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Südkreis Heilige unter Lack versteckt
Landkreis Südkreis Heilige unter Lack versteckt
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14:53 17.10.2021
Zwei Emporenbilder in der Kirche Hachborn, die nicht mehr unter dicken Lackschichten versteckt sind. Pfarrerin Jennifer Lackmann (links), Restauratorin Beate Demolt und Holger Adler vom Förderverein träumen davon, auch die anderen Kunstwerke freizulegen.
Zwei Emporenbilder in der Kirche Hachborn, die nicht mehr unter dicken Lackschichten versteckt sind. Pfarrerin Jennifer Lackmann (links), Restauratorin Beate Demolt und Holger Adler vom Förderverein träumen davon, auch die anderen Kunstwerke freizulegen. Quelle: Ina Tannert
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Hachborn

Die Kirche in Hachborn ist schon jetzt ein echter Blickfang, beliebter Trauort und Fotomotiv, und noch immer verbergen sich so manche Kunstgüter im Inneren, die nur schwer wieder zurück ans Tageslicht finden.

In den letzten Wochen fanden auf Initiative des Fördervereins im Kircheninneren Restaurationsarbeiten statt, und das an verschiedenen Stellen: So hat etwa die Kanzel eine erste Reinigung durchlaufen, später folgen noch eine Grundreinigung und neue Farbe. Ganz besonders stolz ist die Kirchengemeinde aber auf einen ihrer größten Schätze: das historische Epitaph aus dem 16. Jahrhundert, wohl entstanden um das Jahr 1569, an der Wand hinter dem Altar. Das kostbare historische Werk ist besonders gut erhalten, wurde nun fachgerecht gesäubert und erstrahlt in neuem Glanz.

Das Bild in Öl auf Holz zeigt die Adelsfamilie Scheuernschloß aus Marburg in Anbetung vor dem auferstandenen Christus. Die Familie verewigte sich und den eigenen Glauben auf diese Weise vor rund viereinhalb Jahrhunderten in diesem Grabdenkmal. „Das Epitaph ist in einem sehr guten Zustand, es ist ein wirkliches Kunstgut und ein ganz seltenes Stück“, freut sich Pfarrerin Jennifer Lackmann.

Bildnisse verschwinden unter Farbschichten

Die Geschichte dieses Kunstwerks ist relativ gut erforscht, weiter ein Geheimnis bleiben dagegen die Emporenbilder, von denen sich die meisten unter dicken Schichten Farbe verstecken. Diese werden zumindest in den Tafeln der Empore vermutet, insgesamt sollen es 14 schmale und vier große Bilder sein, vermutlich mit abgebildeten Heiligen, die einst mit großer Kunstfertigkeit gestaltet wurden und die Fächer der Empore im Altbau-Teil der Kirche verzierten. Nur wurden die Bilder bei viel früheren Renovierungsarbeiten mehrfach übermalt, sodass sie fast in Vergessenheit gerieten. In den 1980er- und 90er-Jahren fanden zuletzt Restaurationsarbeiten statt, da konnten bereits drei der Bilder wieder ans Tageslicht gebracht werden. Und das alleine war schon ein Kraftakt. Das Problem: Es sind sechs Farbschichten zu entfernen, und die von den Bildern abzukratzen, ohne die Kunstwerke dabei zu beschädigen, war bisher nur mit enormem Aufwand möglich, ist zeitaufwendig und sehr teuer.

Alleine ein einziges Bild zu befreien, würde wohl an die 300 Stunden an intensiver Kratz-Arbeit per Skalpell und unter dem Mikroskop kosten, schätzt Restauratorin Beate Demolt. Sie sucht daher nun nach möglichen, bezahlbaren Alternativen und hat in der Kirche bereits einige Proben gesammelt und Lösemittel ausprobiert, „wir schauen jetzt nach neuen Techniken“, sagt Demolt. Die Analyse dauert an. Wann und ob weitere Kunstwerke freigelegt werden können, steht in den Sternen. „Wir wünschen uns sehr, dass die Bilder freigelegt werden können“, betont Holger Adler vom Förderverein. Das war auch einer der Hauptgründe für das neueste Restaurationsprojekt, das der Förderverein, der sich vor drei Jahren gründete, finanziert und an dem sich auch die Landeskirche und das Landesamt für Denkmalpflege mit einem Zuschuss beteiligen. Bisher sollen etwa 10 000 Euro in das Restaurationsprojekt investiert werden.

Verbindung zwischen den Orten fördern

Die rund 100 Vereinsmitglieder setzen sich für die repräsentativen Kirchen der Kirchengemeinde ein, aber auch für andere Projekte, etwa an den Kitas, auch um die Verbindung zwischen den Orten zu fördern: „Wir sind eine Großgemeinde mit vier Dörfern – das Ziel ist, dass wir zusammenwachsen, wir möchten die Gemeinschaft fördern“, sagt Adler.

Und alleine die versteckten Emporenbilder haben schon immer die Neugier der Bewohner geweckt, daher entstand der Traum von der Freilegung der Kunstschätze. „Man sieht hier einfach, was wir für Schätze haben, die etwas von der Kirche und diesem Ort erzählen“, sagt Lackmann.

Gearbeitet wurde nicht nur in Hachborn, sondern auch in der Kirche Ebsdorf, wo unter anderem die Decke der schmucken Wehrkirche in neuem Glanz erstrahlt. Im wahrsten Sinne, denn von hoch oben funkeln Sterne auf die Besucher herab und der vordere Sternenhimmel wurde fachgerecht auf Vordermann gebracht. Beide Restaurationsprojekte konnten nur mithilfe von weiteren Spenden aus der Kirchengemeinde gelingen: So einige Gläubige hatten sich beteiligt und ihre Kirchen unterstützt, wofür sich Pfarrerin und Pfarrer herzlich bedanken.

Von Ina Tannert

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