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Südkreis Moritz Raude ist Hessens jüngster Revierleiter
Landkreis Südkreis Moritz Raude ist Hessens jüngster Revierleiter
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09:57 06.10.2020
Moritz Raude ist neuer Revierleiter im Ebsdorfergrund und wohl der jüngste Deutschlands. Quelle: Katja Peters
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Ebsdorfergrund

Seit 23 Jahren sammelt Moritz Raude schon Wald-Erfahrung. Zusammen mit seinem Vater, Revierleiter in Diemelstadt, hat er viele Stunden und Tage im Wald verbracht, dadurch einiges erlebt und gesehen, aber natürlich vor allem viel gelernt.

Das kommt ihm jetzt zugute. Seit August ist er offiziell Hessens jüngster Revierleiter. Das Revier Ebsdorfergrund hatte er schon im Februar kommissarisch übernommen.

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„Ich bin im Wald groß geworden, habe das Wissen sozusagen mit der Muttermilch aufgenommen“, sagt er lachend beim OP-Besuch. Für ihn stand damit schon sehr früh fest, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten wird.

Dass das nun so früh, mit 23 Jahren, ist, damit hatte er allerdings auch nicht gerechnet. „Momentan stehen die Chancen eben recht gut. Viele Kollegen gehen in Rente, dadurch werden viele Stellen frei“, erklärt er einen weiteren Grund für seine Besetzung.

Der junge Hase kann ja was

Einen dritten Grund gibt es auch noch: das Arbeiten mit und in der Natur. „Es macht schon Spaß zu gestalten und dass man was bewirken kann. Ich stelle ja sozusagen die Weichen für die Zukunft“, sagt er und hofft, dass er seinen Nachfolgern nicht so ein schweres Erbe hinterlässt, wie seine Vorgänger ihm nun mit den Fichten-Monokulturen.

„Im Moment ist es wirklich eine schwierige Situation. Waldsterben, Borkenkäfer, Trockenheit – das ist ein bisschen viel auf einmal“, beschreibt Moritz Raude seine täglichen Herausforderungen. Sein Revier besteht aus viel Privatwald, „und es gibt derzeit keine klaren Aussagen, welche Baumarten zukunftsfähig sind. Da ist es wirklich schwierig mit der Beratung.“ Denn der junge Revierleiter setzt, wie auch seine anderen Kollegen, auf Zusammenarbeit.

„Die Waldbesitzer hatten sich zum Glück schnell wieder beruhigt, nachdem sie festgestellt hatten, dass der junge Hase doch was kann“, sagt Moritz Raude mit einem Augenzwinkern. Gleiches erlebt er auch oft mit den Waldbesuchern. „Ich mag die Gespräche mit ihnen, auch wenn es manchmal sehr kontrovers zugeht“, gibt er zu. Gerade dann kommt ihm sein Fachwissen und sein ruhiges Gemüt zugute.

Wald stirbt ihm unter den Händen weg

Wie auch bei seinen älteren Kollegen. „Na klar wird mein Handeln und Tun auch schon mal hinterfragt. Aber bis jetzt konnte ich sie immer überzeugen“, berichtet der studierte Forstwirt, der sehr bodenständig und überhaupt nicht überheblich daherkommt. „Das hilft natürlich auch“, sagt Forstamtsleiter Bernd Wegener, der absolut überzeugt ist von der Neubesetzung im Revier Ebsdorfergrund.

„Ich bin froh, dass er nach seinem Anwärterdienst in Bauerbach hiergeblieben ist“, gibt er zu. Denn eigentlich wollte Moritz Raude wieder zurück in die Heimat nach Nordhessen. Doch neben dem großen Vertrauen, das er im Forstamt Kirchhain genießt, hat ihn auch das Betriebsklima überzeugt. Und wenn er doch mal einen Rat braucht, „dann rufe ich bei meinem Vater an“, sagt der 23-Jährige und lächelt.

Dass ihm der Wald gerade unter der Hand wegstirbt, das sieht nicht nur er mit großer Sorge. „Im Moment beschäftigt uns nur die Katastrophenbewältigung und nicht das reguläre Gestalten“, beschreibt er die Situation. Nicht nur deswegen wünscht er sich ein bisschen mehr Normalität für die Zukunft.

Von Katja Peters

06.10.2020
02.10.2020