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Südkreis Lärmschutz: Hessen Mobil soll Verkehr zählen
Landkreis Südkreis Lärmschutz: Hessen Mobil soll Verkehr zählen
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16:17 07.04.2019
Verkehr und Lärm: Die Landestraße 3048  – hier bei Hachborn – war Thema in der Gemeindevertretung. Quelle: Tobias Hirsch
Dreihausen

Die Parlamentarier vermuten, dass mittlerweile so viele Autos und Lkw über die Strecke fahren, dass wegen des Lärms Schutzmaßnahmen oder eine Geschwindigkeitsbegrenzung angezeigt wären.

Schon vor gut einem Jahr hatten Grüne und Sozialdemokraten gefordert, dass Gemeinde und Straßenbaubehörde miteinander Möglichkeiten diskutieren, um den Lärm für die Anwohner in unmittelbarer Nähe zur Straße zu reduzieren.

Im Dezember 2018 nahm Hessen Mobil dann Stellung zur Situation rund um die Landesstraße. Fazit der Behörde: Die Kriterien für eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit aus Lärmschutzgründen seien auf der Straße nicht erfüllt. Zwar habe ein Teil der Anwohner einen „generellen Anspruch“ auf Lärmschutz. Der tatsächliche Anspruch müsse aber in entsprechenden Verfahren ermittelt werden.

Letzte Verkehrszählung fand 2015 statt

Heinrich Rabenau aus Ebsdorfergrunds Gemeindevorstand weist darauf hin, dass betroffene Anwohner in den beiden Dörfern Zuschüsse für Lärmschutzfenster bei der Behörde beantragen können. Bis zu 75 Prozent Förderung winken im Einzelfall.

Grundlage für die Beurteilung der Landesbehörde ist eine Verkehrszählung aus dem Jahr 2015. Das seien die „aktuellen“ Zahlen, so Hessen Mobil. Jüngere Daten gibt es also noch nicht. Genau das stört die Gemeindevertreter, denn das Ergebnis der Untersuchung zeigt, dass die Lärmbelastung durch Verkehr nur ganz knapp unter den Toleranzwerten liegt.

Ebsdorfergrunds Parlamentarier vermuten, dass der Verkehr seit der letzten Zählung gewachsen ist und mittlerweile mehr Autos und Lkw über die L 3048 fahren, als noch 2015. Und weil mehr Verkehr auch mehr Lärm bedeutet glauben sie, dass die Toleranzwerte mittlerweile überschritten sind.

69 Dezibel am Tage und 60 in der Nacht – diese Lärmwerte berechnete Hessen Mobil auf Basis der vier Jahre alten Daten aus der Verkehrszählung. Damit liegt der Krach am Tag um ein Dezibel unter dem Richtwert für Wohngebiete, in der Nacht sogar genau gleichauf.

A 49 könnte noch mehr Verkehr bringen

In ihrer Begründung zum Parlamentsbeschluss verwiesen SPD und Grüne auch auf den Ausbau der Autobahn 49 bis nach Stadtallendorf. Wenn die erst mal befahren wird, so das Argument, werde noch mehr Verkehr durch den Ebsdorfer Grund rollen.

Eine Vermutung, die Hessen Mobil teilt. Einer Prognose für das Jahr 2025 zufolge erhöht sich nach Fertigstellung der Autobahn der Pkw-Verkehr auf der Landesstraße bei Hachborn um 800 Fahrzeuge am Tag, bei Ebsdorf um 400. Eine Zunahme des Pkw-Verkehrs spiele in Bezug auf die Lärmentwicklung aber „eine eher untergeordnete Rolle“, heißt es in der Stellungnahme der Landesbehörde.

Anders sieht es beim Schwerverkehr aus. Hier prognostiziert Hessen Mobil für die Ortsdurchfahrt Hachborn eine Zunahme von 57 Prozent oder 273 Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mindestens 2,8 Tonnen. In Ebsdorf erwartet Hessen Mobil sogar 321 Fahrzeuge mehr pro Tag, was einer Steigerung von 68 Prozent entspricht. Das wirke sich dann schon auf den Lärm aus, so die Straßenbaubehörde.

Doch bis zur Fertigstellung der Autobahn wollen die Gemeindevertreter nicht warten. Deshalb haben sie dem Gemeindevorstand den Auftrag erteilt, Hessen Mobil zu einer neuen Zählung aufzufordern. Denn schon jetzt könnte der Verkehr laut genug sein, um beispielsweise ein Tempolimit zu erwirken. Derzeit dürfen Autos dort noch 100 Stundenkilometer schnell fahren. Weniger Tempo gleich weniger Krach, so das Kalkül der Parlamentarier. Und ein Schild sei schnell aufgestellt, sagt Heinrich Rabenau.

von Dominic Heitz