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Südkreis Ein Platz für alle Bürger
Landkreis Südkreis Ein Platz für alle Bürger
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09:59 17.06.2020
Marie (von links), Lena, Emma und Karoline ließen es sich in der Hängematte gut gehen. Quelle: Götz Schaub
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Fronhausen

„Auf der Schwärz“ in Fronhausen ist Geschichte. Nur der Name, nicht der Platz. Das frisch umgestaltete Areal im Herzen von Fronhausen zwischen Wohngebiet und Bahnhof heißt nun „Bürgerbahnhof“. Und dort lassen sich Freizeitmöglichkeiten für alle Generationen finden.

Innerhalb von wenigen Tagen entstand dort ein Aktionsplatz mit sehr individuellen Gerätschaften vornehmlich aus Holz. Wer das Gelände jetzt besucht, kann nur staunen, was innerhalb kürzester Zeit möglich ist, wenn man nur die richtigen Profis und ganz viele helfende Hände aus der Bürgerschaft zur Verfügung hat. Die Profis waren die Mitarbeiter der Firma Alea GmbH aus Marburg, die genau solche „Events“ anbieten.

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Unter professioneller Anleitung und Begleitung entstanden zwischen Donnerstag vergangener Woche und Montag attraktive Spielgeräte, die nun alle vom TÜV abgenommen sind und offiziell zur Nutzung freigegeben wurden. Bürgermeisterin Claudia Schnabel war jeden Tag auf der Baustelle und arbeitete fleißig mit. Von morgens bis abends wurde gehämmert, geschliffen, geschraubt, gesägt und dann zusammengebaut.

Bis zu 50 Menschen arbeiteten gleichzeitig

Projektleiter Andreas Bostroem und Pädagogin Nathalie Pörksen von Alea waren, wie auch die übrigen Mitarbeiter, jederzeit ansprechbar, um Fragen zur Ausführung und Gestaltung der Spielgeräte zu klären. Wer genau hinsieht, wird das Motto „Bahnhof“ beziehungsweise Eisenbahn auch in den Spielgeräten für die Kinder wiederentdecken. Die freiwilligen Helfer bewiesen dabei Kreativität und Spaß an der Sache, der sich selbst durch Regenschauer nicht trüben ließ.

Mitunter waren mehr als 50 Menschen gleichzeitig auf dem Platz und brachten sich bei den Arbeiten ein. Mit Eifer bei der Sache waren zahlreiche Jugendliche und Kinder, die ihren eigenen Radparcours bauen durften – mit einigen schönen Herausforderungen. Die Spielgeräte für kleine und größerer Kinder sind dort entstanden, wo einst die alte Turnhalle gestanden hatte.

Platz knüpft an gewachsene Tradition an

Neben dem Parkplatz am Bahnhof wurde ein umzäunter Bolzplatz eingerichtet. Die Besonderheit dort ist, dass eine Seite mit Kletterwänden ausgestattet wurde, die zugleich als Schallschutz dienen. Daneben befinden sich einige Fun-Geräte, die man einfach mal ausprobieren sollte.

Wer dabei in null Komma nichts keine gute Laune bekommt, der hat dann wirklich einen äußerst schlechten Tag erwischt. Daneben gibt es Bewegungsgeräte für die gesetztere Generation. In der großen Mitte gibt es noch ein Streetbasketballfeld. Die Stange mit dem Korb ist aus dem Boden herausnehmbar.

Das ist wichtig, weil einmal im Jahr der Platz in der Mitte für die Traditionskirmes der Burschenschaft benötigt wird. Bei der Einweihung am Dienstag sprach auch der Vorsitzende der Region Marburger Land, Weimars Bürgermeister Peter Eidam, ein paar Worte. Er zeigte sich sehr davon beeindruckt, dass es den Fronhäusern gelungen ist, dieses Multifunktionsfeld samt Festplatz im Ort zu halten und damit an gewachsene Traditionen anzuknüpfen, die vielerorts aus unterschiedlichen Gründen aus der modernen Bürgerschaft bekämpft werden.

Anwohner und Firmen brachten Verpflegung

Fronhausens Ortsvorsteher Michael Burg hob in diesem Zusammenhang auch heraus, dass diese Aktion die wohl größte der letzten 20 Jahre war, in denen Bürgerengagement kaum eine Rolle spielte, fast systematisch zum Erliegen gebracht wurde. Er freute sich deshalb wie Schnabel über die große Bürgerbeteiligung aus allen Altersgruppen. Das zeichnete sich bereits in den Vorbereitungen ab, bei denen auch zahlreiche Bürger mithalfen.

Und diejenigen, die sich in der Umsetzungsphase nicht handwerklich einbringen konnten, aber trotzdem helfen wollten, taten dies, indem sie für eine leckere Verpflegung der Helfer sorgten. Frühstück, Mittagessen und Kaffeetrinken am Nachmittag war über alle Einsatztage gesichert, so die Bürgermeisterin.

Dafür sorgten Anwohner und zahlreiche heimische Firmen wie „Das Haus am Park“, „Finger“, die Metzgerei Hoss, Der Rewe-Getränkemarkt, und der Güterbahnhof 1849 mit seinem Foodtruck. Der „Sudkreis“ Fronhausen steuerte sein eigentlich für das wegen Corona nun verschobene Dorfjubiläum Oberwalgern gebraute Bier zu.

Projekt wurde mit 250.000 Euro gefördert

Die Region Marburger Land hatte für das Projekt die Höchstförderung von 250.000 Euro „herausgekitzelt“, so Eidam. Claudia Schnabel sagte, dass dieses Geld sehr gut angelegt worden sei, zusätzlich noch aufgestockt mit eigenen Mitteln.

Wer jetzt noch meckern sollte, dass das ja alles schön und gut sei, aber doch in einer Schotterwüste liege, dem sei gesagt, dass sich das im September ändern wird. Dann wird großflächig Rasen eingesät, der tatsächlich auf dem jetzigen Material gedeihen soll. „Dazu muss die Oberfläche nur etwas bearbeitet werden, damit der Grassamen Halt findet“, erläutert Schnabel. Und natürlich werden dann auch Büsche und Bäume gepflanzt.

„Das jetzt sofort zu machen, hätte wohl wenig Sinn gehabt, wenn der Sommer so heiß wie die letzten beiden werden sollte. Mit September sind wir auf der sicheren Seite“, so die Bürgermeisterin.

Von Götz Schaub

10.06.2020
09.06.2020