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Südkreis Leitplanke versperrt Weg zum Friedhof
Landkreis Südkreis Leitplanke versperrt Weg zum Friedhof
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17:00 29.07.2019
Die neue Leitplanke soll verhindern, dass Fahrzeuge auf den Gehweg dahinter gelangen. Quelle: Dominic Heitz
Beltershausen

In dem Dorf liegt der Friedhof einige Hundert Meter außerhalb. Menschen aus dem westlichen Teil Beltershausens gehen über einen Feldweg dorthin. Dazu kreuzen sie die Kreisstraße 41, die an dieser Stelle am Ortsrand entlangführt. Autos dürfen auf diesem Stück der Straße mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern fahren.

Direkt neben der Kreisstraße, durch einen kleinen Graben getrennt, führt ein Fußweg in Richtung Dorfzentrum. Im Dorf hält der Bus, der Mädchen und Jungen jeden Tag zur Schule bringt. Einige Kinder laufen aus den neuen Baugebieten an Beltershausens Westrand also knapp neben einer Straße, wo Autos in hohem Tempo fahren.

Hessen Mobil ließ Leitplanke bauen

Einigen Eltern war das zu gefährlich. So traten sie im vergangenen Jahr an die Gemeinde heran mit der Bitte, dort für mehr Sicherheit zu sorgen. Weil sowohl Straße als auch Fußweg dem Landkreis gehören, leitete Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz die Bitte der Eltern an den Landkreis weiter.

Ein gutes halbes Jahr später installierte die Straßenbaubehörde Hessen Mobil im Auftrag des Kreises dort eine über 200 Meter lange Leitplanke. Diese Leitplanke versperrt nun aber den Weg zum Friedhof, den vor allem ältere Menschen seit Jahrzehnten nutzen. Unter den Senioren im Dorf regt sich heftiger Unmut.

Ortsvorsteher hat Durchlass beantragt

Ortsvorsteher Johannes Block erzählt von einen Vorfall, der sich Ende Juni auf der K 41 ereignete: „Ich selbst wurde Zeuge, wie ein unter Demenz leidender Mann auf der Straße umherirrte und vergebens den zu seinem Haus führenden Durchlass suchte.“

Weil der Ärger unter einigen Beltershäusern groß ist, hat Block beim Landkreis beantragt, einen Durchlass in der Leitplanke zu schaffen an der Stelle, wo der Feldweg in die Straße mündet. Zusätzlich soll die zulässige Höchstgeschwindigkeit reduziert werden. Letzteres habe die Gemeinde dem Kreis in der Vergangenheit schon häufiger vorgeschlagen, sagt Bürgermeister Schulz. Darauf habe sich die Behörde am Lichtenholz aber nicht eingelassen.

Privatmann baut kleinen Übergang

Zwischenzeitlich habe ein Privatmann sogar einen Steg zwischen Gehweg und Kreisstraße gebaut, damit Fußgänger den Graben auf dem Weg Richtung Friedhof besser überqueren können – auf dem Grundstück des Landkreises.

Damals habe der Kreis die Gemeinde aufgefordert, den Steg zu entfernen. Schulz sagt, er habe das seinerzeit zurückgewiesen, weil die Gemeinde weder verantwortlich für den Steg noch zuständig für das Grundstück sei. Daraufhin habe er in der Sache vom Landkreis nichts mehr gehört. Der Steg blieb.

Gemeinde soll Überweg sichern

In einem Schreiben an die Gemeinde Ebsdorfergrund von Anfang Juni gibt der Landkreis die Verantwortung an den Bürgermeister zurück: „Eine Sicherung des ‚Übergangs‘ ist bisher durch die zuständige örtliche Straßenverkehrsbehörde nicht erfolgt.“ Im gleichen Schreiben räumt der Kreis ein, dass es „durchaus problematisch“ sei, dass dort Menschen die Straße kreuzen.

In einer Stellungnahme signalisiert die Behörde jedoch die Bereitschaft, die Leitplanke zu unterbrechen. Allerdings nur, sofern die Gemeinde „als zuständige Straßenverkehrsbehörde“ den Überweg im Sinne des Verkehrsrechtes sichert.

Schulz will reduzierte Höchstgeschwindigkeit

Bevor der Kreis einen Durchlass schafft, solle die Gemeinde zunächst zu einer einvernehmlichen Lösung mit dem Ortsbeirat und betroffenen Bürgern kommen, verlautbart die Pressestelle des Landkreises auf OP-Nachfrage.

Ebsdorfergrunds Bürgermeister räumt zwar ein, dass in dieser Sache die Interessen der Eltern mit denen der Senioren im Dorf kollidieren – die einen wollen einen sicheren Schulweg für ihre Kinder, die anderen den kürzesten Fußweg zum Friedhof nutzen. Aber über die Situation an und auf der K 41 gebe es zwischen Gemeinde und Ortsbeirat überhaupt keinen Dissens.

Auch die Gemeinde wolle, dass die Leitplanke unterbrochen wird. Und um eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit auf der Straße habe er sich schon seit Jahren erfolglos bemüht, so Schulz. Dass der Kreis nun von der Gemeinde verlangt, sie solle dort den Übergang sichern, kann er nicht nachvollziehen. Schließlich liege der Übergang auf einem Kreisgrundstück.

Noch Klärungsbedarf

„Ich hab die Faxen dicke“, echauffiert sich der Bürgermeister. Er werde nun eine Geschwindigkeitsbegrenzung anordnen. „Und dann hoffe ich auf das Einvernehmen des Baulastträgers“ – also des Landkreises.

Der Landkreis hatte in seiner Stellungnahme bereits durchblicken lassen, dass die Frage nach einem Tempolimit auf der Kreisstraße neu bewertet werden könne, sobald ein „ordnungsgemäßer, gesicherter Übergang zustande kommt“.

Weil es aber offenbar noch Klärungsbedarf zwischen den involvierten Behörden darüber gibt, wer denn nun den Übergang sichern muss, scheint auch hinsichtlich des Tempolimits weiterer Streit vorprogrammiert. Bis sich Gemeinde und Kreis geeinigt haben, müssen die Beltershäuser auf ihrem Weg zum Dorffriedhof wohl oder übel weiterhin einen Umweg in Kauf nehmen.

von Dominic Heitz