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Südkreis Trockenheit vertreibt tierische Naturschützer
Landkreis Südkreis Trockenheit vertreibt tierische Naturschützer
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19:58 03.08.2020
Die Rinder im Naturschutzgebiet im Kehnaer Trift müssen umziehen. Quelle: Claudia Smolka
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Kehna

Es ist noch keinen Monat her, dass die kleine Rinderherde der Seelbacher Ziegenkäserei in ihr neues Zuhause auf Zeit im Kehnaer Trift umziehen durfte.

Die Tiere sollten dort die bereits als „Landschaftsgärtner“ arbeitenden Ziegen und Schafe bei der naturnahen Beweidung im Schutzgebiet unterstützen. Nun müssen die Rinder wieder weg. Grund ist die anhaltende Wetterlage.

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„Durch die Trockenheit bewegt sich in Sachen Nachwachsen dort gar nichts und die Beweidungszeit ist stark eingeschränkt“, berichtet Claudia Smolka von der Seelbacher Ziegenkäserei. Die Ziegen und Schafe seien bereits wieder auf anderen Weiden.

Denn: Im Schutzgebiet gibt es vor allem sehr flachgründige Böden, weshalb sich die Trockenheit dort stark auf die Futtermenge auswirkt. Schon jetzt ist absehbar, dass nicht alle Tiere ausreichend Futter finden werden. Für das Weideprojekt sei das fast schon eine Katastrophe.

Erstmal den Sommer abwarten

Allerdings: Für die Biodiversität in dem Gebiet ist die Wetterlage „durchaus zuträglich, es gab eine sehr positive Entwicklung“. Denn in diesem Jahr sei die Vegetation dort sehr krautreich gewesen und so blütenreich wie nie zuvor. Die Trockenheit hat zusätzlich zu der Beweidung durch die Ziegen das gezielte Absterben der Gehölze gefördert und Sonnenplätze geschaffen. Davon haben Insekten und Amphibien profitiert.

„Aus landwirtschaftlicher Sicht ist die Situation im Naturschutzgebiet ein Flop, aus naturschutzfachlicher Sicht aber top“, fasst Smolka zusammen. Nun wartet sie den Sommer erstmal ab, vielleicht ergibt sich Ende August oder Anfang September eine Chance, dass die Ziegen, Schafe und dann auch die Ponys zurückkehren, bevor sie das Gebiet bis spätestens Ende Oktober sowieso verlassen müssen.

Von Ina Tannert