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Südkreis Kommt das 365-Euro-Ticket für alle?
Landkreis Südkreis Kommt das 365-Euro-Ticket für alle?
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11:00 24.11.2019
Wer regelmäßig mit Bus und Bahn über weite Strecken hinweg unterwegs ist, gibt im Jahr schnell mehr als 365 Euro für den ÖPNV aus. Mit einem möglichen Flatrate-Ticket könnte sich das ändern. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Kreise Marburg-Biedenkopf und Siegen-Wittgenstein wollen gemeinsam eine Modellregion für die testweise Einführung eines 365-Euro-Tickets für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden. Das teilen Landrätin Kirsten Fründt und Landrat Andreas Müller in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit.

Das Vorhaben fußt auf den Eckpunkten des Klimapakets des Bundes, der zehn Modellprojekte zur Stärkung der ÖPNV fördern will, etwa die Einführung der Jahrestickets für 365 Euro. Durch weitere Anreize sollen mehr Menschen motiviert werden, vom Auto auf Bus und Bahn umzusteigen.

Die Resonanz rund um eine mögliche Flatrate für Bus und Bahn blieb nicht aus, einige Städte und Regionen haben sich bereits beworben, etwa Wiesbaden oder der RMV für die Rhein-Main-Region. Für die Probeläufe könnten die ausgewählten Modellregionen Bundeszuschüsse aus dem Klimapaket erhalten.

Ländlicher Raum geht vor Ballungsgebiet

Ein 365-Euro-Ticket ist mit dem Schülerticket oder der Azubi­card nicht grundsätzlich neu, damit können junge Menschen bereits für umgerechnet einen Euro am Tag durch Hessen fahren. Ab 2020 gilt das auch für das Seniorenticket. Der neue Ansatz würde alle ­Nutzer einbeziehen. Bei der Bewerbung will das Landkreis-Duo mit Eigenarten punkten, spricht von „Alleinstellungsmerkmalen“, die andere Regionen nicht aufweisen könnten. 

„Zwei benachbarte Kreise mit zwei Universitätsstädten in zwei Bundesländern und zwei Verkehrsverbünden, mit vielen direkten Verkehrsbeziehungen und vielfältigen ÖPNV-Verbindungen – das gibt es so wohl kaum noch an einer zweiten Stelle in Deutschland“, heißt es in der Erklärung.

Zumal der ländliche Raum und beide Regionen mit mehr als 500.000 Einwohnern passendes Testgebiet seien. Denn das 365-Euro-Ticket werde „aktuell vor allem in Ballungsräumen diskutiert. Gerade dort hat der ÖPNV schon heute eine hohe Nutzer­quote. Zudem sind die Kapazitäten in den großen Städten – wie etwa im Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt – an ihren Grenzen angelangt“, ergänzt Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow. Im ländlichen Raum gebe es „eine ganz andere Ausgangssituation, sogar mit Kapazitätsreserven“. 

Schon jetzt würden die Kreise daran arbeiten, ihre Verkehrsbeziehungen auszubauen. So werde die Bahnstrecke von Siegen über Kreuztal, Hilchenbach, Erndtebrück und Bad Laasphe nach Biedenkopf, Cölbe und Marburg aufgewertet. „Nach Jahrzehnten werden wir ab Dezember auf dieser Trasse erstmals wieder durchgehende Direktverbindungen von Siegen nach Marburg und umgekehrt haben“, kündigen die Landkreise an.

Beide Kreise in unterschiedlichen Verkehrsverbünden

Denn gerade zwischen Siegen und Marburg fehle es an leistungsfähigen Straßen, die Bahn stelle da eine „echte Alternative“ dar. Bisher war die allerdings „nicht sehr preiswert, wenn man zum Beispiel mit dem Zug von Erndtebrück nach Marburg fahren möchte. Das liegt daran, dass beide Kreise in unterschiedlichen Verkehrsverbünden liegen“, hebt Fründt hervor.

Mit einem gemeinsamen 365-Euro-Ticket würde sich das ändern, zwischen beiden Kreisen mit Bus und Bahn zu fahren sei dann „konkurrenzlos günstig“. Auf Nachfrage äußert sich der Landkreis Marburg-Biedenkopf zu einer konkreten Bewerbung beim Bundesverkehrsministe­rium noch zurückhaltend: „Grundsätzlich ist die Initiative von beiden Landkreisen ein erster Aufschlag – für eine konkrete Bewerbung bedarf es noch eines umfassenden anstehenden Prüfungs- und Abstimmungsprozesses mit den Verbünden und den Beteiligten in beiden Kreisen und Bundesländern“, sagt die Kreisverwaltung.

Mit der Initiative wollen die Regionen vor allem den Fokus mehr aufs Land lenken und zeigen, „dass eine Förderung des ÖPNV nicht nur ein Anliegen für Städte sein darf, sondern gerade für den ländlichen Raum eine große Herausforderung ist“.

von Ina Tannert