Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Zu viele Lkw nutzen falsche Zufahrt
Landkreis Südkreis Zu viele Lkw nutzen falsche Zufahrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:58 28.08.2020
Reinhard Hormel (von links), Günter Ruge und Hans-Heinrich Heuser sagen, dass die Bahnhofstraße, in der Tempo 30 gilt, für den Schwerverkehr, der ins Gewerbegebiet will, gesperrt werden muss. Quelle: Foto: Götz Schaub
Anzeige
Niederwalgern

Wenn man länger von etwas nichts gehört hat, heißt das noch lange nicht, dass sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat. In Niederwalgern hatte man vielleicht über die Sommerferien gehofft, dass sich irgendwann Besserung einstellen würde, aber daraus wurde nichts. Jetzt reicht es Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser.

„Es sind einfach zu viele Lkw, die aus Richtung Fronhausen durch Niederwalgern kommen und nicht durchfahren bis zum Kreisel hinter dem Ortsausgang, sondern schon im Ort die Bahnhofstraße nutzen, um ins Gewerbegebiet zu fahren“, sagt Heuser. Und weiter: „Der Kreisel ist jetzt da und eigentlich auch bekannt. Dann soll er auch genutzt werden.“ Der Ortsvorsteher wohnt selbst an der Gießener Straße, die Ortsdurchfahrt von Niederwalgern, und kann aus dem Küchenfenster die Lkw zählen, die vor seinem Haus abbremsen, um dann wenige Meter weiter in die Bahnhofstraße einzubiegen.

Anzeige

Einen freien Blick darauf hat Reinhard Hormel, der an der Gießener Straße genau auf Höhe der Bahnhofstraße wohnt. Und am Anfang der Bahnhofstraße wohnt Günter Ruge. Beide bestätigen die Beobachtungen des Ortsvorstehers und fordern wie er, dass da etwas geschehen muss. „Die Lkw kriegen wir nicht mehr raus aus dem Ort, aber wenigstens wollen wir sie lenken und die Bahnhofstraße entlasten“, sagt Heuser. Und was die Gießener Straße betrifft, hat der Ortsbeirat von Niederwalgern auch klare Vorstellungen: Die Straße muss dringend erneuert und im Sinne der Anwohner mit Flüsterasphalt ausgestattet werden.

„Die Beschaffenheit der Straße sorgt für unnötiges Knallen und Rumpeln, wenn Lkw durchfahren, besonders, wenn sie noch einen Anhänger haben“, sagt Hormel. Einige Straßenabschnitte seien schon so kaputt, dass sie eigentlich schon unverantwortlich seien. Aber beim Besuch der Verkehrsbehörde habe man nur gesagt bekommen, dass andere Straßen im Kreis auch Löcher hätten. „Das zu wissen nutzt uns hier nichts und geht an der Ernsthaftigkeit der Sache vorbei“, sagt Hormel.

Die Gießener Straße ist nicht in Gemeindehand, darüber müssen übergeordnete Gremien entscheiden. Doch muss man keinen Adlerblick besitzen, um zu sehen, dass die Straße für den zunehmenden Lkw-Verkehr durch die Investition im Gewerbegebiet derzeit nicht ausgerichtet ist. Im Lkw-Begegnungsverkehr muss an verschiedenen Stellen im Ort auch mal auf den Bürgersteig ausgewichen werden.

Was die Bahnhofstraße betrifft, sehen die Anwohner die Gemeinde Weimar in der Pflicht, etwas zu unternehmen. Günter Ruge erwartet, dass die Straße zur Anliegerstraße wird, frei bis zum Bahnhof natürlich, aber Lkw sollen dort nicht fahren dürfen. Da reiche kein „Mini-Schild“ an der Kreuzung, dass es zum Gewerbegebiet geradeaus geht.

Heuser will die Anlieger der Gießener Straße und der Bahnhofstraße einladen, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen. Den jeweiligen Entscheidungsträgern soll gezeigt werden, dass man hier im Ort nicht alles einfach hinnimmt. Heuser sagt: „Die Logistikfirma weiß doch, wer sie anfährt, und sollte es denen noch einmal mitteilen. Die wiederum sollten es dann ihren Fahrern noch einmal sagen. Da wäre auch schon viel gewonnen.“ So lange die Gießener Straße so aussieht wie sie derzeit eben aussieht, sollte dafür Tempo 30 gefordert werden, wie es in Marburg für die Frankfurter Straße auch möglich gemacht wurde, sagt Hormel.

Ruge hat noch ein weiteres Problem, was gut mit dem Schwerlastverkehr zusammenhängen könnte. Jedenfalls fahren die Radfahrer vom Bahnhof kommend sehr oft nicht auf der Bahnhofstraße, sondern direkt vor seinem Anwesen auf dem Gehweg vorbei. Heuser vermutet, dass diese Radfahrer auf der Straße das Abbiegen nach links vermeiden wollen. Über den Gehweg kommen sie bequem bis zur Ortsmitte, ohne die Straße nutzen zu müssen. „Aber so fahren sie direkt an unserer Hofzufahrt vorbei und das ist gefährlich, weil ich die beim Rausfahren gar nicht kommen sehen kann“, sagt Ruge.

Von Götz Schaub