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Südkreis Von Armbrustern und Bürstenbindern – Niederwälger veröffentlicht Buch übers Handwerk
Landkreis Südkreis Von Armbrustern und Bürstenbindern – Niederwälger veröffentlicht Buch übers Handwerk
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09:00 06.06.2022
Herbert Merkel hat in seinem mehr als acht Jahrzehnte andauernden Leben sehr viel mit Handwerk zu tun gehabt. Er selbst entstammt aus einer Dachdeckermeister-Familie. Jetzt hat er dem Handwerk ein Buch gewidmet.
Herbert Merkel hat in seinem mehr als acht Jahrzehnte andauernden Leben sehr viel mit Handwerk zu tun gehabt. Er selbst entstammt aus einer Dachdeckermeister-Familie. Jetzt hat er dem Handwerk ein Buch gewidmet. Quelle: Privatfoto
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Niederwalgern

Schon 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, gab es in ganz Hessen keinen Armbruster, keinen Aschbrenner, keinen Blaudrucker, keinen Büchsenmacher und tatsächlich auch keinen einzigen Köhler mehr. Was da bereits an Tradition verloren gegangen ist. Der Beruf des Köhlers, der mühevoll und zeitraubend Holz zu Holzkohle verarbeitete, ist in Hessen seit dem Mittelalter nachgewiesen. Andere Zahlen sind nicht minder interessant, wenn nicht gar alarmierend. 1949 gab es noch 14 900 Müller in Hessen, 2020 nur noch 25. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf, das sei hier noch eingepflegt, sind es aktuell zwei.

Seiler, Stellmacher, Töpfer und Weber sind vier weitere Handwerksberufe, die ab 1949 bis heute in Hessen komplett verloren gegangen sind. Viele Arbeitsmethoden haben sich krass geändert.

Autor Herbert Merkel aus Niederwalgern mag es, in vergangenen Zeiten zu forschen, die Geschichte der Menschen aus der Region und Heimat aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen. Sein erstes Buch „Die Kirche war allgegenwärtig“ näherte sich der regionalen Geschichte über Einträge in Kirchenbüchern an. Sein neuestes Werk „Altes Handwerk in Hessen früher und heute“ beschäftigt sich mit traditionellem Handwerk vergangener Zeiten, welches man heute oftmals nur noch an besonderen Schautagen präsentiert bekommt oder durch moderne Maschinen komplett ersetzt wurde. Merkel ist fasziniert vom Handwerk, das er als Kind hautnah in seinem Alltag erleben durfte. „Das Leben in den Dörfern zu meiner Zeit als Kind war jeden Tag von Handwerk und Landwirtschaft geprägt“, sagt er.

Schwache Sehkraft verhinderte Dachdecker-Job

Da war der Schuster, der ihn als Vorschulkind oftmals einlud, ihm bei der Arbeit Gesellschaft zu leisten, und da waren etwas später die Schulfreunde, die alle aus Handwerksfamilien kamen. Da war seine eigene Familie, in der ein bestimmtes Handwerk die Einkünfte sicherte: Sein Vater war Dachdeckermeister. Als Merkel alt genug war, war er selbst bis zur Gesellenprüfung auf dem Dach mit dabei, doch wusste er, dass seine schwache Sehkraft auf einem Auge das Aus in diesem Beruf bedeutete. Doch die Faszination und der Respekt vor jeglicher Form des Handwerks bewahrte sich Merkel ein Leben lang. Nun hat er dem Handwerk 250 Seiten gewidmet. Von A wie Abdecker bis Z wie Zimmermann stecken in dem Buch nicht nur Beschreibungen alter Handwerksberufe, sondern auch diverse Geschichten, die damit zu tun haben.

In seinen Beschreibungen lässt Merkel gerne auch persönliche Erinnerungen mit einfließen, die auch sicher erstaunte „Aha-Erlebnisse“ bei der Leserin oder dem Leser des Buches hervorrufen können. So hatte in dem Haus neben seinem Elternhaus ein Sattler, der aus dem Sudetenland geflüchtet war, eine neue Heimat gefunden. Er beherrschte sein Handwerk und konnte sich später in Marburg selbständig machen. Auf ihn geht die in der Marburger Altstadt gelegene Bürstenbinderwerkstatt mit Verkaufsladen zurück.

Wer nun ein Exemplar seines Buches „Altes Handwerk in Hessen früher und heute“ erwerben möchte, setzt sich direkt mit Autor Herbert Merkel in Verbindung unter der E-Mail-Adresse herbertmerkel@t-online.de oder per Telefon unter 0 64 26 / 68 45

Von Götz Schaub