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Südkreis Elke Schwing verabschiedet sich vom „Kinderland“
Landkreis Südkreis Elke Schwing verabschiedet sich vom „Kinderland“
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14:58 14.08.2021
Elke Schwing war mehr als 20 Jahre Leiterin der Kita Bellnhausen und wurde nun in den Ruhestand verabschiedet.
Elke Schwing war mehr als 20 Jahre Leiterin der Kita Bellnhausen und wurde nun in den Ruhestand verabschiedet. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Bellnhausen

Sie kennt nahezu jeder in Bellnhausen und darüber hinaus, Generationen haben mit Elke Schwing viel Zeit im örtlichen Kindergarten verbracht, bringen nun teils den eigenen Nachwuchs ins „Kinderland“. Dort war die 64-Jährige seit 1997 Leiterin und wurde nun von der Kirche, den Kollegen und vielen Kindern herzlich in den Ruhestand verabschiedet.

Sie kann auf viele turbulenten Kita-Jahre blicken, dass sie diesen Beruf ergreifen würde, das stand für die gebürtige Sichertshäuserin auch schon früh fest: „Ich wusste schon seit der achten Klasse, dass ich Erzieherin werde“, verrät Elke Schwing. Schon damals hatte sie Erfahrung in der Arbeit mit Kindern, organisierte gemeinsam mit anderen Jugendlichen Kindergottesdienste im Dorf und betreute die Jüngeren, „das fand ich immer gut, das machte mir Spaß“. Also absolvierte sie erst mal eine Ausbildung zur Kinderpflegerin.

Das alleine reichte ihr nicht, sie wollte zur Erzieherschule und da war sie nicht alleine – sondern eine von 260 Bewerbern, die es auf 50 Lehrplätze schaffen wollten. Die Wartezeit füllte sie mit Arbeit, ging zeitweise nach Stuttgart, „um raus zu kommen und flügge zu werden“, erzählt sie von früher. Dann klappte es mit der Ausbildung, die sie 1976 abschließen konnte. Es sollte nicht die einzige für die dreifache Mutter bleiben. Noch während ihrer Elternzeit bildete sie sich zur Lektorin weiter, konnte dadurch Gottesdienste eigenverantwortlich gestalten, was sie später auch in der Kita umsetzte.

Nach einigen Jahren in der Schwalm kehrte sie 1993 nach Sichertshausen zurück, arbeitete erst einige Jahre in der Kita Fronhausen als stellvertretende Leiterin. Dann nahmen die Pläne für die neue evangelische Einrichtung in Bellnhausen konkrete Züge an, der Neubau wurde 1997 fertig. Schon im Jahr zuvor wurde Elke Schwing und ihr Team von der evangelischen Kirche angestellt und beteiligte sich an der Bauplanung: Sie reisten zu anderen Kindergärten, holten sich Inspiration für die Aufteilung und Einrichtung der neuen Räume. Eine Chance, den eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten, was das Team rege genutzt habe, „wir verbrachten unseren Sommerurlaub damit, die Kita einzurichten“, erinnert sich Elke Schwing lachend.

In den Betrieb startete die neue Einrichtung noch halbtags mit zwei Gruppen und vier Mitarbeitern – heute gibt es fünf Gruppen, um die sich alleine 15 Mitarbeiter vom pädagogischen Personal kümmern. Und der Zuwachs hält weiter an: Sie erlebte über viele Jahre mit, wie die Betreuungszahlen sprunghaft anstiegen, es dauerte nicht lange, da platze die Kita fast aus allen Nähten. In 2016 musste daher bereits eine Gruppe in das benachbarte Bürgerhaus ausweichen. Auch der ein Jahr später fertiggestellte Anbau reichte nur zeitweise, um den wachsenden Bedarf zu decken. Seit rund zwei Jahren wird das Bürgerhaus erneut für die Kinderbetreuung genutzt.

Musik und Religion waren stete Begleiter

Nicht nur räumlich war die Arbeit von Elke Schwing oft ein Spagat, sie musste immer die Betreuung und ihre Leitungsfunktion unter einen Hut bekommen, oft eine Zerreißprobe. Ersteres war ihr dabei das Liebste, „mein Herz war immer bei der Arbeit mit den Kindern, das stand für mich an erster Stelle“, erzählt sie.

Die Verwaltung und Entwicklung der Kita ließ sie aber nicht außer acht, setzte dabei auch eigene Schwerpunkte, allen voran die Religionspädagogik und die Musik. Beides fand sich stets sowohl in Gottesdiensten wieder wie in den regelmäßigen Musicals, für die die musikalische Kita bekannt ist. Vor der Pandemie brachten Erzieher und Kinder immer ein neues Stück auf die Bühne, „das mit den Kindern zu entwickeln hat immer Spaß gemacht und war wirklich anspruchsvoll“, lobt sie.

Das passt, ist doch die schwungvolle Leiterin ebenfalls sehr musikalisch. Elke Schwing spielt unter anderem im Posaunenchor und singt in zwei Chören. Der Musik will sie sich auch im Ruhestand weiter widmen und ebenso die Bildung nicht vernachlässigen: Denn sie möchte nochmal an die Uni, plant gemeinsam mit einer Freundin im Rahmen eines Seniorenstudiums Geschichte zu studieren. Zumindest wenn die Pandemie das zulässt. So möchte sie tiefer in die Vergangenheit eintauchen, vom Mittelalter an bis heute, „ich interessiere mich einfach für geschichtliche Zusammenhänge“, freut sie sich.

In den Ruhestand geht sie mit dieser Vorfreude und zugleich mit vielen guten Erinnerungen. Ihre Nachfolgerin Selina Kuhl steht bereits in den Startlöchern und vollendet gewissermaßen einen Kreislauf: Sie war sogar schon als Kind in der Einrichtung, damals im ersten Jahrgang nach der Eröffnung unter Elke Schwing, von der sie nun die Leitung übernommen hat.

Von Ina Tannert

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