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Südkreis Klinken putzen für die Tiere
Landkreis Südkreis Klinken putzen für die Tiere
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11:00 04.12.2021
Mutter Nicky Bistiak und ihre Kinder Danny und Stella übergaben Dr. Hermann Uchtmann, Vorsitzender des Tierheim-Vereins, die Spende von 2900 Euro.
Mutter Nicky Bistiak und ihre Kinder Danny und Stella übergaben Dr. Hermann Uchtmann, Vorsitzender des Tierheim-Vereins, die Spende von 2900 Euro. Quelle: Ina Tannert
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Leidenhofen

Eine Spendensammlung kann durchaus zum Selbstläufer werden und das wortwörtlich – in den letzten drei Wochen zogen Nicky Bistiak, Sohn Danny und Tochter Stella spontan durch Leidenhofen und Ebsdorf und sammelten für das Kreis-Tierheim. Was mit erhofften 500 Euro für eine neue Waschmaschine begann, wurde zum durchschlagenden Erfolg.

Das hätten die überraschten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierheims nicht gedacht, was sich aus ihrem Aufruf am 7. November, als eine der Waschmaschinen kaputt ging, noch entwickeln sollte: Das Team fragte in den sozialen Medien nach einem Ersatzgerät und das bekam Nicky Bistiak aus Leidenhofen mit. Sie konnte auf die Schnelle weder Maschine noch Geld beisteuern, dafür aber Ausdauer und Einfallsreichtum.

Also lief sie einfach los, erst einmal durch die Nachbarschaft, fragte Bekannte und Freunde, wer etwas beisteuern möchte. Das kam direkt an: „Es war unglaublich, so viele haben sofort mitgemacht, als hätten sie nur auf diese Gelegenheit gewartet – das macht mich einfach glücklich“, freut sich die Mutter noch immer gerührt und mit Tränen in den Augen.

Die Resonanz motivierte die ganze Familie, auch die Kinder Danny und Stella zogen mit ihr von Tür zu Tür quer durch ihren Heimatort. Nach wenigen Tagen schon landeten mehr als 500 Euro in den beiden Spenden-Schweinen. Dennoch machte die Familie weiter und wanderte auch durch das benachbarte Ebsdorf. Die Aktion hatte sich da schon in den Dörfern herumgesprochen. Immer mehr Bewohner und auch Firmen füllten „die Wutz“, wie die Figur nur noch heißt. Stellenweise drückten ihr die Spender auch noch Tierfutter in die Hand oder überwiesen online Geld.

Die große Spendenbereitschaft und Offenheit der Leute habe sie überrascht, zumal sie als Fremde anklopfte, an der Tür um Geld zu fragen zudem einen negativen Ruf hat: „Ich glaube, es macht sehr viel aus, dass einfach jemand vor der Tür steht und eine Chance zum Spenden bietet, aber dazu braucht es auch Vertrauen, ich konnte mich ja nicht für das Tierheim ausweisen.“

Das hat die fröhliche 43-Jährige, die auch nicht auf den Mund gefallen ist, mit ihren Kindern vermitteln können. Sie versichert, dass alle Spenden komplett an das Tierheim gehen. Die 2900 Euro überreichte die Familie vor wenigen Tagen an den Vereinsvorstand. „Ich hoffe, damit geht es den Tieren ein bisschen besser“, sagt Danny lachend bei einem Besuch im Katzenhaus.

Spenden decken die Hälfte der Betriebskosten

Das Tierheim und der Trägerverein leben vor allem auch durch die Unterstützung tierlieber Menschen, sind Spendenaufrufe eigentlich gewohnt, die spontane Sammelaktion überraschte aber selbst den Vorstand: „So etwas habe ich noch nie erlebt, wir haben zum Glück viele kleine und große Spender, aber solche Initiativen sind wirklich extrem selten“, verrät Dr. Hermann Uchtmann, Vorsitzender des Tierheim-Vereins.

Die Einrichtung finanziert sich nur etwa zur Hälfte aus den Beiträgen der Mitgliedskommunen. Täglich benötigt der Betrieb im Schnitt rund 1000 Euro, rechnet Uchtmann vor. Etwa 350 000 bis 400 000 Euro im Jahr, wovon alleine 250 000 Euro für Personalkosten benötigt werden.

Vor kurzem wurden die Beiträge etwas erhöht, rund 190 000 Euro kommen pro Jahr von den Kommunen im Landkreis. Die andere Hälfte über Spenden, „es zählt jeder Euro – wir sind unseren Spendern wirklich unendlich dankbar und solche Aktionen sind einfach toll, das gibt den Glauben an die Menschheit zurück“, lobt der Vorsitzende.

Dabei hatte Nicky Bistiak kaum etwas mit dem Tierheim zu tun, war zuvor selber noch nie da. Eine Tierfreundin ist sie schon immer, sie hegt und pflegt ihre beiden Maine Coon Kater Nemo und Hugo, die sie täglich bei Instagram zeigt. Sie ist gut vernetzt, postete täglich über den Zwischenstand ihrer Aktion, auch um Transparenz zu schaffen. Mittlerweile steht sie mit weiteren Tierfreunden in Kontakt, die schon eigene Spenden-Rundgänge planen.

Das Ganze wird ein Stück weit zum Selbstläufer. Auch Nicky Bistiak will weitermachen und weitere Dörfer in Ebsdorfergrund besuchen und hofft auf Nachahmer. Mittlerweile hat sie zu der privaten Spendeninitiative eine Mailadresse eingerichtet. Kontakt über flausch-engel-ebsdorfergrund@gmx.de.

Von Ina Tannert