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Südkreis Leichtathleten wollen ihre Anlage behalten
Landkreis Südkreis Leichtathleten wollen ihre Anlage behalten
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15:58 29.06.2021
Das Sportgelände in Fronhausen.
Das Sportgelände in Fronhausen. Quelle: Stefan Weisbrod
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Fronhausen

Eindeutiges Votum bei einer eigens einberufenen Versammlung: Mitglieder der Leichtathletikabteilung der SG Fronhausen haben „Ja“ gesagt – aber nicht zu einem neuen Sportzentrum im Ort. „Wollen wir unseren bisherigen Sportplatz behalten?“, lautete die Frage, die Thorsten Reitz den 18 weiteren Angehörigen der Vereinssparte stellte. Alle, inklusive des Vorsitzenden, hoben die Hand.

Worum geht es? Oberhalb der Grundschule könnte ein neues Sportzentrum entstehen, der bestehende Hart- dafür in einen Kunstrasenplatz umgebaut werden. Allerdings müsste das aktuelle Sportgelände unterhalb der Schule aufgegeben werden. Dort, so die Vorstellung von Bürgermeisterin Claudia Schnabel, könnte ein Neubaugebiet entstehen. Und mit dem Erlös aus dem Verkauf von Grundstücken, so die Idee, würde der Gemeindeanteil am Bau des Sportzentrums erlöst. Insgesamt, bestätigte Schnabel der OP auf Anfrage, geht es um ein Volumen von 2,5 Millionen Euro. Eine Millionen Euro davon käme aus dem Bundesförderprogramm Sportstättenbau.

Erster Antrag war erfolglos

Einen ersten Antrag auf Förderung hatte die Gemeinde vor rund zweieinhalb Jahren gestellt, zunächst erfolglos. 2020 erhielt die Gemeinde dann eine Information, dass weitere Mittel zur Verfügung stünden, der Antrag erneuert werden könne. „Das haben wir gemacht. Ende des Jahres sind wir in das Programm aufgenommen worden“, erläuterte die Bürgermeisterin im Telefonat mit der OP.

Nun drängt die Zeit. Die Gemeindevertreterinnen und -vertreter sollen sich in ihrer Juli-Sitzung damit befassen, ob ein Büro beauftragt wird, eine Ausschreibung vorzubereiten. Schnabel bezeichnete das Verfahren als „extrem komplex“ – und kostenintensiv: Es geht bereits im ersten Schritt um etwa eine Viertelmillionen Euro. „Deshalb ist es wichtig, dass vor den weiteren Planungsschritten die betroffenen Vereine und Abteilungen eingebunden werden.“

Frühere Einbindung

Reitz, das machte er bei der Versammlung deutlich, hätte sich gewünscht, dass diese Einbindung bereits früher erfolgt wäre. Und er machte von Beginn an keinen Hehl daraus, die Pläne sehr kritisch zu sehen, denn: „Wir haben jetzt alles, was wir brauchen.“ Er meinte damit etwa eine 400-Meter-Bahn sowie Weit- und Hochsprunganlagen. „Was es davon im neuen Sportzentrum geben würde, wissen wir nicht.“

Zumindest eine Laufbahn mit 400 Metern Länge wird am neuen Standort nicht zu realisieren sein, bestätigte auch die Bürgermeisterin gegenüber der OP. Der Zustand der aktuellen Anlage sei nicht der beste, räumte Reitz ein. „Einen riesigen Investitionsbedarf, den es laut Gerüchten geben soll, sehen wir aber nicht.“ Das Thema Sportzentrum sieht die Fußball-Abteilung der SG anders, der Großteil der Fußballer sei für einen Neubau, berichtet Abteilungsleiter Rainer Deutsch vom geschäftsführenden Vorstand.

Alte Gelände sind pflegebedürftig

n der Abteilung, die letzte Woche das Thema ebenfalls während ihrer eigenen Sitzung diskutierte, herrschen indes auch verschiedene Meinungen: Während die aktiven Fußballer einen neuen Platz bevorzugen würden, hängen andere an dem alten Sportgelände mit langer Tradition. „Der überwiegende Teil der Aktiven befürwortet einen Neubau, die passiven Mitglieder eher nicht“, fasst Deutsch zusammen. Rund 80 bis 100 Jugendliche nutzten den Platz regelmäßig, hinzu kommen rund 50 aus den Reihen der Alten Herren und Senioren.

Sportgelände in Fronhausen. Quelle: Stefan Weisbrod

Das alte Gelände sei allerdings mehr als 40 Jahre alt und sehr pflegeaufwendig, der Zuschuss der Gemeinde reiche dafür nicht, der Verein nehme regelmäßig eigenes Geld in die Hand. Ein Neubau würde den pflegerischen wie finanziellen Aufwand sowohl von Gemeinde wie Verein mindern. Und ein Kunstrasenplatz sei weniger aufwendig und das Jahr über häufiger und länger bespielbar, ein Vorteil für den Spielbetrieb, betont der Abteilungsleiter.

Treffen mit Planern und Gemeinde

Die Debatte um die Laufbahn könne er zwar verstehen, doch habe es bereits gemeinsame Treffen mit Planern und Gemeinde gegeben, bei denen die Möglichkeit einer 200-Meter-Bahn im Gespräch war. „Ganz ohne Lauf-Möglichkeit geht es nicht“, sagt Deutsch, nur die Länge könnte Verhandlungssache werden.

Beide Plätze seien für ihn aber in Zukunft nicht zu halten, „meine persönliche Meinung ist, dass wir realistisch in die Zukunft schauen müssen und für die, die jetzt nachkommen, etwas mit Bestand schaffen – und wer 1,1 Millionen Euro als Geschenk ausschlägt, muss danach erklären können, wie Rasen- und Hartplatz anders zu finanzieren sind“, macht er deutlich.

Entscheidung fällt bald

Das Thema soll im Juli bei einer gemeinsamen Sitzung des gesamten Vereins erneut aufgegriffen werden. Auch Bürgermeisterin Schnabel hat das Votum der Leichtathletinnen und Leichtathleten registriert. Sollten sich die betroffenen Vereine und Sparten mehrheitlich gegen das Projekt aussprechen, sagte sie, werde sie dafür votieren, dass sich die Gemeindevertretung gegen die Beauftragung eines Planungsbüros entscheidet.

Neben der Leichtathletiksparte und der Fußballabteilung sowie des Lauftreffs der SG Fronhausen sind das ebenfalls der Verkehrs- und Verschönerungsverein sowie der Schützenverein.

Von Stefan Weisbrod und Ina Tannert

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