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Südkreis Finn hat sein Lachen zurück
Landkreis Südkreis Finn hat sein Lachen zurück
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13:58 07.09.2021
Riesenüberraschung: Ein eigenes Trikot vom FC Bayern für Finn brachte Gert Mauersberger bei Familie Hedderich vorbei.
Riesenüberraschung: Ein eigenes Trikot vom FC Bayern für Finn brachte Gert Mauersberger bei Familie Hedderich vorbei. Quelle: Ina Tannert
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Roßberg

Ein breites Lächeln empfängt Besucher heutzutage wieder im Haus der Familie Hedderich. Mutter Melanie, Vater Jens mit den Kindern Finn und Lina lachen viel, vor allem der Bruder grinst mit Schwester Lina um die Wette. Die Familie hat viel nachzuholen, ihr Lachen fanden sie erst im Verlauf des letzten Jahres so richtig wieder, nachdem Finn sich auf dem Weg der Besserung befand.

Im September 2019 wurde bei dem damals sieben Jahre alten Jungen Knochenmarksversagen diagnostiziert – eine lebensgefährliche Bluterkrankung, durch die sein Knochenmark drohte zu versagen und die Produktion lebenswichtiger Blutzellen einzustellen. Eine niederschmetternde Nachricht für die Familie, die alle Hebel in Bewegung setzte, um Finn retten zu können.

Schutzengel ist Schwester Lina

Die einzige Chance war eine Stammzellspende von einem passenden Spender. Und Finn hatte wohl einen Schutzengel, denn Schwester Lina, damals acht Jahre alt, stellte sich als die ideale Spenderin heraus und konnte das Leben ihres Bruders retten. Über diesen seltenen Glücksfall und nicht zuletzt die medizinische Entwicklung ist die Familie unendlich erleichtert, „wir können nur dankbar sein, was heute möglich ist, da wird man richtig demütig“, sagt Melanie Hedderich.

Die Stammzelltransplantation von Schwester auf Bruder folgte im Dezember 2019, danach war Finns Immunsystem am Boden, er lebte über sechs Wochen in Quarantäne in der Gießener Klinik, muss auch zuhause sehr auf sich achten. Und doch blühte der lebenslustige Junge langsam wieder auf, „schon in der Klinik haben sich alle gewundert, wie viel Dampf er da direkt wieder hat“, erinnert sich Vater Jens Hedderich noch gut und grinst seinen Sohn an.

FC Bayern lädt Finn nach München ein

Der zuckt lachend die Schultern, „mir geht es wieder gut“, stellt er erleichtert fest. Seit gut einem Jahr darf er wieder in die Schule gehen, Fußball spielen, Freunde treffen, einfach Kind sein. Lina umarmt ihren kleinen Bruder und zeigt auf seinen blonden Haarschopf. Der ist auch wieder nachgewachsen, freut sich die Zehnjährige.

Finn und Lina Hedderich

Finns Erkrankung hat viele Menschen im Landkreis und darüber hinaus bewegt, die Hilfsbereitschaft war groß, zugleich erhielt das Thema Blutkrebs und die Bedeutung von Stammzellspenden Aufmerksamkeit: Spendenaktionen wurden initiiert, etwa von Finns Schule, außerdem eine große Typisierungsaktion für mögliche Stammzellspender, die zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) auf die Beine gestellt wurde.

Aufmerksamkeit beim FC Bayern

Und die wurde beworben, mit Flyern, auch die OP berichtete über die Aktion und das Schicksal der Familie. Fotos von Finn gingen um die Welt, die auch in Bayern für Aufmerksamkeit sorgten. Denn auf nahezu allen Bildern, die es von dem Jungen gibt, trägt er ein Trikot vom FC Bayern – sein ganzer Kleiderschrank ist voll damit, er ist ein Riesenfan.

Das drang auch bis zur Führungsriege des FC Bayern durch, und so erhielt Finn vor Kurzem Besuch aus dem Freistaat: Gert Mauersberger vom Bereichsvorstand der Schiedsrichter und gebürtig aus Marburg besuchte die Familie. Er hatte über ihr Schicksal gelesen, „da wollten wir sofort etwas für Finn machen“, erzählt Mauersberger. Nur kam da die Pandemie dazwischen, die große Überraschung musste warten und wurde nun nachgeholt.

Ein eigenes Trikot

Der FC Bayern lädt Finn und seine Familie zu einer Stadiontour und einem Heimspiel nach München ein, das sie vom VIP-Bereich aus verfolgen, außerdem den Campus besuchen können. Der Fußballclub erfülle todkranken Kindern regelmäßig Wünsche, er fürchtete schon, dass auch Finn in diesen Bereich fallen würde, „zum Glück ist bei dir aber alles gut gegangen“, freut sich Mauersberger.

Beim nächsten Spiel darf eins natürlich nicht fehlen, ein persönliches Trikot aus der aktuellen Saison: Das hatte der Besucher direkt dabei, mit Finns Namen und der Spielernummer 9 darauf, „für alles, was du durchgemacht hat“, sagt Mauersberger und zieht das versteckte Trikot aus der Tasche. Das sorgt für große Augen, ein noch breiteres Grinsen und Gebrüll: „Oh mein Gott, danke“, schreit Finn wie aus der Pistole geschossen. Die Überraschung ist geglückt, der Junge völlig aus dem Häuschen.

Kimmich und Lewandowski sind die Lieblingsspieler

Die Neun passt zu seinem Alter, die trägt aktuell aber auch Robert Lewandowski – „er und Kimmich sind meine Lieblingsspieler“, verrät Finn lachend. Seine Schwester ist genauso begeistert, „Finn ohne Trikot, das gibt es gar nicht“, sagt Lina. Auch sie ist begeisterte Fußballerin, die Geschwister kicken beide beim VfL Dreihausen. Der Verein hatte sich ebenfalls stark für Finn eingesetzt und durch den Kontakt mit der DKMS dem Thema Stammzellspende angenommen.

Finn kann Monate nach der lebensrettenden Stammzellspende wieder lachen und richtig durchstarten.

Am vergangenen Mittwoch spielte der VfL bei der KOL-Partie gegen Frohnhausen zum ersten Mal in DKMS-Trikots. Die hätte es ohne Finns Krankheit gar nicht gegeben; die Aufmerksamkeit für das Thema nicht abreißen zu lassen, sei ihr sehr wichtig, freut sich Melanie Hedderich.

Normale Momente erleben

Die Familie holt nun „nach 23 schlimmen Monaten“ vieles nach, vor allem vermeintlich normale Momente, die sie nach dieser Erfahrung mit ganz anderen Augen sehen: „Einfach mit allen abends auf der Couch sitzen und morgens zusammen frühstücken, als Familie zusammen sein zu können – das ist unbezahlbar“, sagt die Mutter glücklich.

Von Ina Tannert

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