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Südkreis Gemeinsames Gewerbegebiet für drei Kommunen
Landkreis Südkreis Gemeinsames Gewerbegebiet für drei Kommunen
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20:00 02.04.2019
Ebsdorfergrunds Bauamtsleiterin Anke Schmidt und Bürgermeister Andreas Schulz zeigen die Pläne: Zwischen der Baumreihe hinter ihnen und der L 3048 im Hintergrund soll das neue Gewerbegebiet entstehen. Quelle: Dominic Heitz
Heskem

Die Gemeindevertreter Ebsdorfergrunds haben in jüngster Sitzung die nächsten Schritte für das interkommunale Gewerbegebiet beschlossen. Einstimmig beauftragten sie Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) und seine Mitarbeiter, notwendige Vereinbarungen und Verträge für das Projekt abzuschließen.

Das Gewerbegebiet ist bereits seit Längerem Gegenstand politischer Diskussionen. Die Stadt Marburg und die Gemeinde Ebsdorfergrund hatten sich darauf verständigt, gemeinsam eine neue Gewerbefläche nördlich von Heskem zu entwickeln, um Unternehmen Raum zur Ansiedlung zu bieten. Mittlerweile hat sich ein dritter Partner hinzugesellt: Die Stadt Staufenberg macht auch mit.

Großer Bedarf in allen drei Kommunen

In allen drei Kommunen gebe es Bedarf an Gewerbeflächen, sagt Andreas Schulz. Deshalb werden die drei gemeinsam eine acht Hektar große Fläche entwickeln und anbieten. Weitere acht Hektar stehen auch schon bereit. Das Regierungspräsidium hat zugesagt, dass der zweite Teil geplant werden darf, sobald 60 Prozent der ersten Fläche verkauft worden sind, sagt Schulz.

Das Engagement der Stadt Staufenberg wertet Schulz als Glücksfall. So könne das Einzugsgebiet für das Gewerbegebiet bis in den Gießener Raum ausgeweitet werden. Kommt eine Anfrage eines Gießener Unternehmens, das nach Gewerbefläche sucht, könne Staufenberg nach Heskem verweisen. „Das ist ja nur eine Abfahrt weiter“, sagt Schulz. Er sieht den Ebsdorfergrund damit sogar an das Rhein-Main-Gebiet angebunden. „Von Heskem aus bis zum Frankfurter Flughafen gibt es dann nur eine einzige Ampel“, so Schulz.

Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller (SPD) findet das Projekt „fantastisch“. Im Herbst 2018 war sein Amtskollege aus Ebsdorfergrund auf ihn zugekommen und hatte dieZusammenarbeit vorgeschlagen. Dass das Gebiet etwas entfernt vom eigenen Stadtgebiet liegt, spreche nicht gegen das Projekt. „Es sind ja nur acht Minuten Fahrzeit vom neuen Kreisel in Heskem bis nach Staufenberg“, sagt er. Das habe er selbst schon mehrfach ausprobiert.

Kommunen stemmen Kosten gemeinsam

Auch für interessierte Unternehmen sei die Entfernung kein Problem. Zum einen sei das Gewerbegebiet nah an der Bundesstraße. Zum anderen sei es den Firmen wichtig, dass die Infrastruktur vor Ort für die eigenen Mitarbeiter attraktiv ist. Mittlerweile seien die Fragen nach Kitas, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten für Unternehmen zu „harten Standortfaktoren“ geworden. In Ebsdorfergrund gebe es all das in unmittelbarer Nähe zum geplanten Gewerbegebiet, so Gefeller.

Insgesamt zehn Millionen Euro wird es kosten, die ersten acht Hektar des Gewerbegebietes zu entwickeln. Darin enthalten sind die Kosten für den Erwerb der Grundstücke. Hier hat sich laut Bürgermeister Schulz die Gemeinde Ebsdorfergrund bereits mit den privaten Eignern geeinigt und Vorverträge abgeschlossen. Sobald die Pläne rechtskräftig werden, kann die Gemeinde zugreifen.

Von den zehn Millionen, so die Kalkulation, dürften rund sieben Millionen Euro über den Verkauf von Gewerbeflächen wieder refinanziert werden. Die restlichen drei Millionen müssen die beteiligten Kommunen stemmen. Ebsdorfergrund übernimmt hier einen Anteil von 1,5 Millionen Euro, die beiden Partner jeweils 750.000 Euro. Allerdings würden derzeit auch Fördermittel hierfür akquiriert, sagt Schulz. Demnach könnte sich die Belastung für die drei Kommunen noch verringern.

Gewerbesteuer wird geteilt

Dass Ebsdorfergrund den größten Teil der Finanzierung übernimmt, erklärt Schulz damit, dass die Gemeinde ja die „Heimatkommune“ des Gewerbegebietes sei. Genau wie die Investitionen sollen sich im Nachgang dann auch die Anteile aus der Gewerbesteuer verteilen, die durch das Gebiet eingespielt wird. Ebsdorfergrund bekomme hiervon 55 Prozent, Marburg und Staufenberg jeweils 22,5 Prozent, sagt Schulz.

Interessenten für die Fläche gebe es bereits einige, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister. Das bestätigt auch Amtskollege Gefeller aus der südlichen Nachbarstadt. „Die Leute wollen da hin, und zwar keine Kleinen.“ Er hätte schon konkrete Interessenten an die Gemeinde Ebsdorfergrund weitergeleitet.
Die Anwohner Heskems und Wittelsbergs würden durch die Ansiedlung möglicher Unternehmen durch den Verkehr nicht belastet, sagt Ebsdorfergrunds Bürgermeister. Die Mitarbeiter und Zulieferer würden über die Ortsumgehung fahren, nicht durch die Dörfer.

Erschlossen werden soll das Gebiet Anfang 2020. Anschließend, das glaubt Bürgermeister Schulz, würden sich sofort einige Unternehmen bei Heskem niederlassen.

von Dominic Heitz