischt als größten Bereich wurden weitere Flächen bei Cappel als Vorranggebiete ausgewiesen. Zur Frage, ob man die im Entwurf vorgesehenen Gewerbeflächen als ausreichend betrachtet und nutzen will, hatte sich die Stadt Marburg noch nicht klar geäußert.

Der Entwurf des neuen Regionalplans Mittelhessen liegt im Kreishaus aus und ist online zu finden unter https://rp-giessen.hessen.de/planung/regionalplanung/regionalplan-mittelhessen

Von Ina Tannert

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