Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Fronhausen fühlt sich abgehängt
Landkreis Südkreis Fronhausen fühlt sich abgehängt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 06.04.2022
Der Jubiläumsstein von Bellnhausen – die Gemeinde Fronhausen setzt sich dafür ein, dass der Ortsteil im Regionalplan weitere Bauland-Flächen erhält.
Der Jubiläumsstein von Bellnhausen – die Gemeinde Fronhausen setzt sich dafür ein, dass der Ortsteil im Regionalplan weitere Bauland-Flächen erhält. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Fronhausen

Kampf um jeden Hektar: Die Vorstellung, wie und ob freie Gemeindeflächen und potenzielle Bauplätze zu verplanen sind, kann zwischen Kommunen und übergeordneten Behörden weit auseinandergehen. Das wird besonders mit dem neuen Regionalplan deutlich, von dem sich viele Gemeinden eingeschränkt sehen. Das ist auch in Fronhausen der Fall, die Gemeinde stellt sich gegen Teile der neuen Raumordnung und legt Widerspruch ein.

Dabei geht es gerade um Siedlungsflächen, bei denen die Kommune mehr Entscheidungsmöglichkeit haben möchte – acht Hektar Wohnungsbau ist für Fronhausen vorgesehen. Teils sind Bebauungspläne auch bereits beschlossene Sache, tauchen aber im Regionalplan noch nicht auf. Für mehr Flexibilität schlägt Fronhausen eine Neuordnung der Vorranggebiete für die Landwirtschaft und den sogenannten Grünzug an den Ortsrändern vor.

Denn die Nachfrage nach Bauplätzen in Fronhausen ist hoch, die Kommune will auch in den nächsten Jahren weitere Wohngebiete ausweisen können. Oder auch bereits beschlossene Pläne umsetzen: Wie der Bereich „Im vordersten Boden“, der noch nicht als bestehende Siedlungsfläche aufgenommen ist, das Verfahren zur Baugenehmigung läuft aber bereits. Die Flächen neben dem Einkaufszentrum nicht als feste Siedlungsland festzusetzen, käme einem Widerspruch zur kommunalen Bauleitplanung gleich, heißt es im Antrag.

Grünflächen gegen Bauland

Dasselbe gelte auch für andere Bereiche, etwa die Fläche „Am Sportfeld/Salzbödener Weg“, der im Regionalplan als Grünzug aufgeführt ist. Das stünde einer Bebauung im Weg. Auch in Bellnhausen sind Flächen betroffen: Dort soll nördlich der Straßen Vor dem Buchwald und Am Mühlenberg neuer Wohnraum entstehen, auch hier liegt der Bebauungsplan schon vor, während der Regionalplan dort Grünflächen vorsieht.

Dabei gehen die Baugrundstücke in Bellnhausen über den Eigenbedarf des Ortes sogar hinaus – das liege jedoch daran, dass in Hassenhausen wegen der Nähe zur Hochspannungsleitung keine Siedlungsflächen mehr ausgewiesen werden dürfen. Bellnhausen wird „den Bedarf mit abpuffern“. Einsprüche gegen einen vorgesehenen Grünzug gibt es auch für Flächen in Sichertshausen, Erbenhausen und Oberwalgern.

Südlich des Rewe-Getränkemarkts in Fronhausen soll das neue Baugebiet "Im vordersten Boden" entstehen. Quelle: Ina Tannert

Dabei gehe es grundsätzlich nicht darum, den Raum für Grünflächen und Natur zu streichen, sondern zu verlagern, sagt Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Denn die Vorgabe beziehe sich immer auf 100 Meter um eine Ortschaft herum, „das ist nicht viel“. Dies dürfte manchen Baugebieten wohl den Garaus machen. Das sei nur ein Grund, weshalb sich viele Kommunen eingeengt und bei Entscheidungen beschnitten sehen: Man werde „in ein sehr enges Korsett geschnürt, wir möchten eine Entscheidungsmöglichkeit haben“, kritisiert Schnabel.

Lange Liste an Einsprüchen

Prinzipiell setzt sich Fronhausen auch dafür ein, dass der Gemeinde ein höherer Wohnungsbedarf zugeschrieben wird als vorgesehen und regt eine Steigerung des sogenannten Gewichtungsfaktors von 115 auf 125 Prozent an. Die Kommune argumentiert, dass sie mehrere Kriterien dafür erfüllt, sowohl im Umland eines Oberzentrums, also Marburg, liegt, als auch einen eigenen Bahnhof mit einer Hauptstrecke (Gießen-Kassel) verfügt, außerdem an einer Bundesstraße liegt.

Die lange Liste an Einsprüchen, die ein Planungsbüro ausgearbeitet hat, ist fristgemäß durch die Ausschüsse gegangen und zuletzt vom Parlament beschlossen worden. Die zuvor eingebrachten Änderungen der CDU, das Ausmaß neuer Baugebiete einzugrenzen, finden keine Mehrheit: Wie Fraktionsvorsitzender Ulrich Zick sagt, bestehe dieEntwicklung einer Gemeinde „nicht immer nur aus Bauen“.

Die anderen Fraktionen geben dagegen dem ersten Antrag den Vorzug. Dass aber alle diese Änderungen der Gemeinde beim Regierungspräsidium auch umgesetzt werden, glaubt die Bürgermeisterin nicht, „dazu scheint die Erfolgsaussicht sehr gering“. Hoffnung mache sie sich aber gerade bei den Punkten – wie den Meter-Vorgaben zum Grünzug – was viele Kommunen kritisieren und dem Thema mehr Gewicht verleihen.

Mehr zum Thema

Mehr Artikel rund um den Regionalplan gibt es in unserem Themenspecial.

Von Ina Tannert