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Südkreis Große Sorge wegen Energiekosten
Landkreis Südkreis Große Sorge wegen Energiekosten
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14:00 02.05.2022
Kühe im Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Kühe im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg-Biedenkopf

Der Russland-Ukraine-Krieg fordert die Weltwirtschaft heraus: Energiepreise steigen horrend an, verschiedene Lebensmittel werden knapp, die Supermarktregale leeren sich. Das spüren auch ansässige Landwirte.

Das Dünger-Problem

Saatgut-Landwirt Frank Staubitz aus Lahntal-Caldern kennt das Problem. „Um Saatgut verkaufen zu können, brauchen wir erst einmal Dünger, und der ist zum fast unbezahlbaren Gut geworden“, berichtet er. Wo letztes Jahr der Preis noch bei 17 Cent pro Kilogramm lag, ist er jetzt bei einem Euro angekommen. Denn die Herstellung des Düngers ist energieintensiv. „Meist wird dieser über Gas erzeugt, welches zum Großteil aus Russland kommt. Viele kaufen den Dünger direkt aus russischer Hand“, erklärt Staubitz. Das macht die Situation komplizierter.

Das weiß auch Martin Lölkes, Milchvieh-Landwirt aus Münchhausen. „Der Preis für Dünger hat sich in jedem Fall vervierfacht. Sollte es einen Gas-Import-Stopp für Russland geben, kann es sein, dass wir nächstes Jahr wenig oder gar keinen Dünger bekommen“, befürchtet er. Milchviehbetriebe erhielten zwar nun mehr Geld für ihre Milch, für den Ausgleich der Mehrkosten reiche es dennoch oftmals nicht. „Wir bekommen im Vergleich zum Vorjahr zirka 30 Prozent mehr Geld für unsere Milch, müssen aber trotzdem noch Kraftfutter hinzukaufen“, ergänzt der 31-Jährige.

Laut Staubitz bekommen die Landwirte in diesem Jahr zwar noch alles, aber zu extremen Preisen. „Mir graut vor dem nächsten Jahr. Wenn das Thema Gas immer noch eine große Rolle spielt, dann weiß ich nicht, wo der Dünger dann herkommen soll“, sagt er.

Das Diesel-Problem

Der Russland-Ukraine-Krieg macht sich nicht nur am Stromzähler, sondern auch an der Tanksäule deutlich bemerkbar. „Diesel ist unglaublich teuer geworden“, berichtet Landwirt Johannes Geißler. Auf seinem Gelände in Fronhausen betreibt er unter anderem eine Biogasanlage. „Bei der Erzeugung unserer Substrate, die wir für unsere Biogasanlage brauchen, entstehen hohe Dieselkosten“, sagt er. Der Erlös sei dementsprechend aber nicht angestiegen. „Wir hängen am Energieeinspeisegesetz, welches den Preis für den erzeugten Strom festlegt. Dieser gilt für 20 Jahre fix“, erklärt der 44-Jährige. Zunächst sei man als Landwirt glücklich über die stabilen Preise gewesen, mit so hohen Mehrkosten hätten aber wohl die wenigsten gerechnet.

Auch das Futter für die Milchkühe auf dem Betrieb der Lölkes-Familie muss irgendwie in die Silos kommen. Dafür werden dieselbetriebenen Maschinen benötigt. „Zu Beginn der Pandemie lag der Liter Diesel für den Betrieb bei 90 Cent, jetzt sind wir schon bei 1,70 Euro pro Liter“, sagt Lölkes. „Dabei verfahren wir jährlich 50 000 Liter Diesel.“ Er weiß, dass es für seinen Betrieb in der Zukunft schwieriger werden könnte, sollte sich der Krieg noch über einen längeren Zeitraum ziehen. „Wir sind zwar bis zur neuen Ernte noch versorgt und abgesichert, aber was dann ist, ist schwer abzusehen“, sagt er: „Das ist ein Blick in die Glaskugel.“

Von Larissa Pitzen

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