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Südkreis „Lottoziehung“ im Parlament
Landkreis Südkreis „Lottoziehung“ im Parlament
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10:59 09.11.2020
Parlament Fronhausen am 5. Novemberdas Baugebiet „Am Hasenpfad“, während Bürgermeisterin Claudia Schnabel die verschiedenen „Töpfe“ wieder füllte. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Beim Baugebiet „Am Hasenpfad“ in Bellnhausen liegen die Vorarbeiten in den letzten Zügen, bald kann gebaut, zumindest die Kaufverträge abgeschlossen werden, und das führte am Donnerstag zu einem recht ungewöhnlichen Bild im Gemeindeparlament: Dort wurden öffentlich die Gewinner im Häuslebauer-Wettbewerb aus dem Lostopf gezogen. Denn über die Auswahl der zehn Bauplätze entscheidet diesmal das Los beziehungsweise ein Punktesystem, durch das Einheimische einen Vorteil bei der Auswahl der begehrten Grundstücke erhalten.

„Herzlich willkommen zur Ziehung der Lottozahlen“, witzelte dann auch Bürgermeisterin Claudia Schnabel, als es an diesen Tagesordnungspunkt ging. Als „Lottofee“ stellte sich Birgit Brand-Becker zur Verfügung, die aus vier Los-Töpfen die Nummern jener Bewerber zog, die als erste im Baugebiet zuschlagen, sich die ersten Grundstücke aussuchen dürfen. Um die begehrten Bauplätze an die Frau oder den Mann zu bringen, hatte sich die Gemeinde einiges einfallen lassen und vergab diese nach speziellen, auf die Käufer und künftigen Bewohner gemünzten, Kriterien.

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Pluspunkte gab es für verschiedene Gegebenheiten: Entweder sollten die Käufer in der Gemeinde leben, dort Verwandte und/oder den Arbeitsplatz haben. Einen weiteren Bonus gab es für ein Ehrenamt in der Gemeinde. Die höchste zu erreichende Punktzahl war 120, die Auswertung ergab, dass die Punktzahlen der Bewerber – insgesamt gaben 26 Interessenten einen Antrag ab – zwischen 40 und 100 lagen. Bei gleicher Punktzahl von Bewerbungen, was öfter der Fall war, entschied das Los über die Reihenfolge bei der Grundstücksauswahl. Über die Richtlinien für die insgesamt vier Lostöpfe wurde im Vorfeld die Rangfolge der Bewerber bestimmt.

Die Käufer verpflichten sich, die Grundstücke auch zeitig zu bebauen – innerhalb von drei Jahren muss das Wohnhaus stehen –, um etwa Spekulationen vorzubeugen, erklärte Schnabel. Zudem müssen eine Zisterne errichtet, außerdem dort auch der Hauptwohnsitz angemeldet werden, so heißt es im Musterkaufvertrag. Auch dürfen die Grundstücke bei drohender Vertragsstrafe für zehn Jahre nicht ohne Zustimmung der Gemeinde verkauft, vertauscht, verschenkt oder sonst wie veräußert werden. Ausgenommen davon ist etwa der Erbfall.

Nun kann es bald losgehen mit dem Häuserbau, die Erschließungsarbeiten im neuen Baugebiet sind weitestgehend abgeschlossen, Kanal und Leitungen liegen, es stehen nur noch Restarbeiten an. Bis spätestens Mitte November sollen die abgeschlossen sein, kündigte Schnabel an. Und dann folgt der eigentliche Verkauf der Bauplätze. Es war das erste Mal, dass die Richtlinie per Losverfahren angewandt wurde und das kam anscheinend gut an im Parlament, das mit 13 Vertretern einstimmig grünes Licht für die kommenden Vertragsabschlüsse zwischen Käufern und Gemeindevorstand gab. Zwei Parlamentarier, die von der Vergabe persönlich betroffen sind, hatten zuvor den Raum verlassen und stimmten nicht mit ab.

Von Ina Tannert