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Südkreis Für Körper und Geist
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19:00 05.09.2021
Die Frauen der Gymnastikgruppe Bellnhausen feiern im Bürgerhaus Roth ihr 50-jähriges Jubiläum und halten sich bis heute fit und den sozialen Zusammenhalt hoch.
Die Frauen der Gymnastikgruppe Bellnhausen feiern im Bürgerhaus Roth ihr 50-jähriges Jubiläum und halten sich bis heute fit und den sozialen Zusammenhalt hoch. Quelle: Ina Tannert
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Bellnhausen

Der Montag ist für so manche Frau in Bellnhausen gleichbedeutend mit einem wichtigen Termin – der Übungsstunde mit den Gymnastik-Kolleginnen. Und der ist schon seit 50 Jahren fester Bestandteil im Kalender der Gruppe, der sogar viele Gründerinnen bis heute die Treue halten.

Der Gymnastikverein Bellnhausen wurde im Oktober 1971 aus der Taufe gehoben, seitdem halten die Turnschwestern, wie sie sich nennen, die sportliche Fitness ebenso hoch wie den sozialen Zusammenhalt. Gerade in einem gewissen Alter elementar, so schlagen sie praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe: „Je älter man wird, desto mehr muss man auf die Beweglichkeit achten, und das Soziale ist bei uns ebenso wichtig“, erzählt Mechthilde Kimmel.

Es ist eine eng zusammengeschweißte Gruppe, von der sich elf der 14 Mitglieder vor kurzem im Bürgerhaus Roth zum großen Jubiläumsfest trafen. Natürlich nicht an einem Montag, der bleibt ja für die Übungsstunden frei. Die sind mittlerweile natürlich etwas weniger anstrengend, das sportliche Angebot wuchs quasi mit den Turnerinnen mit, passte sich dem Altersschnitt an. Heute geht es weniger um rapides Mattenturnen, sondern um zielgerichtete Übungen für den Gleichgewichtssinn, die Koordination und Beweglichkeit von Gliedern und Rückenmuskulatur.

Eine echte Konstante gibt es aber – und zwar Hildegard Weimer, die seit gut 40 Jahren die Übungen leitet. Sie ist erst die dritte Leiterin der Gruppe in all den Jahren, und die Matten bleiben bei den Übungsrunden auch nie leer. „Es ist nie eingeschlafen und ein harter Kern ist immer geblieben“, freut sich die Übungsleiterin. Die Frauen hatten übrigens nie Probleme, andere wichtige Ämter rund um die Koordination besetzt zu bekommen: Die Truppe ist kein eingetragener Verein, viele Regularien fallen weg. Einen Vorstand gibt es nicht, die Organisation wechselt regelmäßig, man teilt sich die Arbeit, die „auf vielen Schultern ruht, das ist ein Vorteil“, sagt Mechthilde Kimmel.

Weniger konstant war zuletzt ihr Trainingsraum, viele Jahre nutzte die Gruppe das Dorfgemeinschaftshaus für ihre Treffen. Nachdem dort eine Kita-Gruppe einzog, mussten sie ausweichen und fanden eine ausgefallene Alternative: Ein umgebauter Kuhstall wurde ihr neues Domizil. Sie zogen mit Sack und Pack um. Bei warmen Wetter wird einfach auf dem Hof trainiert.

Balance zwischen Fitness und Geselligkeit

Der Zusammenhalt sei weiter hoch und über fünf Jahrzehnte weiter gewachsen. Bis heute sind acht Gründungsmitglieder Teil der kleinen Fitness-Truppe. Und auch wenn eine Dame den sportlichen Part körperlich nicht mehr schafft, bleibt sie dem Verein erhalten, in dem die soziale Komponente ebenso viel Raum einnimmt.

Nach jeder Turnrunde darf der gemeinsame Schwatz beim Auffüllen des Flüssigkeitshaushalts nicht fehlen. Zur „Schwätz-Runde“ kommen auch jene Mitglieder, die körperlich nicht mehr mittrainieren können. Ebenso wie zu den regelmäßigen Treffen und Feiern, Ehrensache, dass auch runde Geburtstage gemeinsam begangen werden.

Man passt aufeinander auf: Einsamkeit dürfe es nicht geben, ist eine Turnschwester krank, sind die anderen für sie da. „Nicht nur die körperliche Beweglichkeit ist wichtig, sondern auch die geistige“, beschreibt Mechthilde Kimmel die gelebte Balance zwischen Fitness und Geselligkeit.

Der enge Zusammenhalt wurde auch in einem Gedicht zum 50. Bestehen verewigt, das Mechthilde Kimmel geschrieben hat: „Das gute Miteinander zeichnete unseren Verein stets aus, deshalb wurde auch dieses besondere Jubiläum daraus“, heißt es in der letzten Zeile.

Von Ina Tannert