Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Betrüger bringen Beltershäuser um Erspartes
Landkreis Südkreis Betrüger bringen Beltershäuser um Erspartes
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:10 02.04.2019
Symbolfoto: Trickbetrüger am Telefon. Quelle: Jan-Philipp Strobel
Beltershausen

Laut Polizei haben Telefonbetrüger am Donnerstag, 28. März, mindestens bei zwei Menschen in Mittelhessen angerufen, einen Anruf gab es in einem Ortsteil von Wettenberg, einen in Beltershausen. Der Betrugsversuch in Wettenberg scheiterte, der Betrug im Ebsdorfergrund war leider erfolgreich. Die Kripo Marburg geht davon aus, dass der überrumpelte Senior in Beltershausen den Machenschaften einer organisierten Bande zum Opfer fiel. Er verlor seine Rücklagen im Wert von 40.000 Euro.

Eine Anruferin schilderte dem Mann ihre angebliche Notsituation. Die Frau meldete sich nicht namentlich, wie bei derartigen Anrufen üblich. Sie berichtete über ein Strafverfahren gegen den Sohn des Seniors, das nur mit einer Zahlung in einer engen Frist abgewendet werden könne.

Betrüger bohrten gezielt nach

Die Anruferin verhielt sich laut Polizei überaus geschickt. So konnte sie schließlich sämtliche Informationen, die der überrumpelte Senior unwissentlich weitergab, für ihre Zwecke nutzen. Durch den Anruf glaubte der Senior seinen Sohn tatsächlich in erheblicher Gefahr und wollte natürlich helfen.

Dann zeigte sich, wie dreist die Betrüger tatsächlich vorgehen: Als der Rentner von sich aus 6.000 Euro Bargeld anbot, hätten die Betrüger regelrecht gewittert, dass es mehr zu holen gibt. Sie gaben an, dass diese Summe nicht ausreiche und bohrten mit weiteren Fragen zur Vermögenssituation nach, insbesondere zu Schmuck oder anderen Wertgegenständen.

Letztlich brachte sie ihr Opfer dazu, alles in einen Umschlag zu packen, diesen mit der Adresse des Amtsgerichts Gießen zu beschriften. Diesen übergab er einem Boten. Nach der Übergabe des Umschlags beschlich den Senior ein ungutes Gefühl. Er entschloss sich, den Abholer zu verfolgen. Jedoch klingelte just in diesem Augenblick erneut das Telefon. Wieder war die Anruferin am Apparat. So entkam der Bote.

Die Polizei beschreibt den Boten:

  • 50 Jahre alt
  • kräftig, leicht untersetzt, aber nicht dick
  • leichte Glatze, beziehungsweise wenige, dunkle, kurze Haare
  • er trug eine einfache, dunkle Windjacke zur dunklen Hose

Der Mann wirkte laut Polizeibericht "mitteleuropäisch" und sprach akzentfreies Deutsch.

Die Polizei sucht Zeugen, denen dieser beschriebene Mann am Donnerstag, 28. März, zwischen 14.30 und 17.30 Uhr in Beltershausen aufgefallen ist. Er war mit einem Auto unterwegs, vermutlich mit einem auswärtigen Kennzeichen. 

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Marburg unter 06421/4060 entgegen.

Betrüger scheitern bei Anruf in Wettenberg

Die mutmaßlich gleichen Betrüger nutzten in Wettenberg eine andere Geschichte, berichtet die Polizei weiter. Dort ging es der anrufenden, angeblichen Freundin aus Berlin um einen notariellen Vertrag zum Erwerb einer Immobilie. Damit der Immobilienkauf nicht scheitert, wäre die Hinterlegung eines Geldbetrags beim Amtsgericht notwendig. Als der Angerufene darauf hinwies, nicht über so viel Geld zu verfügen, fragte die Anruferin explizit nach Wertsachen und sogar nach Gold.

Letztendlich scheiterte der Betrugsversuch an der Skepsis des potentiellen Opfers, der die Betrugsmaschen, insbesondere den Enkeltrick und die sogenannten Schockanrufe kannte. Sein späterer Rückruf bei seiner Freundin brachte die Gewissheit, dass er hier Betrüger am Telefon und die richtige Reaktion gezeigt hatte.

Alle Maschen enden mit der Bitte um Geld

Die Polizei warnt und gibt Tipps, um sich vor Betrügern zu schützen: "Nur wer die Maschen und Geschichten kennt und wer es sich zum Grundsatz macht, niemals Geld oder Wertgegenstände an Fremde zu übergeben oder Geld an unbekannte Konten zu überweisen oder zu transferieren, der minimiert das Risiko, Opfer solcher Betrüger zu werden. Leider sind die Betrüger rhetorisch geschickt und hinsichtlich der Geschichten sehr einfallsreich. Sie wirken am Telefon eigentlich immer sehr vertrauenswürdig, haben bei Nachfragen stets eine passende Erklärung und schaffen es, sich sofort auf ihr Opfer einzustellen und ein gewisses Vertrauen aufzubauen. Außerdem bauen sie einen immensen Druck auf, in dem sie das geschilderte Szenario dramatisieren und ihrem Opfer durch dauerhafte Gespräche sozusagen gar keine Zeit zum Nachdenken, Recherchieren oder zur Rückversicherung lassen."

"Wenn ein unerwartetes Telefonat mit einem vermeintlichen Verwandten oder Bekannten mit der Bitte um Geld endet, spätestens dann ist äußerste Vorsicht geboten und es gilt der oberste Grundsatz: Niemals Geld oder Wertgegenstände an fremde Personen weitergeben, kein Geld überweisen oder mittels Geldtransferdienste schicken", teilt Polizeipressesprecher Martin Ahlich mit.

Weitere Tipps:

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Personen am Telefon nicht namentlich melden, sich aber als Verwandte oder Bekannte ausgeben.
  • Vorsicht, wenn ein unerwarteter Anruf mit einer Bitte um Geld endet.
  • Gehen Sie nicht auf Forderungen ein, prägen Sie sich jedoch Stimme und sprachliche Besonderheiten des Anrufers ein.
  • Versichern Sie sich durch einen selbst getätigten Anruf unter der ihnen bekannten Telefonnummer
  • Sprechen Sie auch mit Freunden und Bekannten über diese Betrugsmaschen und geben Sie die Verhaltenshinweise weiter. 

Im Internet unter www.polizei.hessen.de oder unter www.polizei-beratung.de gibt es weitere Informationen zu diesem und anderen Themen.