Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis „Fachwerk bedeutet Wohlbefinden, Geborgenheit und Wärme“
Landkreis Südkreis „Fachwerk bedeutet Wohlbefinden, Geborgenheit und Wärme“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 05.09.2021
Herbert Merkel aus Niederwalgern hat über die Fachwerkkirchen im Kreis geforscht und ein Buch darüber geschrieben.
Herbert Merkel aus Niederwalgern hat über die Fachwerkkirchen im Kreis geforscht und ein Buch darüber geschrieben. Quelle: Ina Tannert
Anzeige
Niederwalgern

Stabilität, Tradition, ein Bau für die Ewigkeit – ein gut gemachter Fachwerkbau steht bis heute für Qualität und handwerkliches Können des Bauhandwerks.

Ein Haus aus einem robusten Skelett aus Holz mit eingebauten Streben und den mit Lehm-Gemisch oder Ziegel gefüllten Gefachen kennt man aus zahlreichen alten Ortskernen. Doch auch viele Kirchen wurden in dieser Bauart errichtet und so einige haben die Jahrhunderte überdauert.

Sein drittes Werk

Nur welche und wie viele es im gesamten Landkreis sind, das hat Herbert Merkel bei seinen Nachforschungen über Fachwerkkirchen nicht finden können. Also hat er selbst ein Buch geschrieben, in dem er alle aus Fachwerk erbauten Kirchen in Marburg-Biedenkopf dokumentiert und ihre Besonderheiten beschreibt. Es ist das dritte Werk des Brauchtums- und Ahnenforschers aus Niederwalgern und ihm eine Herzensangelegenheit: „Ich bin einfach ein Fan von Fachwerk, auf dem Dorf wächst man damit auf“, verrät der gebürtige Leidenhofener schmunzelnd.

Das Buch soll eine Lücke in der Lokalgeschichte füllen, „das gibt es so noch nicht im Kreis, obwohl wir über 40 Fachwerkkirchen haben“. Für seine Forschung griff er auf einige Aufzählungen anderer Autoren zurück, den Großteil recherchierte Herbert Merkel jedoch selber, sprach mit Menschen in den Kirchengemeinden und in Vereinen, wälzte Geschichts- und Kirchenbücher und reiste gemeinsam mit seiner Frau durch den ganzen Landkreis. Immer mit dabei seine Kamera, um Fotomaterial für das bildstarke Buch zu bekommen. „Es kam viel Material zusammen, ich war selber erstaunt, wie viele Seiten da am Ende heraus kamen.“ 500 Seiten sind es am Ende geworden.

Im Gebälk muss es krachen

Fachwerk fasziniert ihn schon lange, viele Urlaube hat er mit Besichtigungen von großen Fachwerkbauten verbracht, etwa in Ostdeutschland. Besonders entzückt hat ihn Schmalkalden in Thüringen, „dort gibt es wunderschön aufbereitete Häuser, ein echtes Fachwerkstädtchen“.

Passend, von dort stammen seit dem 15. Jahrhundert seine Vorfahren, die Stahlschmiede waren, seine Ahnenforschung reicht bis 1350 zurück. Die bewährte Bauweise, auf Jahrhunderte ausgelegt, fasziniert ihn, gerade da heutige Gebäude oft genug nur über einige Jahrzehnte Bestand haben: Schon als Kind tobte er durch alte Fachwerkhäuser, Scheunen und Nebengebäude, fühlt sich wohl in einem „lebendigen Haus“, das auf Temperaturunterschiede reagiert, wo es im Gebälk kracht und in dem dicke Balken Sicherheit versprechen: Für ihn bedeute Fachwerk „Wohlbefinden, Geborgenheit und Wärme“.

Und in dieser Bauart errichteten Kirchen wohnt außerdem eine gewisse Erhabenheit inne und davon fand er einige im Kreis, die es zu unterscheiden gilt: 34 echte Fachwerkkirchen gibt es, außerdem acht weitere, an denen nachträglich Fachwerk angebaut wurde. Es gab bis ins letzte Jahrhundert hinein noch weitere, mindestens sechs Kirchen wurden in den 1960er und 70er Jahren abgerissen.

Manche sind besonders alt, haben Jahrhunderte überstanden, manche noch recht jung und gerade mal 100 Jahre alt. Auffallend viele entstanden in holzreichen Regionen im Hinterland im 17. und 18. Jahrhundert.

Er hat alle fotografiert

Eine seiner liebsten steht übrigens in Gladenbach-Rüchenbach, es ist mit einer der kleinsten, dafür ein besonders schön gestalteter Bau.

Die im Verhältnis kleinste Kirche aus Fachwerk gibt es in Gladenbach-Bellnhausen, „die Stolzeste ist die in Wolferode bei Stadtallendorf, das ist wirklich ein Prunkstück, gerade für einen kleinen Ort“, sagt Herbert Merkel.

Alle hat er fotografiert und auch historische Bilder ergänzen seine Dokumentation. An seinem Buch arbeitete er gut zwei Jahre, auch Gerald Bamberger und Marian Zachow haben sich als Gastautoren an dem Werk beteiligt.

Die erste Auflage ist nun erschienen. Herbert Merkel hofft, dass er einen Beitrag zur lokalen Geschichte beisteuern und seine „Affinität zu Fachwerk“ mit anderen teilen kann, sagt er lachend.

Das Buch kann für 32,80 Euro als Hardcover bei Herbert Merkel erworben werden, Telefon 0 64 26 / 68 45, E-Mail: herbertmerkel@ t-online.de

Von Ina Tannert