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Südkreis Fronhausen will Funknetz-Lücken stopfen
Landkreis Südkreis Fronhausen will Funknetz-Lücken stopfen
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09:00 31.01.2022
Eine Alarmsirene auf einem Hausdach. Fronhausen kämpft seit Jahren mit der unzureichenden digitalen Alarmierung der Feuerwehr und weitet nun das Sirenennetz aus.
Eine Alarmsirene auf einem Hausdach. Fronhausen kämpft seit Jahren mit der unzureichenden digitalen Alarmierung der Feuerwehr und weitet nun das Sirenennetz aus. Quelle: Nadine Weigel
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Fronhausen

Eine reibungslose, flächendeckende Alarmierung kann im Notfall Leben retten, vielerorts hinkt die Warninfrastruktur aber ihrer Zeit hinterher. Das wurde zuletzt beim bundesweiten Warntag vor gut eineinhalb Jahren deutlich, als verschiedene Warnmöglichkeiten getestet und auch im heimischen Alarm-Netz Lücken offensichtlich wurden. Vor allem deshalb, weil viele Sirenen im Kreis nicht digital ausgelöst werden können und die Kommunen auf eine zeitgleiche Alarmierung verzichten mussten.

Ein wichtiger Baustein des Warnsystems sind – neben Apps wie Hessenwarn, Onlinemeldungen, Rundfunk- und Lautsprecherdurchsagen – die Sirenen, die einige heimischen Städte und Gemeinden derzeit aufrüsten. Ein Stück weit unterstützt werden sie dabei vom Land Hessen über ein Sonderförderprogramm. Jede Kommune, die das beantragt, erhält einmalig bis zu 15.000 Euro Förderung aus Bundesmitteln, unabhängig davon, wie viele Sirenen ausgetauscht oder neu errichtet werden.

Wie das Innenministerium mitteilt, sollten die Warninfrastruktur landesweit gestärkt und dazu die ersten finanziellen Mittel in Höhe von mehr als 2,9 Millionen Euro aus einem Förderprogramm des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verteilt werden. Für das Programm können hessische Kommunen noch bis zum 30. April Förderanträge stellen. Insgesamt befinden sich 6,4 Millionen Euro im Fördertopf.

Mit den Bundesmitteln werden die Neuerrichtung elektronischer Sirenen in Mast- oder Dachmontage sowie die Umrüstung bestehender elektronischer Sirenen zur Warnung und Entwarnung der Bevölkerung gefördert. Hessen hat laut Ministerium als erstes Bundesland seine Sirenenalarmierung komplett auf Digitalfunk umgestellt, nun sollen Sirenenstandorte im Land modernisiert und die Warnung der Bevölkerung weiter verbessert werden, sagte Innenminister Peter Beuth.

Auch die Gemeinde Fronhausen profitiert von den Zuschüssen, will über eigene Haushaltsmittel aber in allen Ortsteilen und insgesamt gleich neun komplett digitale Sirenen errichten, wie Bürgermeisterin Claudia Schnabel auf Nachfrage mitteilt. Das wären sechs Mastsirenen und drei Dachsirenen, für die 130.000 Euro im neuen Haushalt bereit stehen. An den meisten Standorten werden die bereits vorhandenen Sirenen ausgetauscht – in Holzhausen wird über die 15.000 Euro aus dem Förderprogramm eine komplett neue errichtet.

Alles hängt am Funkmast

Das wäre ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung, aber bis die neuen Sirenen errichtet und auch einsatzfähig sind, fehlt noch ein wichtiger Punkt: Ein geschlossenes Funknetz. „Voraussetzung für den Betrieb der Sirenen ist die Fertigstellung des Digitalfunkmastes bei Erbenhausen, so dass dann auch endlich die Alarmsicherheit unserer Feuerwehr gegeben ist“, so Schnabel weiter. Mit der Digitalisierung der Feuerwehr kämpft Fronhausen seit Jahren, wollte eigentlich längst flächendeckend von analogen Funkmeldern auf digitale Meldeempfänger umstellen.

Der digitale Alarm hätte große Vorteile, über die modernen Pager können sofort Einsatzinformationen ausgetauscht werden, per Rückmeldefunktion etwa kann die Leitstelle darüber informiert werden, welche Einsatzkräfte mit welcher Qualifikation und Funktion gerade für einen Einsatz verfügbar sind.

Dutzende digitale Pager für die Wehren wurden auch schon vor Jahren über ein befristetes Landesprogramm angeschafft und liegen längst in der Schublade bereit, aber es hapert beim Einsatz. Denn es fehlt ein flächendeckendes Funknetz, um eine reibungslose Alarmierung per Digitalfunk in der ganzen Gemeinde und auch für Einsätze auf der Bundesstraße 3 sicherzustellen.

Die Hoffnung ruht weiterhin auf dem Funkmast im Wald nördlich von Hassenhausen: Für den Bau hatte sich die Gemeinde mit Land und Polizei geeinigt, um den Digitalfunk für die Feuerwehr über den BOS-Funk – der nicht öffentliche Funk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – und bei der Gelegenheit zugleich den Mobilfunk zu stärken.

Der Mast sollte eigentlich schon Mitte letzten Jahres fertig werden, der Bau durch die Telekom als Vertragspartner des Landes hatte sich aber verzögert. Mit einer Fertigstellung rechnet sie nun Mitte dieses Jahres, so Schnabel.

Von Ina Tannert

28.01.2022
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