Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Herzensangelegenheiten erfüllt
Landkreis Südkreis Herzensangelegenheiten erfüllt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 31.01.2021
Direkt am Ehrenmal auf dem Friedhof stehen jetzt zwei Stelen, auf denen die Namen der gefallenen Soldaten aus Wermertshausen aus den beiden Weltkriegen zu lesen sind.
Direkt am Ehrenmal auf dem Friedhof stehen jetzt zwei Stelen, auf denen die Namen der gefallenen Soldaten aus Wermertshausen aus den beiden Weltkriegen zu lesen sind.
Anzeige
Wermertshausen

Der Ebsdorfergrund-Ortsteil Wermertshausen wird die nächsten Jahre ohne Ortsbeirat auskommen müssen. Das ist Fakt. Die bisherigen Ortsbeiratsmitglieder bedauern dies sehr, doch sei es nicht gelungen, eine neue Generation an den Start zu bringen, die sich auf dieses Gremium einlassen will. Vielleicht sieht es ja zur Kommunalwahl 2026 wieder anders aus.

Was den jetzigen Ortsbeirat angeht, so hinterlässt er zu seinem Abschied eine durchaus gut abgearbeitete Liste. Hinter zahlreichen Langzeitprojekten steht jetzt ein grüner Haken, der „erledigt“ anzeigt. Dabei waren einige Dinge gar nicht so einfach umzusetzen gewesen. „Man kann ja freiwillige Helfer haben, aber vieles kann eben auch nur über ausreichende Finanzmittel angestoßen werden“, sagt der langjährige Ortsvorsteher Friedhelm Maikranz. Es sei schon so, dass die Gemeinde für die eine oder andere Arbeit die Materialien zahlt, aber manches sei eben auch etwas teurer, da habe man kreativ ansparen müssen.

So achtete der Ortsbeirat immer darauf, vom 100-Euro-Zuschuss der Gemeinde für einen Weihnachtsbaum im Ort, Geld einzusparen, das dann dabei helfen sollte, ein anderes Gemeinschaftsprojekt für das Dorf zu finanzieren und umzusetzen. Auch das Geld, das der Ortsbeirat Wermertshausen über die Pflegevereinbarung mit der Gemeinde erhielt, im Ganzen 500 Euro, wurde nicht an die Helfer als Anerkennung ausgezahlt, sondern konnte durch deren „Gehalts“-Verzicht auch für anderes gespart werden. Zusammen mit den letzten Mitteln, die noch von der 1225-Jahr-Feier aus dem Jahr 2007 übrig waren – das waren noch 1 550 Euro –, konnten ausgerechnet im vergangenen Jahr, das sich wegen Corona anders entwickelte, Herzensangelegenheiten umgesetzt werden. So gibt es nun auf dem Friedhof neben dem Ehrenmal auch zwei Stelen, auf denen die Namen jener Dorfbewohner stehen, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg ihr Leben als Soldaten ließen.

„Das wurde sich hier schon sehr lange gewünscht. Die Namen stehen auf einer Ehrentafel in der Kirche, aber nicht auf dem Friedhof am Ehrenmal, wo der Volkstrauertag begangen wird“, sagt Maikranz. Unter dem Kreuz befinden sich weiterhin die Gräber von neun Soldaten, die in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges bei Kampfhandlungen in der Nähe des Ortes gefallen sind, daneben stehen jetzt aber auch endlich die Namen derer, die irgendwo als Soldaten den Tod fanden und nicht mehr wiederkehren konnten. „Es bleiben Menschen, die hier gewohnt haben, wir wollen uns an sie erinnern, wenn auch in jüngeren Generationen nur noch den Namen nach“, so der Ortsvorsteher.

Die Fertigung und Errichtung der beiden Stelen am Ehrenmal belaufen sich auf 2 200 Euro. Für weitere 515 Euro wurden sechs Sitzbänke mit Rückenlehne und gepolsterten Sitzauflagen für die Friedhofshalle angeschafft. Immer wieder kam es vor, dass bei Beerdigungen Teile der Trauergäste draußen stehen bleiben mussten. Dafür sind jetzt extra Sitzgelegenheiten vorhanden. Des Weiteren wurden ein Kugelamberbaum und eine Traubenheide beschafft und auf dem Friedhof gepflanzt.

Und im Rahmen der Außenrenovierung des Feuerwehrgerätehauses in Eigenleistung beteiligte sich der Ortsbeirat insofern, dass er das Material für den angebrachten Schriftzug „Feuerwehr Wermertshausen“ im Wert von 2 180 Euro bezahlte. Maikranz und seine bisherigen Ortsbeiratsmitglieder Jens Maikranz, Ingrid Schütz, Sabrina Schütz sowie Antonio Marques sind sich sicher, dass auch in der Zeit ohne Ortsbeirat Leute Pflege-Aufgaben übernehmen werden.

Wie das nun künftig mit der konkreten Pflegevereinbarung laufen soll, muss noch mit der Gemeinde geklärt werden. Bürgermeister Andreas Schulz zollte dem Gremium jedenfalls Respekt für den Einsatz und die nun erzielten Ergebnisse. „Der Ortsbeirat hinterlässt ein bestelltes Haus“, so Schulz.

Von Götz Schaub