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Südkreis Essen aus der Heimat mitten im Dorf
Landkreis Südkreis Essen aus der Heimat mitten im Dorf
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18:00 11.04.2019
Hier wollen Anja Bier, Kai Lauer, Katharina Marin und Carsten Marin einen alten Hof zu einer Marktscheune umbauen. Quelle: Nadine Weigel
Wittelsberg

Preisfrage: Was machen eine Zahnärztin, ein Elektrotechniker, ein Betriebswirt und eine Werberin gemeinsam auf dem Land? Richtig, sie bauen einen alten Hof zu einer Marktscheune mit Café und Hofladen um. Mitten in Wittelsberg, Ecke Am Marktplatz und Holzhäuser Straße, hat Kai Lauer 2011 einen Hof gekauft. Dort nutzt er einen ehemaligen Stall als Lager für seinen Betrieb.

Gemeinsam mit seiner Verlobten Anja Bier, seiner Schwester Katharina Marin nebst Schwager Carsten Marin fasste Kai Lauer den Entschluss, den Hof umzugestalten. Dort sollen zukünftig regionale Erzeuger das ganze Jahr über ihre Produkte anbieten können – Käse, Fleisch oder Brot etwa. Derzeit sind zwei Markttage pro Woche angepeilt.

In Ergänzung zum Markt soll es in einem Hofladen weitere Produkte des täglichen Bedarfs geben, mit einem „nachhaltigen“, „ökologischen“ und „verpackungsarmen“ Angebot. So heißt es in der Projektbeschreibung. Nach dem Start wird das Sortiment nach den Wünschen der Kunden erweitert.

Mitstreiter nehmen rund 500.000 Euro in die Hand

Das dritte Standbein des Projektes wird ein Café mit etwa 30 Sitzplätzen, das genau wie der Hofladen an mehreren Tagen in der Woche öffnet. „Meine Mutter kennt viele alte Kuchenrezepte und will für das Café backen“, sagt Katharina Marin. Auch einen Mittagstisch wird es geben, zum Beispiel mit Suppen oder Eintöpfen. Und schließlich wollen die vier zu besonderen Terminen verschiedene Veranstaltungen organisieren, etwa ein Erntedankfest, einen Adventsmarkt oder Maigrillen.

Kai Lauer und seine Mitstreiter hatten sich gefragt, was sie gerne in Wittelsberg einkaufen würden, was ihnen fehlt. So entstand die Idee. Die vier denken groß: Mit Marktscheune, Café und Laden soll die „Dorfmitte wieder aufleben“, heißt es in der Projektbeschreibung. „Außerdem möchten wir die Marktscheune regional zum Publikumsmagneten und überregional bekannt machen.“ Sollte das Projekt Erfolg haben, möchten die Initiatoren das Angebot auf dem Hof weiter ausbauen. So könnten sie sich beispielsweise vorstellen, einen Weinkeller in dem alten Gewölbe des Wohnhauses einzurichten.

Rund 500.000 Euro müssen sie nun erstmal in die Hand nehmen, um die Gebäude passend herzurichten. Die Scheune braucht ein neues Dach, neue Fenster müssen eingebaut werden und in dem alten Stall, wo das Café eingerichtet werden soll, wird die Decke erhöht und eine Fußbodenheizung eingebaut. Auch Sanitäranlagen, Küche und Lagerräume müssen installiert werden.

Sie haben „bescheiden“ kalkuliert

Die Investitionssumme ist groß, aber Betriebswirt Carsten Marin ist zuversichtlich. „Wir haben unseren Geschäftsplan bescheiden gerechnet“, sagt er. 500 Kunden im Monat, die im Schnitt 12 Euro ausgeben, brauche das Projekt. Einen Teil des Geldes, das für Umbau und Einrichtung benötigt wird, kommt aus Fördermitteln.

Die Region Marburger Land hat bereits einen Zuschuss von 45.000 Euro bewilligt. Weitere 100.000 Euro könnten aus einem anderen Fördertopf hinzukommen. Ab Juni rücken die Handwerker auf dem Hof an. Im Frühjahr 2020 wollen die vier eröffnen.

Erzeuger, die Interesse daran haben, auf dem Hof zu verkaufen, können sich an die Initiatoren wenden unter info@die-marktscheune.de.

von Dominic Heitz