Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Anwohner gehen auf die Barrikaden
Landkreis Südkreis Anwohner gehen auf die Barrikaden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 28.06.2020
Zu groß, zu viel: Anwohner des Bogenwegs in Roth wehren sich gegen den geplanten Bau von zwei Mehrparteienhäusern mit jeweils sieben Wohnungen und Tiefgarage. Quelle: Foto: Ina Tannert
Anzeige
Roth

Ein „Klotz“ mitten im Dorf: Anwohner des Bogenwegs in Roth sind entsetzt – in ihrer direkten Nachbarschaft sollen zwei Mehrparteienhäuser entstehen mit jeweils sieben Wohnungen mit entsprechendem Gebäudeumfang, drei Stockwerken samt einer Tiefgarage für 28 Stellplätze. Eine Zumutung für alle Anwohner, finden die Nachbarn, die gemeinsam gegen die Baupläne vorgehen wollen.

Im Bogenweg reihen sich Ein- und Zweifamilienhäuser aneinander, dazwischen viel Grün, gepflegte Vorgärten, ein Paradebeispiel für idyllisches Familienleben auf dem Dorf. In diesem Umfeld würden zwei Mehrparteienhäuser in der Größe – ähnlich denen, die am Ortsrand von Roth stehen – mit insgesamt 14 Wohnungen geradezu eine „Verschandelung“ der Straße darstellen, so empfinden es viele Bogenweg-Bewohner, die Sorge haben, dass schon bald die Bagger rollen. Das brach liegende Grundstück gehöre zwei Eigentümern von außerhalb, die an einen Investor verkauften, der nun die Wohngebäude errichten lassen wolle.

Anzeige

Anwohner befürchten Schatten, Lärm und Verkehr

Der Unmut ist groß, das zeigt allein die Resonanz auf einen Ortstermin diese Woche: Zwei Dutzend verärgerte Anwohner versammelten sich mit dem Ortsbeirat auf der Straße vor dem umstrittenen Grundstück. Das ist großflächig bewachsen, weist zudem eine Steigung auf, ist umgeben von Einfamilienhäusern. Deren Bewohner würden wohl „auf ewig im Schatten leben müssen“, sollte das Bauprojekt umgesetzt werden. „Wir hätten hier einen Fremdkörper“, ärgert sich unter anderem Anwohner Thorsten Schiffer. Zumal das schmale Grundstück mit einer Fläche von rund 1 500 Quadratmeter stark zugebaut werden müsste, nah an den Grundstücksgrenzen und mit einer Höhe von etwa zwölf Metern, schätzten die Nachbarn. Selbst das höchste Haus in der Nähe würde um mehrere Meter überragt werden, schätzen die Nachbarn, die auch um eine Wertminderung der eigenen Grundstücke bangen. Außerdem befürchten sie einen stark steigenden Lärmpegel, durch viele neue Bewohner, durch zusätzlichen Verkehr, „das hier ist nicht umsonst eine 30er-Zone, was ist, wenn jetzt noch 28 Autos mehr dazukommen?“, fragt Lars Bauerbach, der mit Familie in direkter Nachbarschaft zu dem potenziellen Baugelände lebt. Er betrachtet auch den Bau einer Tiefgarage mit Sorge und vermutet, dass umfangreiche Erdarbeiten auf dem Baugrund in Hanglage und bei felsigem Untergrund großen Einfluss auf die Nachbargrundstücke haben könnte.

Die Anwohner haben bereits ein Protestschreiben an den Kreis geschickt, überlegen nun, ob sie auch rechtliche Schritte einleiten. Der Ortsbeirat steht geschlossen auf Seite der Anwohner: „Das Bauvorhaben wird von uns einstimmig abgelehnt“, berichtet Ortsvorsteher Michael Pfeffer, entsprechend lautet auch ein Beschluss des Gremiums. Das Bauprojekt passe „in keinster Weise“ zur Umgebung, betont der Ortschef. Für das gemeinsame Ziel, den Neubau zu verhindern, machten sich die Anwohner auch bei der Gemeinde stark, die das Bauprojekt ebenfalls „sehr kritisch“ sieht, teilt Bürgermeister Peter Eidam auf OP-Anfrage mit, und ergänzt: „Das Projekt fügt sich in keiner Weise in die vorhandene Bebauung ein.“ Dennoch lasse das der gültige Bebauungsplan noch zu, werde dabei aber „ausgereizt“, gerade durch eine im Verhältnis zur Grundstücksgröße und den benachbarten Häusern „vergleichsweise sehr großen Baukörper“. Allerdings hat die Gemeinde hierbei keine Entscheidungsgewalt – die liegt beim Landkreis als Baugenehmigungsbehörde. Wie die Pressestelle des Kreises bestätigt, liegt für das Bauprojekt auch ein Bauantrag vor. Bei der Prüfung habe sich die Behörde nach den gesetzlichen Vorgaben zu richten, denn es gibt den rechtskräftigen Bebauungsplan.

Abgeschlossen sei das Verfahren noch nicht, aber: „Das Vorhaben entspricht nach bisherigem Stand der Überprüfung in vollem Umfang den Festsetzungen dieses Bebauungsplanes der Gemeinde Weimar (Lahn). Insofern gibt es hier aus bauaufsichtlicher Sicht keinerlei Ermessensspielraum und das Vorhaben wäre nach aktuellem Bearbeitungsstand auf Grundlage des gültigen Planungsrechts zu genehmigen“, teilt der Kreis mit.

Die Anwohner würden sich wünschen, dass das Kreisbauamt sich die Lage vor Ort ansieht. Das ist bisher nicht passiert, ist auch im Rahmen einer Entscheidung über die Baugenehmigung per Gesetz nicht zwingend vorgeschrieben: „Die Örtlichkeit ist der Baugenehmigungsbehörde bekannt. Eine Ortsbesichtigung durch die Bauaufsicht ist in Bereichen rechtskräftiger Bebauungspläne grundsätzlich nicht erforderlich, da hier die Anforderungen an die Bebauung eindeutig im Rahmen der Festsetzungen des Bebauungsplanes geregelt sind“, teilt der Kreis mit.

Von Ina Tannert

10:58 Uhr
Südkreis Musikvideo - Alles wird gut
27.06.2020
Anzeige