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Südkreis Stürmische Zeiten für hessische Waldbesitzer
Landkreis Südkreis Stürmische Zeiten für hessische Waldbesitzer
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14:58 03.04.2020
Ein Borkenkäfer ist in einem Gang zu sehen, den das Insekt in den Stamm einer Fichte gefressen hat. Quelle: Archivfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/ZB/dpa
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Wittelsberg

Während Waldbesitzer bis vor gar nicht allzu langer Zeit eher zu den Privilegierten der Gesellschaft gehörten, müssen sie in Zeiten des Klimawandels fürchten, von ihrem Hab und Gut geradewegs in der Ruin getrieben zu werden. Das jedenfalls war die vorherrschende Meinung bei der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Marburg des Hessischen Waldbesitzerverbandes, die vor der Corona-Pandemie in Wittelsberg stattfand.

Verheerende Stürme, anhaltende Trockenheit und, daraus folgend, massiver Borkenkäferbefall ihrer Baumbestände machen aus einstmals rauschenden Wäldern traurige Wüsteneien. Falls einer unter ihnen geglaubt hatte, schlimmer als jetzt könnte es nicht mehr werden, werde er sich nach den Prognosen Christians Raupachs, geschäftsführender Direktor des Hessischen Waldbesitzerverbandes, getäuscht sehen.

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Während Landrätin Kirsten Fründt zur Einleitung der Sitzung zwar angab, um die Sorgen der Forstleute zu wissen, ihnen dennoch Mut zusprach und eine glückliche Hand wünschte, berichtete Raupach davon, dass jetzt schon wieder die Borkenkäfer aktiv würden, aufgrund des wieder viel zu milden Winters deutlich vor der Zeit. Ab jetzt blieben nur noch wenige Wochen, um gesunde Bäume vor dem Befall der Käfer zu bewahren. „Ich kann Ihnen nur raten, jetzt die Kettensägen klar zu machen und befallene Bäume schnellst­möglich rauszuholen. Und verbrennen Sie die Rinde, verbrennen Sie die Kronen, alles andere nützt nichts“, appellierte er an seine Kollegen.

Bundesweit hätten zahllose Betriebe bis zu einem Viertel ihres Baumbestandes eingebüßt. In der Folge sei Fichtenholz praktisch unverkäuflich. Inzwischen seien sogar die Buchenbestände gefährdet, da selbst diese Baumart mit den veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr klar komme. Kosten in Höhe von rund 20 000 Euro pro Hektar für die Wiederaufforstung seien für die allermeisten Betriebe jenseits des Vorstellbaren, meinte Raupach.

Und selbst wer diese Investition stemmen könne, sehe sich noch mit weiteren Hürden konfrontiert. In Baumschulen gebe es bis auf Weiteres keine Setzlinge mehr, und falls man doch mit Glück welche ergattert habe und diese im Wald einpflanze, würde kurz darauf in nullkommanix der derzeit viel zu hohe Wildbestand sich herzlich für das frische Grün bedanken. Ein vernünftiger, zielgerichteter Wiederaufbau der Wälder könne deshalb nur Hand in Hand mit der Jägerschaft funktionieren.

Darüber hinaus legte er den Waldbesitzern dringend ans Herz, bestehende Fördermöglichkeiten des Landes, Bundes und der EU zu beantragen und appellierte an alle, die es betrifft: „Wir werden die Forstwirtschaft ganz neu definieren müssen. Mit Holzverkauf alleine ist das nicht mehr zu finanzieren. Da muss man über neue Geschäftsfelder nachdenken.“

Heinrich Breitstadt, Vorsitzender der Kreisgruppe Marburg, freute sich anschließend, den Referatsleiter für Forstpolitik des Hessischen Umweltministeriums, Martin Küthe, in der Runde begrüßen zu können. Der stieß denn auch gleich in die selbe Richtung wie eben noch Raupach: „Es geht jetzt nicht mehr rein darum, den Wald zu unterstützen. Wir müssen ganz neu denken, denn nach dem Sturm ist vor dem Sturm. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Orkan seine Verwüstungen hinterlässt.“

Man solle sich derzeit aber auch nicht zu große Sorgen machen, denn das Gesetz zur Wiederaufforstung besage auch, dass diese innerhalb von sechs Jahren stattfinden müsse, es sei also noch etwas Zeit und notwendige Investition könnten so gestreckt werden. Und er betonte: „Wir lassen sie als kleine Waldbesitzer mit diesen immensen Schäden sicher nicht im Regen stehen. Wir kümmern uns.“ So würden in 2020 bundesweit knapp 40 Millionen Euro für den Wald bereit gestellt, davon gut 7 Prozent allein für Hessen, für den Waldumbau gebe es nochmal 12 Millionen, wovon 4,5 Prozent an Hessen gingen.

Und Maximilian Noe, der Vorsitzende der Jungen Union Marburg-Bieden­kopf und in Vertretung für den Landtagsabgeordneten Dirk Bamberger bei den Waldbesitzern zu Gast, versprach, deren Sorgen und Nöte aufzunehmen und an den richtigen Stellen anzubringen.

Von Volker Kubisch

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