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Südkreis Mausert sich Fronhausen zum Mittelzentrum?
Landkreis Südkreis Mausert sich Fronhausen zum Mittelzentrum?
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10:00 19.05.2020
Am Donnerstag tagte die Gemeindevertretung Fronhausen nach der Corona-Pause wieder mit großem Abstand im Bürgerhaus. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Am Donnerstag kamen die Fronhäuser Gemeindevertreter zu ihrer ersten Sitzung in der Corona-Pandemie zusammen und hakten dann auch gleich so einige kleinere und größere Themen ab, befassten sich dann mit einem besonders großen, und zwar mit nicht weniger als der landespolitischen Einordnung der Gemeinde. Grund ist eine anstehende Änderung des hessischen Landesentwicklungsplan, wodurch sich für Fronhausen neue Wege auftun könnten, den eigenen Status aufzupolieren. Der Landesentwicklungsplan ist das strategische Planungsinstrument zur räumlichen Entwicklung in Hessen, als Grundlage dienen unter anderem die darin definierten Ordnungsräume, Verdichtungsräume und verschiedenen Raumstrukturtypen Ober-, Mittel und Grundzentren und damit deren Anforderungen.

Fronhausen ist wie die meisten Gemeinden als Grundzentrum deklariert, dessen vordergründige Aufgabe darin besteht, die flächendeckende Daseinsvorsorge – Infrastruktur, Dienstleistungen und Güter des täglichen Bedarfs – bereitzustellen. Mittelzentren, etwa Stadtallendorf, müssen da mehr bieten, haben aber auch mehr Handlungsspielraum, weisen gehobene wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Einrichtungen auf.

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Außerdem wird Fronhausen im Entwicklungsplan als sogenannter „verdichteter Raum“ aufgeführt. Denselben Status hat auch die Nachbargemeinde Weimar. Dabei befindet sich um sie herum der klassische ländliche Raum. Nun liegen aber die zentralen Ortsteile der Kommunen verkehrstechnisch günstig an der Nord-Süd-Achse Hessens (Entwicklunsgsachse genannt), an sich eine gute Lage, aber auch ein Nachteil: Denn damit werden beide nicht vom Land Hessen dem ländlichen Raum zugeordnet, somit fallen sie aus diversen Fördertöpfen eben für die Entwicklung des ländlichen Raums heraus, „als verdichteter Raum gibt es deutlich weniger Mittel“, erklärte Bürgermeisterin Claudia Schnabel. Angesichts der Umgebung und dörflichen Gemeindestruktur schwer nachvollziehbar, aber eben so deklariert. Das möchte die Gemeindechefin aber gerne ändern: „Wir sind eine ländliche Gemeinde und beantragen eine Umgruppierung.“ Fronhausen solle demnach als sogenannter „ländlicher Raum mit Verdichtungsansätzen“ ausgewiesen werden.

Mit Partner zum Mittelzentrum

Damit nicht genug, denn Schnabel zielt auf eine weitere Neu-Einstufung: Parallel zu der neuen Eingruppierung auch noch als Mittelzentrum. Das aber nicht alleine, sondern gemeinsam mit Weimar. Weder für die eine noch die andere Gemeinde besteht indes die Chance, alleine jemals vom Grund- zum Mittelzentrum zu expandieren. Aber: Nun gibt es die Möglichkeit, dass sich beide zusammen als sogenanntes „Mittelzentrum in Kooperation im Ländlichen Raum“ zusammentun und den Status beim Land erwirken könnten. Sollte das klappen, stünden den Partnern mehr Landesmittel zur Verfügung, über den kommunalen Finanzausgleich gebe es weitere Zuweisungen für ländliche Kommunen, man hätte „viel mehr Schlagkraft“, sagte Schnabel. Und als Mittelzentrum könnte man zudem die Angebotsvielfalt in den Gemeinden steigern, mehr Einzelhandel ansiedeln. Dann sei es etwa möglich, neue, größere Geschäfte zu eröffnen, etwa eine Drogerie, gab Schnabel ein Beispiel.

Neben Weimar arbeitet Fronhausen auch mit dem Nachbarn Lohra bereits an einer Stärkung der interkommunalen Zusammenarbeit, im Fall der Neugruppierung sei Lohra allerdings nicht mit im Boot, da die Gemeinde bereits als ländlicher Raum definiert sei und im Gegensatz zu den beiden Nachbarn nicht als „Wachstumsraum“ gelte.

Das Vorhaben hat der Gemeindevorstand in einer Stellungnahme an das Land ausformuliert, will diese in den Prozess der vierten Änderung des Landesentwicklungsplans 2020 einbringen. Die Gemeindevertretung ist dabei und sprach sich einstimmig dafür aus.

Von Ina Tannert

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