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Südkreis "Landarzt light" in Niederweimar
Landkreis Südkreis "Landarzt light" in Niederweimar
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00:19 10.06.2019
Erfolgreicher Arzt-Wechsel: Dr. Sabine Teigelkamp und Dr. Benjamin Klapdor bilden offiziell ab Juli das neue Ärzte-Duo der Praxis im Baumgarten in Niederweimar.  Quelle: Ina Tannert
Niederweimar

Ein junger Mediziner, der sich in einer Praxis auf dem Land niederlässt und eine von bundesweit vielen offenen Arztstellen besetzt – das kommt angesichts anhaltenden Ärztemangels nicht alle Tage vor. Besonders nicht bei Hausärzten. Niederweimar ist mit gleich mehreren Ärzten allerdings gut aufgestellt und dabei dürfte es auch bleiben. Denn einer davon ist nun Allgemeinmediziner Dr. Benjamin Klapdor, der bereits Teil der Praxis Krause und Teigelkamp ist und künftig Thomas Otto Krause nachfolgen wird, der in den Ruhestand geht.

Klapdor ist bereits seit Oktober in der Lehrarztpraxis, wo er seinen Facharzt für Allgemeinmedizin vor rund zwei Monaten beenden konnte. Für einen reibungslosen Wechsel arbeiten bisheriger und neuer Arzt noch parallel. Offiziell folgt „die Staffelstabübergabe“ am 1. Juli, dann bilden Klapdor und Dr. Sabine Teigelkamp das neue Ärzte-Duo.

Patienten haben den jungen Arzt "super angenommen"

Schon jetzt habe er sich „sehr gut eingelebt“, berichtet der 33-Jährige. Und bereits „eine hohe Wertschätzung erfahren – gerade dann, wenn man sich als junger Arzt auf dem Land niederlässt“, erzählt er. Die Patienten hätten den jungen Arzt bereits „super angenommen“, lobt auch Kollegin Teigelkamp. Klapdor stammt gebürtig aus dem Ruhrgebiet, war zuvor in einer Praxis in Gladenbach erstmals hausärztlich tätig, zuvor am Uniklinikum.

Die Arbeit an einer Klinik, im Schichtdienst, auf der Intensivstation und mit hoher Arbeitsbelastung, bot für ihn jedoch „keine Perspektive“. Er entschied sich für die Selbstständigkeit und die Praxisarbeit – und gegen ein Ballungsgebiet, sondern für das Land. Denn das biete für ihn „gute Chancen, außerdem lebe ich gerne in Marburg, die Arbeit auf dem Land finde ich sehr reizvoll“, sagt er.

Dort sei man gerade als Hausarzt „wichtige Anlaufstelle“, begleite Patienten nicht nur kurze Zeit, sondern über ganze Lebensepisoden hinweg oder auch gleich mehrere Generationen einer Familie. „Es ist eine viel persönlichere Ebene und man hat eine stärkere Bindung zueinander“, betont der 33-Jährige. Darüber hinaus lobt er eine gute Lage und Infrastruktur des Standortes, der sich für eine Ansiedlung besonders gut eigne.

Hohe Ärztedichte in Niederweimar

Und was die Arztnetz-Dichte angeht, sticht der Ort statistisch durchaus heraus. Auch wenn der heimische Landkreis gut aufgestellt ist: Laut Bundesarztregister gibt es im Landkreis (ohne die Stadt Marburg) 244 Ärzte und Psychotherapeuten, die sich 212 Versorgungsaufträge – also volle Arztsitze – teilen. Umgerechnet wären das 125 je 100.000 Einwohner. In der Stadt Marburg sind es 363 Mediziner, von denen sich einige die Arztsitze teilen und somit 271 Versorgungsaufträge (356 pro 100.000 Einwohner) erfüllen.

Bundesweit gibt es regional starke Unterschiede und Bezirke, die eine geringere Arztdichte aufweisen, vor allem bei Hausärzten, gerade auf dem Land für viele Patienten die erste Anlaufstelle. Die Hausarztdichte in Hessen liegt bei 64,9 Hausärzten je 100.000 Einwohner, womit das Bundesland in der Statistik recht weit unten rangiert. Im Landkreis (mit der Stadt Marburg) liegt die Versorgungsdichte bei 68,9 Hausärzten pro 100.000 Einwohner.

Vor diesem Hintergrund sei Niederweimar mit zwei Arztpraxen und mindestens vier, zeitweise fünf Hausärzten – neben Teigelkamp und Krause gibt es die Gemeinschaftspraxis Naumann und Schneider – gut aufgestellt. Hinzu kämen Kinder- und Zahnärzte. Andere Faktoren, wie die Nähe zu Marburg, sei ebenso von Vorteil, so Klapdor. Er sei zwar Arzt in einer ländlichen Gemeinde, durch diese Vorteile aber wohl „eher ein Landarzt light“, scherzt er.

von Ina Tannert