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Südkreis Raiffeisenbank stimmt für Bankenfusion
Landkreis Südkreis Raiffeisenbank stimmt für Bankenfusion
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00:18 26.06.2019
Friedhelm Kemper, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Ebsdorfergrund (links), mit Vorstandsmitglied Harald Emmerich (rechts) und dem Vorstand der Volksbank Mittelhessen, Dr. Lars Witteck (Zweiter von links, fortlaufend), dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Peter Hanker, Rolf Witezek und Hans-Heinrich Bernhardt. Quelle: Ina Tannert
Dreihausen

Die geplante Fusion mit der Volksbank Mittelhessen weckt bei den Genossen der Raiffeisenbank nicht nur Zustimmung, sondern stößt stellenweise auch auf Ablehnung, teils auf Misstrauen. Das wurde am Dienstagabend während der Generalversammlung deutlich.

Im Bürgerzentrum in Dreihausen kam es zum hitzigen Schlagabtausch – was nicht nur an dem aufgeheizten Saal lag, der die rund 400 Anwesenden kaum aufnehmen konnte. Alleine knapp 338 stimmberechtigte Mitglieder der „Raiffeisenbank eG Dreihausen/Ebsdorf – Niederwalgern/Fronhausen“ waren zur 129. Generalversammlung gekommen. Ginge es nach der Mehrheit, wird die 130 nicht mehr vollgemacht.

Der scheidende Vorstandsvorsitzende Friedhelm Kemper schwor die Genossen zu Beginn ein, wies auf kommende Hürden für das Bankenwesen hin, die eine strategische Neuausrichtung unter dem Dach der Volksbank notwendig machen würden. Zwar könne sich die Raiffeisenbank mit einem positiven Betriebsergebnis und wachsenden Kundeneinlagen sehen lassen.

Doch steigende Regularien samt digitalem Wandel könne die mit rund 4.200 Mitgliedern kleine Bank heute „nicht mehr stemmen“, sagte Kemper. „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, dann müssen wir viel verändern.“ Angesichts von „drohenden Stürmen“ müsse die Bank „wetterfest“ gemacht werden. Noch sei sie gesund und stabil, damit gerade jetzt in einer guten Verhandlungsposition für Fusionspläne. 

Sondierungsgespräche mit einer größeren Bank

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Walter Horn verwies auf das Ergebnis einer externen Prüfung hinsichtlich der „Anforderungen an eine Bank für morgen“. Die Empfehlung: Sondierungsgespräche mit einer größeren Bank. 

Die Entscheidung fiel auf den Gießener Nachbarn – „die „Braut“, wie Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mittelhessen, die Genossenschaftsbank vorstellte. Er hob während der Versammlung erneut hervor, dass sich mit der Fusion, bis auf den Banknamen und die Kontonummer, für die Raiffeisenbank-Kunden nichts ändern soll.

Alle Filialen sollen erhalten bleiben, „es gibt keine Schließungspläne, weder jetzt noch in Zukunft“, betonte Hanker. Auch Gebührenerhöhungen seien nicht geplant. Er sehe vor allem Vorteile für die potentiellen neuen Volksbank-Kunden, etwa eine ganztägige Beratung oder die Verfügbarkeit von Banking-Apps.

Vorstände wie Aufsichtsräte beider Banken zeigten über Stunden hinweg am Mikrofon Geschlossenheit und warben teils mit Zahlen, teils mit rührigen Anekdoten für die Bankenfusion. Kritik hagelte es dennoch von manchen Genossen, unter denen sich eine emotionsgeladene Debatte entspann.

"Haltet den Fortschritt nicht auf"

Mancher machte seinem Ärger darüber Luft, dass die Fusionspläne nicht schon früher öffentlich wurden: „Das hätte schon während der letzten Versammlung besprochen werden können, man kommt sich vor, als sei alles schon vorbereitet und wir nur das Stimmvieh – das stößt auf“, kritisierte ein Mitglied.

Andere sahen keinen Grund für eine Verschmelzung: „Die Bank war immer gesund, ist es noch und kann es bleiben“, befand ein weiterer Anwesender. Andere riefen die Kollegen zur Jastimme auf, „haltet den Fortschritt nicht auf“.

Nach langer Debatte und kurz vor Mitternacht nahmen schließlich 338 stimmberechtigte Genossen an der Beschlussfassung zur Verschmelzung teil. In geheimer Abstimmung – ein entsprechender Antrag aus der Versammlung erhielt schon zu Beginn überraschend eine Mehrheit. Die Stimmberechtigten stimmten mit 260 Jastimmen, 72 Neinstimmen und sechs Enthaltungen für die Fusion.

11 Stimmen geben den Ausschlag pro Fusion

Die erfordert eine Dreiviertelmehrheit, also 75 Prozent. Da die Enthaltungen als nicht gültig gewertet wurden, zählte die Bank 332 gültige Stimmen. Demnach waren 249 Jastimmen erforderlich. Es wurde knapp: Für den Verschmelzungsvertrag sprachen sich 78,3 Prozent aus – 11 Stimmen mehr als mindestens erforderlich.

Am Ende kam es bei der Nominierung der Kandidaten, die künftig im Aufsichtsrat der Volksbank Mittelhessen sitzen sollen, noch mal zum Paukenschlag: Vorgeschlagen waren ursprünglich Aufsichtsratsvorsitzender Horn und Stellvertreter Walter Lemmer.

Aus der Versammlung heraus wurden zusätzlich Alexandra Böth und Werner Merte nominiert, die bei der anschließenden Abstimmung zur Überraschung des Vorstands wie der ganzen Versammlung die Stimmenmehrheit erhielten.

Das letzte Wort hat nun die Vertreterversammlung der Volksbank Mittelhessen, die am 3. Juli während einer außerordentlichen Sitzung endgültig über die Verschmelzung, rückwirkend zum 1. Januar, und über neue Aufsichtsräte entscheiden wird.

von Ina Tannert