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Südkreis Eine Stube voller „Niederwäljer“ Geschichte
Landkreis Südkreis Eine Stube voller „Niederwäljer“ Geschichte
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12:57 05.07.2020
Heinrich Groß (links) und Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser stöbern im neuen „Geschichtsstübchen“. Quelle: Ina Tannert
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Niederwalgern

Der historische „Bremerschhof“ im Herzen von Niederwalgern ist eine wahre Fundgrube lebendiger Ortsgeschichte – nun kommt mit dem „Geschichtsstübchen“ ein weiteres Kapitel dazu.

Seit ein paar Jahren arbeitet Ortsvorsteher Hans-Heinrich Heuser daran, einen großen Teil des Familienhofes zum Archiv umzugestalten, das „Zeitfenster“ wächst immer weiter und bietet Einblicke in alle Bereiche des dörflichen Alltags vergangener Zeiten. Von historischen Landmaschinen, Werkzeugen, Alltagsgegenständen bis zu komplett mit historischem Mobiliar ausgestatteten Räumen.

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Außerdem finden sich nicht nur eine umfangreiche Trachtensammlung und Überbleibsel vergangener Feste, sondern auch so skurrile Relikte wie die Hose der „Niederwälger Rotärsche“, eine weiße Hose mit rotem Hinterteil, die während der Jubiläumsfeier zum Renner wurde.

Jeden Schnipsel der letzten Jahrzehnte hat Heuser gesichert, ist bekennender „Aufheber“, ein „leidenschaftlicher Sammler“, berichtet er während der kleinen Einweihungsfeier seines neuesten Ausstellungsraumes. Mitten in die große Scheune hinein hat er eine kleine Stube gezimmert und bestückt.

Ehrenplatz für Silbermedaille

Die Wände hängen voll mit Bildern aus dem Ort, Berichten und Zeitungsartikeln, zwischen einer alten Schreibmaschine und einem Schrank voller Dokumente liegen alte Festschriften, Exemplare der Niederwälger Dorfzeitung oder üppige Bildersammlungen, angefangen bei Fotos Anfang des 20. Jahrhunderts.

Alte Dorfansichten oder die Dorfjubiläen sind vertreten. Natürlich erhält auch der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, den Niederwalgern mit der Silbermedaille auf Bundesebene erfolgreich bestritt, einen Ehrenplatz, ebenso wie die zahlreichen Aktionen der Bewohner, die ihren Ort auf Vordermann brachten und bringen.

Das sei neben seiner Sammelleidenschaft ein weiterer Grund für die Entstehung des „Geschichtsstübchen“, das „äußerst ausgeprägte ehrenamtliche Engagement in Niederwalgern“, lobt er.

Gemeinschaftswerke für den Ort

Das was unzählige „Niederwäljer“ über Jahrzehnte für den Ort geleistet haben, mit anpackten bei vielen Projekten, dafür jede Menge Freizeit opferten, das wird festgehalten, „das soll für die Nachwelt erhalten werden“. In dem kleinen Raum ballen sich daher Nachweise aus rund 50 Jahren Ehrenamt der Bürger, außerhalb der Vereinsaktivitäten.

Ein weiterer Grund sind jene Menschen, die ihn immer unterstützten, die besondere Werke über und für den Ort erschufen, darunter etwa Maler Heinrich Groß, von dem bereits verschiedene Holzschnitte in der Scheune hängen.

Er schuf unter anderem das Bild für den Festwagen zur 750-Jahr-Feier oder das Vorbild für die Tafeln am Ortseingang, führte während der Renovierung der Kirche die Holzarbeiten durch. Neben ihm taten sich viele weitere Bewohner hervor, auch Wilfried Gladisch, der die lange Wettbewerbsgeschichte von Niederwalgern ausdauernd dokumentierte, alles in Wort und Bild festhielt und ganze Bildbände zusammenstellte, die ebenfalls ausgestellt werden.

Heuser hat schon neue Ideen

Beim Stöbern durch Tausende Dokumente, alte Berichte und Fotos kommen Erinnerungen hoch und gestandene Niederwälger geradezu ins Schwärmen: „Ach guck, du warst ja damals auch dabei, weißt du noch?“, war während der Feier mehrfach von den Besuchern zu hören. „Das ist absolute Spitze, das alles geht ja sonst verloren – ich könnte den ganzen Tag hierbleiben und immer weiter stöbern“, lobt etwa Gerd Leeder.

Das „Geschichtsstübchen“ ist als krönender Abschluss des „Zeitfensters“ gedacht, doch Heuser hat schon wieder neue Ideen für das Dorfarchiv. So hat er in den vergangenen 16 Jahren an einer Miniatur über das Leben in der Landwirtschaft im Ort gebaut, das soll noch einen besonderen Platz erhalten.

Von Ina Tannert

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