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Südkreis Abfallgrube wird zum Ausflugsziel
Landkreis Südkreis Abfallgrube wird zum Ausflugsziel
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11:53 29.05.2020
Die ehemalige Abfallgrube des Friedhofs Fronhausen ist grundsaniert, der Fußboden inzwischen mit Basaltsteinen neu gepflastert worden. Dort sollen historische Grabsteine ausgestellt werden. Quelle: privat
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Fronhausen

Die evangelische Kirchengemeinde baut die ehemalige Abfallgrube des Friedhofs zu einem Ausstellungsraum für historische Grabsteine um.

Das Areal ist nun grundsaniert, der Putz von den alten Sandsteinen abgeschlagen, die Mauern sind neu verfugt und die Fundamente für Dachkonstruktion und freistehende Grabsteine gegossen. Das berichtet der Projektbeauftragte Gunthram Schenk zu Schweinsberg.

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Wie rings um die Kirche ist der Fußboden mit Basaltsteinen neu gepflastert. Metallbauer und Dachdecker sind beauftragt. Wenn nichts dazwischenkommt, wird noch in diesem Jahr das Projekt baulich abgeschlossen, berichtet Schenk zu Schweinsberg.

Zehn historische Grabsteine aus der Zeit von 1686 bis Mitte des 19. Jahrhunderts seien bereits bei Bildhauer Jan Trautmann, Hermershausen, um für die Ausstellung restauriert zu werden.

Anstoß zum Projekt kam im Jahr 1986

Für den aus der Kirche verbannten und teils verwitterten alten Taufstein solle es einen neuen geschützten Standort im Ausstellungsraum geben. Drei durch eine Umfrageaktion in der Gemeinde gewonnene Grabsteine aus dem 20. Jahrhundert kommen noch dazu.

Die Aktion „Rettung und Restaurierung der Grabsteine“ habe eine lange Geschichte, berichtet der Projektbeauftragte. 1986 wurden im Bodenbelag des Hofes vom früheren Küster- und Schulhaus zweitverwendete Grabsteine gefunden und vom „Arbeitskreis Dorfgeschichte“ unter der Federführung von Renate Hildebrandt geborgen. Vor etwa 20 Jahren wurden fünf Grabsteine aufwendig restauriert und außen am Chor der Kirche aufgestellt.

Begräbniskultur aus vier Jahrhunderten

Mit seinem ausführlichen Beitrag „Die Grabdenkmäler vom Kirchhof bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“ in der Fronhäuser Chronik „Von Essen nach Hessen – 850 Jahre Fronhausen von 1159 bis 2009“ stellte Andreas Schmidt alle diese Zeugnisse der Gedächtniskultur in Wort und Bild vor, um sie für kunst-, kultur-, sozial-, landes- und ortsgeschichtliche Fragestellungen zu sichern. 2016 wurden drei weitere dieser Steine östlich der Kirche überdacht öffentlich zugänglich gemacht.

Zusammen mit den neuen Grabdenkmalen aus dem 20. Jahrhundert entstand eine Sammlung von Beispielen aus vier Jahrhunderten. Sie soll zu einem „Lern- und Begegnungsort für Menschen jeden Alters aus der Gemeinde und darüber hinaus“ werden. Begräbniskultur aus der Vergangenheit zu präsentieren, lautet das Konzept von Pfarrerin Dorothee Urhahn-Diel.

Kosten von fast 30.000 Euro abgedeckt

Die Steine sollen demnach zu den Besuchern darüber sprechen. Dazu werden frühere und heutige Vorstellungen über Leben und Sterben mit neuen Medien dokumentiert und erklärt. Dabei wird auch Bezug genommen auf den jüdischen Friedhof in Fronhausen. Eine Expertenrunde solle dazu beitragen, ein neues Ausflugsziel in der Region Marburger Land zu schaffen, sagt Schenk zu Schweinsberg.

Inzwischen sei der Eigenanteil an den Gesamtkosten von etwa 30.000 Euro abgedeckt. Zur Finanzierung tragen der Trödelverkauf der Schenk’schen Familie ebenso bei wie Spenden, Sponsoren und Zuschüsse. Mittel werden unter anderem aus einem EU-Förderprogramm erwartet.

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