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Südkreis Jedes Dach ein kleines Kraftwerk?
Landkreis Südkreis Jedes Dach ein kleines Kraftwerk?
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09:00 29.12.2019
Solarmodule auf einem Dach versorgen das Gebäude mit Sonnenstrom. Ob sich das im großen Stil auf Weimars Dächern wirtschaftlich umsetzen lässt will die Gemeinde prüfen lassen. Quelle: Nestor Bachmann
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Niederweimar

Es könnte so einfach sein: Solarpanele rauf aufs Dach und schon fließt der CO2-neutrale Öko-Strom aus der Steckdose, der Rest wandert ins Netz und spült so auch noch ein finanzielles Zubrot in die Kassen der Haushalte. Genau darauf läuft die Idee von sogenannten Bürgersonnenkraftwerken auch hinaus.

Ganz so unkompliziert wie es klingt ist das Vorhaben aber nicht, doch prinzipiell könnten sich manche Dächer der Gemeinde Weimar zu Mini-Kraftwerken entwickeln. Oder zumindest soll einmal geschaut werden, ob sich Photovoltaik­anlagen auf den Dächern überhaupt lohnen. So lautet ein Beschluss der Gemeindevertretung, die während ihrer letzten Sitzung einem Antrag der Freien Bürgerliste Weimar (FBW) folgte.

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Die Fraktion schlägt vor, dass die Gemeinde eine Überprüfung der gemeindlichen Liegenschaften auf den Weg bringt. Unter Beteiligung der Bevölkerung solle ermittelt werden, ob und auf welchen Dächern sich Solaranlagen anbringen und sinnvoll nutzen lassen.

Kombi-Paket aus gemeindeeigenen und privaten Dächern

Das Ziel: Eine energieautarke Gemeinde, sauberer Strom und eine „ökologisch sinnvolle Nutzung der Liegenschaften ohne Investitionsmittel aus dem Gemeindehaushalt“, heißt es im Prüfantrag, der zuvor mit breiter Zustimmung durch den Bauausschuss gegangen war. „Die Diskussion über regenerative Energien ist in aller Munde, es wird Zeit, dass wir uns damit befassen und das ist mit wenig Aufwand möglich“, ist Dr. Thorsten Hoß von der FBW überzeugt.

Die Fraktion denkt etwa an Dachflächen auf Bürgerhäuser, Kitas, oder Feuerwehrhäusern. Doch das Vorhaben greift weiter und holt auch die Bürger mit ins Boot. Auch Privatdächer könnten als potenzielle Standorte für Solarpanele infrage kommen, schließlich gelangt die Sonne auf alle Dächer, wenn sie denn scheint. Natürlich nur mit Zustimmung der Hauseigentümer wäre also auch ein Kombi-Paket aus gemeindeeigenen und privaten Dächern möglich.

Doch ob das am Ende wirtschaftlich machbar wird, ist fraglich. Und da kommt der Verein Sonneninitiative ins Spiel, der die Prüfung für die Gemeinde durchführen, sich zumindest einen ersten Überblick über das Potenzial in Weimar verschaffen soll.

2003 aus einer kleinen Marburger Gruppe von Solarstrom-Befürwortern entstanden, berät der Verein heute bundesweit private Hauseigentümer und Kommunen zum Thema und betreibt rund 300 Anlagen – davon auf rund 60 Dächern im Landkreis. Dem Verein geht es nicht um große Solarparks, vielmehr setzt er auf lokale Konzepte, viele kleine Anlagen, welche die Bevölkerung vor Ort versorgen, „wir wollen den Strom da produzieren, wo er gebraucht wird“, erklärt Geschäftsführer Volker Klös auf Nachfrage.

Eigentümer können aus drei Varianten wählen

Und so könnte das Ganze funktionieren: Der Verein ermittelt nach Absprache mit Kommune und Bürgern Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Weimars Dächern. Für jene Flächen, die infrage kommen, würde ein eigenes Konzept entwickelt werden. Die Dach-Eigentümer hätten dann drei verschiedene Wahlmöglichkeiten:

  • Entweder sie entscheiden sich dafür, auf eigene Kosten Photovoltaikanlagen anzubringen und sich selber mit Strom zu versorgen.
  • Oder sie vermieten ihr Dach an den Verein Sonneninitiative, der auf eigene Kosten Solarpanele errichten lässt und dafür Pacht zahlt.
  • Auch eine Kombination aus beidem wäre über ein Leasing-Konzept machbar: Der Verein baut die Anlage, die Bürger nutzen diese gegen eine Leasing-Gebühr zur Selbstversorgung.

Der Vorteil: Die Gemeinde müsste für die Photovoltaik­anlagen keine eigenen Investitionsmittel aufbringen. Denn die Kosten würden entweder die Bürger und Nutzer selber oder der Verein übernehmen. Je nach Modell, könnten Bewohner, die sich an dem Programm beteiligen, nicht nur vom Sonnenstrom sondern auch von erzielten Erlösen aus der Netzeinspeisung profitieren und zudem Bezugsgebühren und Steuern sparen, sagt Klös.

Noch ist es nicht so weit, erst steht noch die Prüfung an, die etwa durch Luftaufnahmen oder per Ortsbegehung durchgeführt wird. Die Idee gab es indes schon einmal – vor gut neun Jahren wurde bereits geprüft, ob sich die Gemeindedächer für Solaranlagen eignen.

Das Fazit war enttäuschend, lediglich ein Dach soll damals infrage gekommen sein. Allerdings hat sich seitdem die Technik weiterentwickelt: „Die Anlagen sind heute viel effizienter und viel leichter, außerdem besser anzubringen – davon können alle profitieren“, gibt sich Klös zuversichtlich.

von Ina Tannert

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