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Südkreis Bis zu 30 Kröten sterben in der Nacht
Landkreis Südkreis Bis zu 30 Kröten sterben in der Nacht
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20:00 15.03.2020
Durch die nasse Witterung sind derzeit viele Kröten unterwegs. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa
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Niederwalgern

Die Gemeindestraße zwischen Marburg-Ronhausen und Weimar-Argenstein, dabei handelt es sich um die ehemalige Kreisstraße 42, ist derzeit zwischen 19 Uhr und 6 Uhr morgens mit einer fest installierten Schranke gesperrt. Die Schranke sorgt dafür, dass dort keine Autos fahren, sagt Uwe Hahn vom Ordnungsamt der Gemeinde Weimar.

Anders sieht es hingegen auf der Kreisstraße 59 aus. Die Straße zwischen Roth und Niederwalgern wird ebenfalls zwischen 19 und 6 Uhr über eine mobile Absperrung verkehrsfrei gehalten, so dass die Kröten gefahrlos über die Straße kommen können. Mitglieder der Nabu-Ortsgruppe Fronhausen und die Gemeinde Weimar übernehmen den täglichen Auf- und Abbau der Sperreinrichtung. „Es ist traurig, wie viele Autofahrer die Sperrung missachten“, sagt Jochen Möller vom Nabu Fronhausen, der sich auf Rother Seite um die Absperrungen kümmert.

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Wenn er morgens um 6 Uhr die Sperrung aufheben will, erlebt er oft, dass die rot-weiß markierten Sperrelemente bereits zur Seite geräumt wurden – nein, eher achtlos zur Seite geschmissen wurden. Oftmals wurden auch schon Lampen zerstört oder einfach geklaut. Das Ergebnis dieser illegalen Räumaktionen liegt jedes Mal auf der Straße: jede Menge tote Frösche und Kröten. 20 bis 30 sind es immer, sagt Möller. „Ich weiß nicht, warum die Autofahrer für die Sperrung kein Verständnis aufbringen können“, meint der Naturschützer. Hahn nennt das Verhalten solcher Autofahrer „dreist“.

Unbefugtes Eingreifen in den Straßenverkehr

Weil es nun doch schon einige sind, wurde auch die Polizei davon in Kenntnis gesetzt, dort mal zu kontrollieren. Wer vorsätzlich eigenmächtig eine Absperrung entfernt, geht ein hohes Risiko ein, weil er unbefugt in den Straßenverkehr eingreift und zudem gegen naturschutzrechtliche Vorgaben verstößt. Hahn geht davon aus, dass über kurz oder lang auch für die K 59 feste Schranken angeschafft werden müssen. „Wir waren da bereits in Gesprächen, doch müsste eine Schranke 8,50 Meter abdecken, das ist eine Größe, die eine Sonderanfertigung bedingt.“

Mittlerweile ist es auch schon so, dass sich die ehrenamtlichen Helfer selbst einer Gefahr aussetzen, wenn sie die Absperrung schließen und öffnen. Und das gilt für beide Straßen gleichermaßen. So kam es auf der ehemaligen K 42 zu einem Unfall, weil sich am frühen Morgen noch Kröten auf der Straße befanden, die kurzfristig noch eingesammelt werden sollten.

Hahn und Möller mahnen deshalb die Autofahrer um erhöhte Vorsicht. Und: Wenn die Schranke unten ist und die Absperrungen aufgestellt sind, heißt es eben mal einen kleinen Umweg zu fahren über Wenkbach. Das sei doch jedem zuzumuten zum Wohle der Kröten.

Von Götz Schaub