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Südkreis Senior zahlt Kind Schmerzensgeld
Landkreis Südkreis Senior zahlt Kind Schmerzensgeld
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00:17 07.05.2019
Bei einem Zusammenstoß einem Auto erlitt eine zwölfjährige Radfahrerin im Dezember Prellungen. Quelle: Tim Brakemeier/dpa/Themenfoto
Marburg

Detailreich und sehr nervös, wie er selbst bekundete, schilderte der Rentner, wie er nach der Entsorgung von Altglas und Dosen am 11. Dezember des vergangenen Jahres wieder auf die Herborner Straße auffuhr.

Dort kam es zu einem Unfall, weswegen sich der 78-Jährige nun vor dem Amtsgericht Marburg verantworten musste.

Gerade weil man wegen einer Hecke nicht allzu viel sehen könne, habe er sich bewusst im Schritttempo an die Straße herangetastet. Nachdem er sich vergewissert habe, dass niemand zu sehen war, sei er herausgefahren.

Wie es dann zu der Berührung mit einer zwölfjährigen Radfahrerin, die den Gehweg befuhr, gekommen sei, konnte der Angeklagte nicht erinnern. Deswegen könne er auch keine Fahrerflucht begangen haben, bekundete der 78-Jährige vor Gericht.

Vater des Opfers von Vorschlag überrascht

Ein Zeuge, der zufällig aus dem Fenster schaute, schilderte den Zusammenstoß etwas anders. Er berichtete, dass das Mädchen nach dem Zusammenstoß sein Fahrrad aufhob und anschließend schiebend wohl nach Hause ging. Er habe beobachtet, dass der Unfallverursacher erst dann fortgefahren sei, nachdem das Mädchen bereits den Heimweg angetreten hatte.

Völlig überrascht vom Vorschlag des Richters Dominik Best, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen, wurde der Vater der Zwölfjährigen bei seiner Einvernahme. Er selbst ­konnte nur vom Hörensagen berichten, da er selbst bei dem Unfall nicht zugegen war, und mochte zunächst einer Einstellung des Verfahrens nach Artikel 153 der Strafprozessordnung nicht zustimmen. Schließlich habe sich der Unfallverursacher nicht um die Folgen des Zusammen­stoßes gekümmert.

Unfallopfer erlitt durch den Sturz Prellungen

Ausführlich erläuterte Staatsanwältin Sarah Otto, was eine Verfahrenseinstellung bedeute und wie ansonsten fortzufahren sei. Schließlich mögen der gemeinsame Wohnort und auch die gelegentlichen geschäftlichen Beziehungen zur nahen Verwandtschaft den Ausschlag zum Umdenken des Vaters gegeben haben.

Da auch das Unfallopfer, welches vom Sturz lediglich Prellungen davongetragen hatte, mit einer Verfahrenseinstellung einverstanden war, herrschte bei Verteidiger Hans-Ulrich Ostrowitzki und seinem Mandanten sichtbare Erleichterung. Schließlich war zuvor bereits von einem möglichen Fahrverbot die Rede, worauf sich die Verteidigung mit einem Unfallgutachten vorsorglich gewappnet hatte. Dieses wurde nicht mehr in die Beweisaufnahme eingeführt.

Mit dem Versprechen, sofort die vom Gericht festgelegten 300 Euro Schmerzensgeld zu zahlen, endete das Verfahren.

von Heinz-Dieter Henkel