Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Oberwältigend!
Landkreis Südkreis Oberwältigend!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 28.10.2019
Wolfgang Schorge (Mitte) fertigt zusammen mit seinen Söhnen Jan und Nils die Skulptur „Oberwälger O“ an. Quelle: Privatfoto
Oberwalgern

Ein rotes O ist in Oberwalgern derzeit omnipräsent. Es stammt aus dem Logo, das der extra für das im kommenden Jahr anstehende Dorfjubiläum gegründete Förderverein nutzt: „Oberwalgern – oh wie schön“. Es symbolisiert eigentlich alles, das mit dem 1250-jährigen Bestehen zusammenhängt.

Und es wird einiges überdauern, denn es kommt – Dank Fördermitteln der Region Marburger Land – auf eine Verkehrsinsel im Kreuzungsbereich Ringstraße/ Alte Weinstraße (die genaugenommen eigentlich Alte Wagenstraße heißen müsste) am östlichen Rand des Frohnhäuser Ortsteils.

Wolfgang Schorge gestaltet in mühevoller Kleinstarbeit gemeinsam mit seinen Söhnen Nils und Jan einen ein Meter hohen Buchstaben aus Metall, der dann als Skulptur auf die Verkehrsinsel kommt – und verrosten wird, wie Hans Christian Malzahn, der Vorsitzende des Fördervereins, betont.

Noch in diesem Jahr soll die Einweihung erfolgen. Im nächsten Jahr – am zweiten Advent – sollen die Bürger dann am Oberwälger O zusammenkommen und eine Zeitenkapsel Grüße an die Nachfahren, Bilder oder ähnliches stecken. Die Kapsel wird dann eingeschweißt und soll frühestens 50 Jahre später wieder geöffnet werden – also dann, wenn die 1300-jährige Ersterwähnung des Dorfes ansteht.

Recherchen im Marburger Staatsarchiv haben ergeben, dass das heutige Oberwalgern als „Walahangrere marcia“ in einer „Traditionsnotiz“ eines Aldrat an die Reichsabtei Lorsch aus dem Jahr 770 erstmals erwähnt wurde. Der Name veränderte sich dann Stück für Stück superiori Walgeren (1258), Obirwalgern (1321), Obern Walgern (1377), Vbern Walgern (1494), Oberwalger (1604) bis hin zu Oberwalgern (1708/1710). Das Dorf hat rund 560 Bürger, die in 220 Haushalten leben – 112 von ihnen gehören dem Förderverein an, der einen Großteil der Jubiläumsveranstaltungen entwickelt hat und ausrichten wird.

Ausstellung mit 240 Fotos

Das Festjahr beginnt am 5. Januar mit einem Neujahrsempfang. Ein erster Höhepunkt steht dann am 16. Februar im Bürgerhaus an. Iris Stengel und Gerd Reiser gestalten derzeit eine Bilderausstellung mit – von Mitbürgern eingereichten – Fotografien aus dem 19. und 20. Jahrhundert, die das Dorfleben im Lauf der Zeit widerspiegeln. Rund 240 Aufnahmen wollen sie großformatig ausstellen.

Am 14. März geht es dann mit dem nächsten Höhepunkt weiter: dem ersten von zwei Grenzgängen, die beide rund 11,5 Kilometer lang sein und einmal an die westlichen und einmal an die östlich gelegenen Grenzen führen. Für beide haben sich sachkundige Führer gefunden, erklärt Peter Gerber (Mitglied des Orga-Teams) und betont, dass das Rote Kreuz die Verpflegung übernehmen werde.

Und da es querfeldein gehen wird, bietet der Förderverein mithilfe des Bürgerbusses einen Shuttle-Service für Menschen an, die nicht so gut zu Fuß sind. Die Kosten trägt der Gewerbeverein Frohnhausen. Danach folgen traditionelle Veranstaltungen: der vom Radfahrverein Rennsport ausgerichtete Ostermarkt (22. März), das Osterfeuer (12. April, Ausrichter: Förderverein), ein Schnitzelessen (30. April) und die Maifeier (1. Mai, beides FC Oberwalgern).

Am 10. Mai richtet die Kirchengemeinde in der Kirche ein Festkonzert aus, das die Gruppe „Klangvoll“ der Evangelischen Sing- und Musikschule Stadtallendorf und der Kirchenchor aus Ober- und Niederwalgern gestalten – den Malzahn leitet, der einstmals auch Leiter der Sing- und Musikschule gewesen war.

