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Südkreis Gertrud Bietz feiert 100. Geburtstag
Landkreis Südkreis Gertrud Bietz feiert 100. Geburtstag
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17:19 02.07.2020
Gertrud Bietz aus Dreihausen, die im Pflegeheim in Leidenhofen lebt, wurde am Mittwoch 100 Jahre alt. Quelle: Ina Tannert
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Leidenhofen

Ein 100-jähriger Geburtstag – das erlebt man selten und umso größer ist die Freude, wenn dieses Ereignis gemeinsam im Kreise von Familie, Freunden und vielen Wegbegleitern gefeiert werden kann. So erlebte auch Gertrud Bietz, die in der Gemeinde Ebsdorfergrund nur als „Gerti“ bekannt ist, ihren großen Festtag, den die Seniorin und langjährige Dreihäuserin im Pflegeheim Lauer in Leidenhofen feierte. Und sie bewies, dass man auch mit 100 noch feiern, das Leben genießen kann, wenn auch bescheidener als früher. „Man muss nur optimistisch bleiben“, sagt die Jubilarin.

Natürlich machen die Augen nicht mehr so mit, auch nicht immer das Gehör – da passten die nicht gerade leisen Überraschungsgäste umso besser: Zur Feier dieses seltenen Ereignisses marschierte der Spielmannszug Leidenhofen unüberhörbar unter lautem Getöse auf dem Fest ein. Die Mitglieder spielten dem überraschten Geburtstagskind und ihren Gästen im Garten des Seniorenheims gleich mehrere Ständchen. Mit im Tross marschierten mehrere Wegbegleiter von Gertrud Bietz und überbrachten Blumen und Glückwünsche aus der Gemeinde.

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Dort lebt sie seit mehr als 70 Jahren, stammt gebürtig aber aus dem Sudetenland. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg als junge Frau, wurde nach Kriegsende aus ihrer Heimat vertrieben und musste nach Westen fliehen. Sie kam 1946 nach Dreihausen, wo sie sich mit ihrem Ehemann ein neues Leben aufbaute. Bis heute kann sie sagen: „Ich fühle mich als Dreihäuserin.“ Bürgermeister Andreas Schulz verbindet mit der Seniorin eine besondere Begebenheit, denn sie gab ihm Obdach, als er 1992 sein Amt antrat, wurde vorübergehend seine Vermieterin: Damals sei sein Haus noch nicht fertig gewesen, er habe nicht gewusst wohin, „Gerti hat für mich ihren Speicher freigeräumt“, erzählte Schulz. Fünf Monate lebten beide unter einem Dach, er, frisch im Amt, suchte den ein oder anderen Rat von Gertrud Bietz, die immer „mit guten Ratschlägen und kritischem Blick“ Beistand leistete. „Du warst meine erste Beraterin und ein Grund dafür, dass aus mir etwas geworden ist“, lobte Schulz.

100 Jahre alt zu werden, das sei „noch immer etwas besonderes, auch bei uns im Landkreis“, gratulierte auch Landrätin Kirsten Fründt. Sie zog Vergleiche zwischen der Corona-Pandemie und einer Lebensgeschichte, die bereits ein Jahrhundert andauert und vor der alles andere verblasst: „Was wir gerade alles ertragen und erdulden müssen, ist nichts im Vergleich dazu, was man in 100 Jahren erlebt hat.“

Seit 25 Jahren bei der SPD

Unter den Gratulanten waren auch zahlreiche SPD-Mitglieder, denn die Seniorin feiert in diesem Jahr auch noch ein weiteres Jubiläum: 25 Jahre Mitgliedschaft in der SPD. Sie ist zugleich das älteste Mitglied im Landkreis. Glückwünsche in doppelter Hinsicht erreichten sie daher aus der ganzen Republik und von allen politischen Ebenen, von Berlin bis Leidenhofen.

Im Namen Dreihausens wünschte Ortsvorsteher Lothar Heidt der Jubilarin „Gesundheit und vor allem viel Zufriedenheit. Die kann man sich nicht kaufen, sondern die ist in einem.“ Das konnte Gertrud Bietz nur bestätigen, der ganz überwältigt von der Besucherschar „einfach die Worte fehlen – das war wunderbar, ihr habt mich so überrascht“, freute sich die 100-Jährige. Dass sie dieses doch seltene Alter erreichen konnte, „darüber wundere ich mich selber – man rechnet nicht damit und freut sich dann, wenn man es doch schafft“, erzählt sie lachend.

Und wie hat sie das geschafft? „Man muss mit allem ein bisschen vorsichtig sein und immer nach vorne schauen, und der Onkel Doktor hilft auch.“ Und nicht zuletzt hilft ihr Optimismus, im hohen Alter zurechtzukommen, auch Einschränkungen hinzunehmen. Sie nimmt die Dinge, wie sie eben kommen, „es ist halt so“, lautet ein typischer Kommentar von ihr, erzählt Tochter Helga Lauer schmunzelnd. Und da habe ihre Mutter einfach recht.

Von Ina Tannert

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