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Südkreis „Gesunde Finanz-DNA“ ermöglicht hohe Investitionen
Landkreis Südkreis „Gesunde Finanz-DNA“ ermöglicht hohe Investitionen
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16:00 16.11.2021
Bürgermeister Andreas Schulz brachte im Parlament von Ebsdorfergrund den Haushaltsentwurf für das Jahr 2022 ein.
Bürgermeister Andreas Schulz brachte im Parlament von Ebsdorfergrund den Haushaltsentwurf für das Jahr 2022 ein. Quelle: Ina Tannert
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Ebsdorfergrund

Hohe Einnahmen, Schuldenabbau und Rekordinvestitionen – der neue Haushaltsentwurf von Ebsdorfergrund steht auf stabilen Füßen. Die Gemeinde verfüge über „eine gesunde Finanz-DNA“, hob Bürgermeister Andreas Schulz am Montagabend in seiner Haushaltsrede hervor.

Der neue Haushalt ist ausgeglichen und sieht Investitionen von knapp 6,5 Millionen Euro vor, die sich vor allem in den Bereichen Kita, Feuerwehr und Infrastruktur finden. So sieht der größte Posten 1,3 Millionen Euro für den Ausbau des Radwegenetzes vor. Zudem fließen weitere Gelder nach Heskem, etwa ins Grundzentrum, für das die Gemeinde eine Million Euro für den Erwerb des geplanten Multifunktionsgebäudes einplant.

Eine Erhöhung der Grundsteuer werde es auch in diesem Jahr nicht geben, der Schuldenstand solle zudem weiter abgebaut werden. Im letzten Jahr war die Millionengrenze das Ziel, die dieses Mal dann auch unterschritten wird: Für den neuen Haushalt werden keine neuen Darlehensaufnahmen oder Kassenkredite gebraucht, „Ende 2022 werden es nur noch 886 000 Euro originäre Gemeindeschulden sein – die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung weit und breit in einer Kommune“, so der Bürgermeister.

Steigende Einnahmen

Ein Plus von 971 000 Euro im Ergebnis dient dazu, eine Lücke im Finanzhaushalt in Höhe von 812 000 Euro zu schließen, außerdem die Tilgung von 121 000 Euro zu finanzieren. Liquide Mittel müssten nicht angegangen werden, freut sich Schulz. 85 Prozent des Finanzhaushaltes seien durch Einnahmen gedeckt, darunter hohe Zuschüsse aus Fördergeldern.

Schulz verglich die Gemeinde mit einem mittelständischen Unternehmen, das als Dienstleister fungiere und sich über einen Gesamtumsatz von 27,5 Millionen Euro freuen könne. Mit 100 Stellen und insgesamt 150 Mitarbeitern sei das Rathaus der zweitgrößte Arbeitgeber der Kommune.

Dabei entfallen mehr als die Hälfte der Stellen auf die Bereiche Kita, Schwimmbad, Grundtreff und den Jugend-, Senioren- und Freizeitbereich, jeweils ein Viertel auf Servicehof mit der Ver- und Entsorgung sowie die Gemeindeverwaltung. „Eine Personalaufwandsquote von unter 25 Prozent sucht für ein solches Dienstleistungsunternehmen seinesgleichen“, betonte Schulz, der sich bei seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren Einsatz bedankte.

Der Ausblick auf die nächsten Jahre sehe zudem besonders rosig aus. Das liegt einmal daran, dass die Gemeinde mit Zahlungen des Landes Hessen für die Ortsumgehung Heskem rechnen kann, für das diese in Vorkasse getreten war.

720 000 Euro fließen bis 2030 jährlich vom Land aus nach Ebsdorfergrund. Zudem rechnet Schulz damit, dass sich das Interkom-Gewerbegebiet nun zunehmend durch Einnahmen über Grund- und Gewerbesteuern positiv bemerkbar mache.

Gemeinde wächst

Da in der Gemeinde zudem mehr Menschen hinzukommen als wegziehen oder versterben, herrschten auch bei den Bevölkerungszahlen und damit bei den Lohn- und Einkommensteueranteilen der Gemeinde gute Aussichten – ihre wichtigste Einnahmequelle. Eine Voraussetzung dazu sei die Ausweisung weiterer Neubaugebiete. In Ebsdorf, Wittelsberg und Rauischholzhausen sollen im kommenden Jahr drei neue realisiert werden. Die stabile Finanzlage mache es möglich, dass im nächsten Jahr 152 Projekte umgesetzt werden könnten.

Davon 81 Projekte der Gemeinde sowie 71 von insgesamt 95 Ortsbeiratsanmeldungen, die sich im Haushalt wiederfinden. Die Ortsbeiräte hatten angesichts der Corona-Einbußen im letzten Jahr auf Haushaltsanmeldungen verzichtet. Sechs angeregte Projekte würden nun noch auf Realisierbarkeit geprüft, fünf wurden auf das Jahr 2023 verschoben und 14 werden nicht umgesetzt.

Ein „Wermutstropfen“ könnte sich allerdings bereits abzeichnen – manche Projekte im nächsten Jahr könnten eventuell nicht im zugesagten Zeit- und Kostenrahmen bearbeitet werden. Schulz rechnet damit, das sich äußere Rahmenbedingungen weiterhin auswirken werden: Darunter gestiegene Energie- und Materialkosten, volle Auftragsbücher bei Handwerkern oder Lücken in den Lieferketten.

Der Haushaltsentwurf wurde vom Parlament beschlossen. Mit dem umfangreichen Papier werden sich nun die Ausschüsse befassen.

Im Dezember ist dann mit einem Parlamentsbeschluss zu rechnen.

Investitionen im Haushalt 2022

Der neue Haushaltsentwurf von Ebsdorfergrund sieht insgesamt Investitionen von gut 6,5 Millionen Euro vor. Eine Million Euro fallen für das neue Bürgerhaus/Multifunktionshaus im Grundzentrum Heskem an. Der Eigenanteil der Gemeinde am Kreisel der Ortsumgehung Heskem ist mit 540 000 Euro aufgeführt, für Bedarfsampel und Wegebau zur GSE für den künftigen Busbahnhof werden 250 000 Euro fällig.

Die vom Land Hessen vorgegebene barrierefreie Gestaltung der Bushaltestellen schlägt mit 750 000 Euro zu Buche. Radwege/Verkehr: Rund 1,3 Millionen Euro sind für den Ausbau von Radwegen im Rahmen des Förderprogramms „Stadt und Land“ veranschlagt. Zusammen mit Straßenbau und Erschließungskosten ergibt das rund 4 Millionen Euro.

Kita: In den Bereich Kita und Spielplätze fließen insgesamt 655 000 Euro. Die Erweiterung der Kita Rauischholzhausen schlägt mit 575 000 Euro zu Buche, die Sanierung des Bestands mit 50 000 Euro. Feuerwehr: Die Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses in Rauischholzhausen ist mit 200 000 Euro veranschlagt, jenes in Ebsdorf mit 115 000 Euro, die Anschaffung von Geräten und Ausrüstung der Feuerwehren generell mit 10 700 Euro. Schwimmbad: Das Kinderschwimmbecken im Grundbad ist mit 100 000 Euro aufgeführt, der Aqua-Park im Außenbereich mit 75 000 Euro.

Von Ina Tannert

15.11.2021
15.11.2021