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Südkreis „Die Nähmaschine rennt“
Landkreis Südkreis „Die Nähmaschine rennt“
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12:58 01.05.2020
Die Näherinnen Nadine Menzer (links) und Christine Kaiser-Suchsland haben gemeinsam mit anderen Freiwilligen hunderte Masken an die Bewohner verteilt. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorf

Seit wenigen Tagen gilt die Maskenpflicht in Geschäften oder Banken, doch Nähmaschinen im gesamten Landkreis stehen schon seit Wochen kaum noch still. Das Heimwerker-Hobby rund um Nadel, Stoff und Faden erlebt derzeit einen nie gekannten Boom und das bei einem ernsten Hintergrund. Doch was tun, wenn kaufbare Gesichtsmasken rar geworden sind oder man mit dem Handwerk auf Kriegsfuß steht? Dafür stehen vielerorts zahllose Freiwillige bereit, die mit Selbstgemachtem aushelfen und für Familie, Freunde Nachbarn nähen was die Nadel hergibt. So auch in Ebsdorf, wo sich acht geschickte Näherinnen zusammengetan haben und direkt einen Großteil des Ortsteils und noch einige Nachbarn aus der Umgebung mit Selfmade-Alltagsmasken versorgt haben.

An den letzten beiden Samstagen organisierte die Kirchengemeinde eine Ausgabestation an der Ebsdorfer Kirche. War die Resonanz am ersten Wochenende noch recht verhalten, standen die Bewohner am letzten Samstag, kurz nach der Ankündigung der bundesweiten Maskenpflicht, dann Schlange. Geduldiges Anstehen mit Sicherheitsabstand im Kirchgarten war angesagt, die Auswahl an farbenfrohen Masken war dafür besonders groß. Für die Kinder gab es knallbunte Stücke im kleinen Format, aber auch auf den Masken für Erwachsene reihten sich Tupfen, Punkte, Kringel oder farbenfrohe Figuren aneinander. Und die gingen weg wie das sprichwörtliche geschnittene Brot, Dutzende begeisterte Bewohner und einige Nachbarn aus den umliegenden Orten nutzten das kostenlose Angebot und deckten sich mit Masken ein. So mancher hinterließ dankbar etwas Bares in der Spendenbox. Die Näherinnen erhielten jede Menge Lob für die hilfreiche Aktion und freuten sich über die hohe Resonanz – schließlich wollen sie ihre Masken für einen sinnvollen Zweck eingesetzt sehen. „Wir sind begeistert, so viel Andrang und doch mit viel Abstand, eine tolle Sache“, lobte etwa Christine Kaiser-Suchsland.

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Stillstand gibt es nicht

Eine Stunde hatten die Organisatoren für die Ausgabe angedacht. Die brauchte es nicht, innerhalb von knapp 20 Minuten waren nahezu alle Masken vergriffen, ein paar Nachzügler gingen leer aus. An beiden Aktionstagen wechselten 550 Masken der Näherinnen die Besitzer. Bereits zuvor hatten diese schon die Mitglieder der Einsatzabteilung der Feuerwehr Ebsdorf mit individuellen Masken ausgestattet, stilecht in Feuerwehr-Rot und mit Schriftzug versehen.

Die Freiwilligen sind zwar froh, dass nun so langsam alle versorgt sind, dennoch wird vielerorts weitergenäht, neben Privatleuten erhalten auch Mitarbeiter von Organisationen selbstgemachte Masken, etwa das Deutsche Rote Kreuz. „Die Nähmaschine rennt und steht nicht mehr still“, fasst Kaiser-Suchsland die letzten Wochen mit einem Augenzwinkern zusammen.

Von Ina Tannert

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