Markt mit Schätzen aus Dorf

Das Fest rund um den Pfingstbaum richten die Burschen am 30. Mai aus. Verkaufen sie üblicherweise ihre Lose samstags und verlosen den Maibaum dienstags nach Pfingsten, so fassen sie dies im kommenden Jahr an einem Tag zusammen.

„Ein Dorf räumt auf“ heißt es am 28. Juni. Rund um Kirche und Backhaus sollen Anwohner all das anbieten, was sie auf Speichern, in Schuppen oder Kellern finden und nicht mehr benötigen. Den Antik- und Trödelmarkt sollen beispielsweise Künstler oder Kunsthandwerker ergänzen – Hauptsache, sie bieten keinen Ramsch an.

Dazu findet ein Fest für das Dorf statt mit Musik von Live-Bands wie „Why Not“, Apfelwein-Keltern und den Bierbrauern vom Sudkreis Frohnhausen, die ihr Können zeigen und Gerstensaft zum Probieren anbieten – der in extra für das Jubiläum gestaltete Bierkrüge kommt.

Das Orga-Team des Marktes hat Anfang Oktober bereits Anmeldezettel für den Markt verteilt. Der Erlös der Veranstaltungen kommt dem Förderverein zu gute – der zwar nur bis zum Ende des Festjahres existiert, sein Guthaben dann aber an die ortsansässigen Vereine weitergibt, vor allem, um die Jugendarbeit zu fördern.

Nach den Sommerferien steht das Festwochenende (21. bis 23. August 2020) zum Jubiläum an. Zum Festakt freitags wird Prominenz erwartet. Eingebettet in die Veranstaltung feiert auch der Radfahrverein sein 100-jähriges Bestehen mit Vorführungen, Ehrungen und vielem mehr.

"Spitzbuam" geben Konzert

Für den Samstag hat Peter Gerber die „Original Südtiroler Spitzbuam“ gewonnen, die – wie er stolz berichtet – seit vielen Jahren auf der Münchener Wiesn im Bräurosl-Zelt auftreten. Im Festzelt werde für 700 Gäste Platz sein, und schon jetzt erreichten ihn zahlreiche Anfragen, erklärt der Konzertorganisator: „Die Spitzbuam haben bei uns in der Region viele Fanclubs.“

Sonntags findet dann ein von Posaunenchor, Kirchenchor und Trachtenträgern mitgestalteter Festgottesdienst an mit anschließendem Umzug (13 Uhr), den Otto Schneider organisiert. Nach dem bunten Zug durchs Dorf, an dem zahlreiche Musikgruppen teilnehmen wollen, wird im Festzelt Party gemacht – die zunächst der Posaunenchor Bracht musikalisch untermalt, ehe dann „Gipfelstürmer“ Lothar Preiß – ein Alleinunterhalter – übernimmt.

Am 20. September lädt die Neu-Oberwälgerin Dorothee Beck ins Erzählcafé ein, in dem Alteingesessene zurückblicken und ihre Erinnerungen teilen sollen. In der Folge stehen ein Oktoberfest (3. Oktober, FCO), der zweite Grenzganz (24. Oktober), der Volkstrauertag (15. November, Feuerwehr) und der Weihnachtsmarkt (28. November, Alte Herren des FCO) auf dem Programm – ehe es dann mit speziell kreierten Veranstaltungen auf die Zielgerade des Festjahres geht.

Für die Adventssonntage sind sogenannte „Besuche“ geplant – die einen lebenden Adventskalender ersetzen, wie Malzahn sagt. Dabei geht es in die Kirche (29. November), zu den Malzahns und ihren Nachbarn (6. Dezember), zu Dorothee Beck auf ihren alten Bauernhof (13. Dezember) und dann zur Hirtenweihnacht aufs Feld (20. Dezember). Den Abschluss bildet dann eine Silvesterparty am 31. Dezember im Bürgerhaus mit der Band „By the way“.

Seit zwei Jahren klotzen die Mitglieder des Fördervereins ran, um das Festjahr auf die Beine zu stellen, sagt Malzahn. Während sie ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine stellen, kümmert sich Professor Siegfried Becker gemeinsam mit einem Team ums Erstellen einer Chronik – die er während eines gesonderten Termins präsentieren möchte. Bereits zu kaufen gibt es einen Kalender – in dem alle Jubiläums Termine markiert sind. Mit einem O.

  • Karten für die Spitzbuam gibt es per E-Mail an orga@oberwalgern1250.de, weitere Infos zum Fest unter www.oberwalgern1250.de

von Florian Lerchbacher