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Südkreis Früh, schnell und unkompliziert
Landkreis Südkreis Früh, schnell und unkompliziert
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12:00 21.11.2019
Die Berater: Eyyubi Kalay (von links), Heike Saalmann, Maike Marwedel, Conny Hofmann, Elke Peter, und Lisa Konur. Quelle: Privatfoto
Marburg

Die Berater von „Null bis Sechs“ haben ihre Büros ­direkt in den Kindertagesstätten. „Damit sind wir nah dran, sind sichtbar für die Eltern“, erklärt Lisa Konur, warum die Entscheidung vor zehn Jahren gegen eine zentrale Beratungsstelle gefallen ist. Die Leiterin der Präventiven Beratung für Eltern und Kindertagesstätten sitzt beispielsweise in Gladenbach.

Mit dem landkreisweiten Angebot hat es sich der Träger – das Kinderzentrum Weißer Stein – zur Aufgabe gemacht, frühzeitig zu reagieren. Beispielsweise bei Entwicklungsverzögerungen, bei Problemen der Eingewöhnung, in Erziehungsfragen oder auffälligem Verhalten – im Kindesalter von null bis sechs Jahren.

Regionalbüros

  • Bad Endbach, Gladenbach: Lisa Konur, Im Seckbach 1, Gladenbach, 0 64 62 / 49 70 125.
  • Angelburg, Biedenkopf, Breidenbach, Dautphetal, Steffenberg: Elke Peter, Hochstraße 19, Dautphetal, 0 64 68 / 91 11 52.
  • Ebsdorfergrund, Fronhausen, Lohra, Weimar: Cornelia Hofmann, Martin-Luther-Straße 12, Lohra, 0 64 26 / 93 06 49.
  • Cölbe, Lahntal, Münchhausen, Wetter: Heike Saalmann, Breslauer Straße 1, Cölbe, 0 64 21 / 48 06 318.
  • Amöneburg, Kirchhain, ­Neustadt, Rauschenberg, Stadtallendorf, Wohratal: Maike Marwedel, Chemnitzerstraße 8, Kirchhain, 0 64 22 / 89 91 903.
  • Türkei-stämmige Familien­ im Landkreis: Eyyubi Kalay, Marktstraße 6, Stadtallendorf, 0 64 28 / 44 72 208.

Dabei agieren die sechs Berater nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern versuchen in Gesprächen herauszufinden, warum das Kind sich morgens so schlecht von der Mutter trennt, um dann gemeinsam Strategien zu entwickeln.

„Das Feld der Anliegen ist groß“, berichtet Lisa Konur. Oft verhalten sich die Kinder in der Tagesstätte anders als zuhause. Gerade dann ist beispielsweise­ eine Hospitation sowohl in der Gruppe als auch in den heimischen vier Wänden hilfreich.

„Denn wir wollen Auffälligkeiten möglichst früh erkennen und den Eltern, Fachkräften, Tageseltern oder Betreuern unkompliziert helfen“, so die ­Beraterin aus Gladenbach. Und was hat sich in den zehn Jahren verändert?

„Die Eltern werden immer unsicherer. Ihnen fehlt oft der Mut zur Konsequenz“, hat das Team um Lisa Konur festgestellt. Und noch etwas: „Das Kind dominiert den Alltag, die Eltern sind überfordert und viele Mütter durch die Überbelastung am Limit.“

Dolmetscher helfen

Auch deshalb versucht „Null bis Sechs“ durch Informationsabende den Eltern beispielsweise einfache Strategien zur konsequenten Erziehung an die Hand zu geben. Große Probleme sind Hektik und auch das Smartphone. „Das Kind konkurriert mit dem Smartphone um die Aufmerksamkeit der Eltern“, erklärt Lisa Konur eine für sie ungünstige Entwicklung.

„Zeit und Präsenz schenken, ohne gleich auf jeden Piepton des Handys zu reagieren. Das lädt den Aufmerksamkeitsakku jedes Kindes im Nu auf“, sagt die Fachberaterin und zählt auf: „Ein Waldspaziergang, gemeinsames basteln oder spielen ohne Ablenkungen. Das bringt viel mehr als große Events oder das neue Lernspiel auf dem Tablet.“

Auch der Herausforderung „Flüchtlingsfamilie“ haben sich die Berater gestellt. Mit einem Ansprechpartner für ­Türkei-stämmige Familien im Landkreis und auch Dolmetschern bei Beratungsgesprächen kann zumindest zeitweise die Sprachbarriere gebrochen werden.

„Diese kultursensitive Arbeit ist sehr bereichernd. Wir lernen voneinander“, resümiert Lisa Konur, die sich freut, dass auch immer mehr Väter und Flüchtlingsmütter die Angebote von „Null bis Sechs“ im ganzen Landkreis annehmen.

von Katja Peters