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Südkreis Eine direkte „Begegnung mit dem gelebten Leben“
Landkreis Südkreis Eine direkte „Begegnung mit dem gelebten Leben“
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15:58 16.08.2021
Mit vielen interessierten Besuchern wurde das Fronhäuser Lapidarium an der evangelischen Kirche am Sonntag offiziell eingeweiht.
Mit vielen interessierten Besuchern wurde das Fronhäuser Lapidarium an der evangelischen Kirche am Sonntag offiziell eingeweiht. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Einen realistischen Blick in die Vergangenheit wagen, sich mit dem Leben anderer und der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen und dabei der Botschaft steinerner Denkmäler lauschen – darum geht es beim Fronhäuser Lapidarium.

Die Ausstellung von historischen Grabsteinen neben der evangelischen Kirche wurde am Sonntag im Beisein dutzender Besucher offiziell als Lern- und Begegnungsort mit einer kleinen Feier eingeweiht. Grabsteine weisen nicht einfach auf den Tod hin, sie erinnern zugleich „an das Leben und an die Kostbarkeit jedes einzelnen Lebens“, betonte Pfarrerin Anna Scholz. Sie hielt anlässlich der offiziellen Eröffnung eine Andacht, die der Posaunenchor musikalisch begleitete.

Mit vielen interessierten Besuchern wurde das Fronhäuser Lapidarium an der evangelischen Kirche am Sonntag offiziell eingeweiht. Quelle: Foto: Ina Tannert

Grabdenkmäler laden den Betrachter ein, sich mit dem Leben der Verstorbenen auseinanderzusetzen, Fragen zu stellen: über die Zeit, in der sie lebten, was sie ausmachte, ob und wie beschwerlich diese Zeit war. Im Grunde stehe nicht der Tod im Fokus, sondern „eine Begegnung mit dem gelebten Leben“, so die Pfarrerin.

Dazu bietet die Ausstellung mit 28 individuell gestalteten Grabsteinen eine Gelegenheit. Seit Jahren schon wurden über das Projekt zur Erhaltung der alten Grabdenkmäler die Erinnerungsstücke aus Sandstein vor dem Verfall gerettet. Um die Stücke aus dreihundert Jahren an einem geschützten Ort würdevoll präsentieren zu können, wurde die ehemalige Abfallgrube neben der Kirche saniert und umgebaut.

Erinnerungen an die Ahnen

Dort stehen nun wertvolle Erinnerungen an die Ahnen von Fronhäuser Familien – es war sein Wunsch und Antrieb, auf diesem Weg die Verbindung zu den Verstorbenen wieder zu entdecken, ihre Geschichte zu erhalten, berichtete Projektbeauftragter Gunthram Schenk zu Schweinsberg, der das Projekt angestoßen hatte.

Die Ausstellungsstücke seien zugleich willkommene Quellen für die Geschichtsforschung, zeugen sie doch auch vom Wandel in der Gesellschaft im Umgang mit dem Sterben, mit Trauer oder den Vorstellungen zum Leben nach dem Tod. Der mittelalterliche Taufstein der Kirche wird ebenfalls ausgestellt und bildet einen deutlichen Kontrast, stellt den Grabsteinen den Neubeginn gegenüber und baut „eine Brücke zwischen Geburt und Tod“, erklärte von Schenk.

Spenden von Sponsoren

Um das Projekt verwirklichen zu können, hatte er weitere Mitstreiter für das Projekt gewinnen können, Spenden von Sponsoren gesammelt, außerdem konnten mithilfe der Gemeinde als Träger ausreichend EU-Fördergelder für die Umsetzung beschafft werden. Dank vieler Hände und Köpfe sei so eine besondere, reich gefüllte Ausstellung für Fronhausen entstanden, die den Friedhof und die historische Kirche ergänze.

Es sei ein Gewinn für die Gemeinde, gehe weit über die Betrachtung restaurierter Steine hinaus, „hier geht es auch um mehr als den Tod, es geht darum, die Geschichte wieder zu entdecken“, betonte Bürgermeisterin Claudia Schnabel.

Mit vielen interessierten Besuchern wurde das Fronhäuser Lapidarium an der evangelischen Kirche am Sonntag offiziell eingeweiht. Quelle: Ina Tannert

Offiziell für einen Besuch freigegeben ist das Lapidarium ab Montag (16. August). Hintergrundinformationen zu einzelnen Stücken werden sowohl über das Begleitbuch wie über Infotafeln und QR-Codes vor Ort vermittelt, so dass Besucher direkt einen Eindruck über die Historie erhalten.

Von Ina Tannert