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Südkreis Pflanzenöl sorgt für Verkehrschaos
Landkreis Südkreis Pflanzenöl sorgt für Verkehrschaos
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17:25 15.05.2020
Ausgelaufenes Öl verursacht in Fronhausen ein Verkehrschaos. (Hinweis: Bei dem abgebildeten Lkw handelt es sich NICHT um den Verursacher der Ölspuren.) Quelle: Thorsten Richter
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Fronhausen

Wie die Feuerwehr Fronhausen mitteilte, hatte ein Transporter, der anscheinend gebrauchtes Pflanzen- oder Speisefett geladen hatte, einen Teil der flüssigen Ladung verloren und verteilte während der Fahrt quer durch den Ort eine Ölspur auf der Gießener Straße. An vielen Ecken Fronhausens waren die Flecken auf dem Asphalt nicht nur optisch wahrnehmbar – der halbe Ort roch nach altem Fett. Der merkwürdige Vorfall löste eine kuriose Spurensuche von verschiedenen Beteiligten aus. Das Öl konnte leicht verfolgt werden, die Spur begann am südlichen Ortseingang und zog sich – mal als große Tropfen, mal als eindeutige Spur – über die gesamte Ortsdurchfahrt bis zum nördlichen Ausgang. Dort scheint der Transporter einmal durch das Gewerbegebiet gefahren zu sein, hinterließ vor allem auf der Zufahrt einen großen Ölteppich und verwandelte die Straße in eine glitschige Gefahrenstelle. 

Die Freiwillige Feuerwehr Fronhausen war stundenlang im Einsatz, rückte bereits gegen 9 Uhr an, berichtete Pressesprecher Jens Hemer. Bauarbeiter im Gewerbegebiet hatten einen Notruf abgesetzt, nachdem die ölige Pfütze auf der Straße „Im Boden“ aufgefallen war. Der betroffene Wagen, der nach erster Annahme der Feuerwehr möglicherweise vom Gastronomiegewerbe altes Pflanzenöl geladen hatte, fuhr wohl vom Gewerbegebiet aus weiter, durch den Kreisel​ und die Marburger Straße gen Norden in Richtung Niederwalgern. Dort führte die Spur entlang. Wie die Polizei Marburg mitteilte, ist noch nicht eindeutig geklärt, um welche Flüssigkeit es genau geht, „es handelt sich anscheinend um irgendein Öl-Mittel, vielleicht Speise- oder Pflanzenöl“, berichtete Polizei-Pressesprecher Martin Ahlich. Die Polizei folgte den öligen Flecken, beim Ortsteil Roth scheint der Transporter demnach auf die Bundesstraße 3 in Richtung Gießen aufgefahren zu sein, „die Spur verliert sich auf der B3“, berichtete Ahlich. Bis Freitag Nachmittag waren Transporter oder Fahrer noch nicht gefunden. Es gebe bislang nur eine „dürftige Beschreibung“ des Verursachers, der eventuell einen weißen Ford Transit mit grauer Plane fuhr. Die Polizei ermittelt nun wegen Sachbeschädigung und dem Verdacht auf gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.

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Hunderte Liter Pflanzenöl greifen Straßenbelag an

Auch in Fronhausen ging man der Öl-Panne genau auf den Grund, Bürgermeisterin Claudia Schnabel war am „Tatort“ und begab sich ebenfalls auf Spurensuche. Mit Erfolg: Die Gemeindechefin setzte „alle Hebel in Bewegung“, sicherte nach Absprache mit dem Rewemarkt-Betreiber die Aufnahmen einer Überwachungskamera des Supermarkts und dort soll auch der Verursacher samt Fahrzeug und Nummernschild auf Video zu sehen sein. Die Ermittlungen laufen, Schnabel hofft, dass die zum Erfolg führen, denn die Beseitigung der öligen Sauerei war mehr als umständlich und dürfte eine Menge Geld kosten, wie viel steht noch nicht fest.

Auch die Schäden nicht: Denn das Öl kann, gerade an dem sonnigen Vormittag, den Straßenbelag angreifen, sich quasi in den Asphalt fressen, „je länger das auf der Straße ist, desto schlimmer wird der Schaden“, schätzt Schnabel. Das Bindemittel der Feuerwehr reicht dafür nicht aus, daher zog sie eine Spezialfirma zur Ölspurbeseitigung zurate: Die Firma Abschleppdienst Amend aus Gießen rückte mit mehreren Fahrzeugen an und saugte das Öl über Stunden hinweg ab. Wie Prokurist Frank Weber bestätigte, handelte es sich tatsächlich um bereits benutztes Pflanzenöl und zwar viel davon, „mehrer hundert Liter sind ausgelaufen“. Und die Sauerei drohte, die betroffenen Straßen komplett zu beschädigen: „Es war Eile geboten, das Öl weicht den Asphalt auf, der wird weich und brüchig – fahren dann Autos darüber, kann sich der Asphalt von der Fahrbahn ablösen“, betonte Weber. Mit einem Hochdruck-Vakuum-System beseitigte das Unternehmen den ganzen Tag über das Öl, spritzte erst heißes Wasser auf die gesamte Fahrbahn und saugte das Gemisch, im Fachjargon „Öl-Wasser-Emulsion“ genannt, großflächig ab.