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Südkreis Noch mehr Bienenwolf-Geheimnisse offenbart
Landkreis Südkreis Noch mehr Bienenwolf-Geheimnisse offenbart
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08:58 30.08.2020
Im Landkreis ist der Bienenwolf schon seit den späten 1940er Jahren bekannt, sagt Hermann Falkenhahn.
Im Landkreis ist der Bienenwolf schon seit den späten 1940er Jahren bekannt, sagt Hermann Falkenhahn. Quelle: Foto: Adobe Stock © Markus
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Marburg

Der Bienenwolf, Klappe die Dritte. Es muss aber noch einmal sein. Hatte Professor Martin Kraft doch mit viel Freude und Enthusiasmus sein Vorkommen im Südkreis fotografisch und in Bewegtbildern dokumentiert, beanspruchte er zunächst einmal die erste Dokumentation seines Vorkommens in hiesiger Region. Allerdings vermutete er dabei schon, dass der Bienenwolf länger hier heimisch geworden ist, aber dabei einfach nur nicht aufgefallen ist. Er schwirrt jedenfalls nicht so wie seine Verwandten im August und September um jede Freiluft-Kaffee-Tafel herum und hat auch kein Interesse an Süßgetränken, die auf dem Tisch auf der Terrasse stehen.

Nun, es meldeten sich mehrere Menschen aus dem Landkreis und bestätigten das Vorkommen des Bienenwolfs an mehreren Orten im Landkreis, auch nördlich von Marburg. Die Marburger Künstlerin Barbara Isabella Bauer-Heusler fotografierte 2019 einen Bienenwolf in ihrem Garten, und bei weiterer Bildersichtung entdeckte sie, dass sie schon 2013 Fotos von einem Bienenwolf im Garten gemacht hatte.

Kraft freut sich, dass seine „Entdeckung“ Interesse hervorgerufen hat und lässt sich gerne auch darüber informieren, dass es ihn hier schon früher gab. Seine Vermutung ist es, dass das Tierchen schon seit dem heißen Sommer 2003 hier eingewandert sein könnte. Jetzt haben sich weitere Menschen gemeldet, die ein früheres Vorkommen als 2020 dokumentieren können. Lothar Feisel aus Mellnau weiß, dass der Bienenwolf, auch Grabwespe genannt, schon lange im Burgwald umherfliegt, und sich an vielen Stellen Grabwespen in größerer Zahl beobachten lassen.

Offensichtlich hatte nur niemand daran gedacht, das Vorkommen als relative Neuheit zu begreifen und öffentlich zu machen. Na ja, halt – die Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ hat den Bienenwolf dann doch schon gewürdigt und 2015 ein Foto auf ihrer Homepage hochgeladen. Und wie bestellt, hat er tatsächlich für dieses Jahr sogar ein eigenes Kalenderblatt im Burgwaldkalender erhalten. Und zwar ausgerechnet für den Monat August.

Lothar Feisel sagt dazu: „Das Foto zeigt ein Bienenwolf-Weibchen, welches auf einer Mohn-Samenkapsel nach Beute Ausschau hält.“ Und er weiß es sehr genau, dass das Foto authentisch ist, denn es entstand in seinem Garten „im schönen Mellnau“. Er weist zudem darauf hin, dass die Grabwespen auf der kommentierten Roten Liste der Grabwespen Hessens 2011 als nicht gefährdet bezeichnet wurden und dort ein Vorkommen in Mittelhessen seit 2006 dokumentiert ist.

So, alles geklärt? Feisel hat noch einen interessanten Vergleich, der mal aufzeigt, was die Tierchen leisten. „Die maximal 1,7 Zentimeter kleinen Bienenwolf-Weibchen graben für die Anlage ihrer Nester bis über 1,3 Meter tiefe Gänge in den Boden. Zur Verdeutlichung dieser Leistung: Auf menschliche Maßstäbe umgerechnet würde das bedeuten, unsere ,werdenden Mütter’ müssten mehr als 100 Meter tiefe Tunnel in die Erde graben, um ihren Nachwuchs in die Welt zu setzen. Und das ohne Hilfsmittel versteht sich.“

Okay, dann wären wir jetzt am Ende. Nein? Immer noch was? Ja! Hermann Falkenhahn aus Beltershausen hat sich gemeldet. Und der schießt jetzt den Vogel ab. Nein, keine gute Formulierung für einen Tier- und Naturliebhaber. Der schießt keine Vögel ab, auch nicht im übertragenen Sinne. Er toppt einfach nur die gesamte Diskussion. Denn er sagt: „Im Landkreis ist der Bienenwolf zumindest seit den späten 1940er-Jahren bekannt.“

Woher weiß er das? „Das geht aus den umfangreichen handschriftlichen Tagebüchern des europaweit bedeutsamen Stechimmenforschers Heinrich Wolf hervor, der 1947 bis 1953 an der Universität Marburg studierte und arbeitete und für seine entomologische Forschungstätigkeit sogar mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde.“ Und woher kennt Falkenhahn diese Tagebücher? Er hat sie eingesehen und komplett kopiert. Und zwar beim Verfasser persönlich, den er vor rund 20 Jahren in Plettenberg besucht hatte. „Ich habe auch eine Kopie davon der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Hymenopterologen zur Auswertung überlassen.“

Demnach kommt der Bienenwolf im Kreis großflächig an mehreren Stellen vor, etwa im gesamten Ebsdorfer Grund und im angrenzenden Amöneburg, aber auch im Hinterland. „Dass die genannte Rote Liste Hessens diese Art mit ,Datengrundlage unzureichend' klassifiziert, liegt vermutlich daran, dass es bei Stechimmen im engeren Siedlungsraum ein Erfassungsdefizit gibt“, sagt Falkenhahn.

So, jetzt unser Fazit: Der Bienenwolf ist und bleibt ein faszinierendes Wesen, das wir jetzt aus drei Artikeln mit interessanten Erkenntnissen kennengelernt haben. Wir danken sehr für die äußerst informativen Rückmeldungen.

Von Götz Schaub