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Südkreis Die Osterbotschaft in der Pandemie
Landkreis Südkreis Die Osterbotschaft in der Pandemie
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09:58 06.04.2021
Auf der Martinswiese feierten die evangelischen Christen in Oberweimar mit Pfarrer Dirk Wilbert einen Freiluft-Gottesdienst. 
Auf der Martinswiese feierten die evangelischen Christen in Oberweimar mit Pfarrer Dirk Wilbert einen Freiluft-Gottesdienst.  Quelle: Foto: Beatrix Achinger
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Oberweimar

Die Wiese vor der Martinskirche füllt sich am Sonntagmorgen nach und nach – und alle wissen: Es ist ein Osterfest, das anders erlebt wird. Für die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oberweimar fasst Pfarrer Dirk Wilbert beispielhaft zusammen: „Die Gemeinschaft fehlt, der Posaunenchor, es gibt kein Osterfrühstück, kein Singen im Gottesdienst.“ Auf dem alten Friedhof unter freiem Himmel muss er aber die Pandemie und ihre Schwierigkeiten selbst gar nicht lange thematisieren: „Man geht über den Gottesacker und wird sich seiner Endlichkeit bewusst. Das ist ja auch Thema. An Ostern geht es um Leben und Tod.“

Das siebenköpfige Team um den „etwas anderen Gottesdienst“ und rund 30 Gemeindemitglieder auch aus verschiedenen Orten erlebten ein Rollenspiel um die Frauen am Grabe Jesu. Genau dieses Geschehen wird nach Pfarrer Wilbert diesmal anders erlebt, fast intensiver: „Diese Vielfalt an Gefühlen, die die Menschen jetzt haben, kommt ja in der Geschichte vor: das Fürchten, das Zittern, die Unsicherheit.“

„Die Frage ‚Was ist Wahrheit‘ spielt eine besondere Rolle

Dies sei auf dem Gottesacker vor der Martinskirche dagewesen, wie Wilbert nach dem Gottesdienst schildert. „Und in diesen Gefühlen nicht am Grab stehen zu bleiben, sondern die Botschaft des Engels in sich aufzunehmen: ‚Fürchte dich nicht! Du bist nicht allein.‘ Das hat man in der intensiven Form sonst nicht.“

Und genau diese Botschaft sei es auch, die die Organisatoren zusammengeführt habe, um diesen Gottesdienst möglich zu machen, in fünf vorigen Treffen.

Die Ostergeschichte sei noch in anderer Hinsicht heute besonders wichtig: „In Zeiten von Fake News oder in Zeiten, in denen Menschen, die an allem zweifeln, sich zu Querdenker-Demos formieren, spielt die Frage ‚Was ist Wahrheit?‘ eine besondere Rolle“, sagt Pfarrer Wilbert. Diese Frage nämlich aus dem Verhör Jesu vor Pontius Pilatus.

Auch an Karfreitag hatte die Gemeinde in Oberweimar einen Gottesdienst abgehalten, zu dessen Ende der Altar komplett leer geräumt war – als Zeichen der Trauer um den Tod Jesu. Jetzt, am Ostersonntag, wird der Altar wieder reich geschmückt: mit dem Kreuz als Zeichen dafür, dass Jesus nicht umsonst gestorben ist. Ebenso symbolisch auch mit Licht, Blumen, Brot und Wein. „Wie soll man das heute fühlen?“, fragt Wilbert in seiner Predigt. „Wir haben es gehört, ‚du bist nicht allein‘. Dabei spüren wir das in diesen Zeiten.“

Doch über dem diesmal anderen Osterfest schwebt dennoch eine Botschaft für jeden Einzelnen: „Allein die Sicht auf die Möglichkeit, dass wir über den Tag hinaus Freiheit gewinnen, dass wir vom Dunkel ins Licht gehen, ist in Ostern enthalten.“

Von Beatrix Achinger