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Südkreis Hilfe für die Menschen im Ahrtal aus Niederwalgern
Landkreis Südkreis Hilfe für die Menschen im Ahrtal aus Niederwalgern
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12:00 14.01.2022
Brachflächen und von der Flut beschädigte Häuser bestimmen das Bild im Ortskern von Altenahr (Luftaufnahme mit einer Drohne). Sechs Monate nach der Flutkatastrophe im Ahrtal warten viele Flutopfer noch immer auf zugesagte Hilfsgelder.
Brachflächen und von der Flut beschädigte Häuser bestimmen das Bild im Ortskern von Altenahr (Luftaufnahme mit einer Drohne). Sechs Monate nach der Flutkatastrophe im Ahrtal warten viele Flutopfer noch immer auf zugesagte Hilfsgelder. Quelle: Boris Roessler/dpa
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Niederwalgern

Das Ehepaar Anna und Hans-Heinrich Heuser organisiert in Niederwalgern auf „Bremerschhof“ seit Jahren einen kleinen Weihnachtsbaumverkauf. Der Erlös kommt immer einer „guten Sache“ zugute. Dieses Mal war schon lange im Vorfeld ausgemacht, dass das Geld ins Ahrtal gehen sollte. „Das, was da im Ahrtal passiert ist im vergangenen Sommer, ist beispiellos“, sagt Hans-Heinrich Heuser, den viele auch einfach nur unter dem Namen „Heinz“ kennen. Dem Paar war nur wichtig, dass das Spendengeld nicht irgendwo eingesetzt wird, sondern ganz sicher Menschen direkt vor Ort weiterhilft.

In der TV-Berichterstattung ist dem Ehepaar immer wieder Cornelia Weigand, die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, sehr positiv aufgefallen. „Eine Frau, die sich richtig einsetzt“, sagt Heinz Heuser. Also kontaktierten sie die Verwaltung der Verbandsgemeinde und kündigten dort an, 1.840 Euro spenden zu wollen.

Zu ihrer Überraschung erhielten sie sofort eine Einladung, das Geld doch vor Ort abzugeben. „Dann haben wir uns spontan dazu entschlossen, es genau so zu machen“, sagt der ehemalige Ortsvorsteher von Niederwalgern. Und so wurde ein Termin ausgemacht. Am vergangenen Dienstag war es dann so weit. Auf einen großen Spendenscheck für ein Foto verzichteten Anna und Heinz Heuser ganz bewusst.

Heusers schauen sich alles an

„Im Vergleich zum Schaden und was alles noch gebraucht wird, ist diese Summe verschwindend gering. Aber es ist eine Summe, die irgendwo hilft“, so Heuser. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung empfing die beiden und erzählte, dass solche Spenden gerne direkt an die Ortsbürgermeister, die vergleichbar mit hiesigen Ortsvorstehern sind, weitergeleitet werden. Denn diese wüssten sehr genau, für was das Geld eingesetzt werden kann.

Die Heusers sollten sich ruhig alles anschauen. „Das Ausmaß der Zerstörung ist immens. Und vor Ort existiert schon die Angst, dass man nach einer gewissen Weile aus dem Blickfeld gerät und mit seinen Sorgen und Zukunftsängsten alleine gelassen wird“, sagt Heinz Heuser. Die Intention der Bürgerinnen und Bürger ist klar, sie wollen, dass andere sehen, was noch zu tun ist.

Anna Heuser steht noch ganz unter dem Eindruck des Gesehenen und sagt: „Diese Menschen brauchen noch sehr lange Hilfe und Unterstützung.“ Deshalb hat sich das Ehepaar auch entschlossen, öffentlich von „ihrer“ Spende zu berichten. „Wir sind ja nur Überbringer. Gespendet haben das Geld Menschen hier aus Niederwalgern und Umgebung. Wir wollen nur gerne aufzeigen, dass bei solchen kleinen Aktionen schon Geld zusammenkommt, das dort weiterhilft“, so Heuser.

Hilfe ist Vielfältig

Weil die Menschen wussten, dass der Erlös dieses Mal ins Ahrtal gehen sollte, legten einige noch mal extra was drauf für ihren Weihnachtsbaum. Auch gab es einige Einzelspender. „Wir wollten nun auch nicht das Geld einfach irgendwohin überweisen, ohne zu wissen, was damit gemacht wird. Das sind wir allen hiesigen Spendern schuldig“, so Heuser. Deshalb freuten sich die beiden, das Geld tatsächlich vor Ort abgeben zu können.

Anna und Heinz Heuser sind motiviert, wenn es denn die Corona-Lage in diesem Jahr wieder zulässt, über eine weitere Veranstaltung erneut Geld für Menschen im Ahrtal zu sammeln. Sie zeigten sich auch schon sehr beeindruckt von der Hilfe, die über verschiedene Aktionen aus diesem Landkreis geleistet wurde. Sie sagen: „Wenn das weitere Nachahmer findet, kommt ganz leicht noch mehr Geld zusammen.“

Beispiele dieser Art gibt es weitere: Jüngst hatte die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege 1.000 Euro für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in den Kreisen Ahrweiler und Rhein-Erft gespendet. Das Geld wurde am „Tag der Tracht“ in Dautphe bei einem Gottesdienst eingenommen und von der Vereinigung aufgerundet. Auch der Schlepperkonvoi im Dezember in Marburg stand ganz im Zeichen der Hilfe fürs Ahrtal.

Von Götz Schaub

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