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Südkreis „Ästhetische Debatte“ über Neubaupläne von Seidel
Landkreis Südkreis „Ästhetische Debatte“ über Neubaupläne von Seidel
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18:00 23.12.2021
Die Seidel GmbH & Co. KG in Fronhausen möchte sich erweitern und nördlich der bestehenden Produktionshallen ein Hochregallager errichten.
Die Seidel GmbH & Co. KG in Fronhausen möchte sich erweitern und nördlich der bestehenden Produktionshallen ein Hochregallager errichten. Quelle: Ina Tannert
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Fronhausen

Mehr Lagerfläche, mehr Platz für die Produktion: Die Firma Seidel plant am Standort Fronhausen ein zentrales Lager zu errichten. Nördlich der beiden Werkshallen könnte ein neuer Komplex entstehen.

Im Umfang wird in etwa so groß wie eine der bestehenden Hallen, aber mit einem entscheidenden Unterschied: Herz der neuen Anlage soll ein Hochregallager werden, etwa 130 Meter lang, 30 Meter breit und 35 Meter hoch. So ist zumindest der Stand der ersten Planung, die bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, „die hat eigentlich noch gar nicht richtig begonnen“, berichtet Dr. Andreas Ritzenhoff, Geschäftsführender Inhaber der Seidel GmbH & Co. KG.

Ziel sei es, die bisherige Lagerfläche aus dem jetzigen Produktionsbereich zu holen und ein zentrales Lager zu errichten. So entstehen etwa 5000 Quadratmeter Produktionsfläche, die für neue Maschinen dringend gebraucht würden.

Die bisher geplante Höhe übersteigt nun die für das Gewerbe- und Industriegebiet maximal zulässige Höhe für bauliche Anlagen um etwa 15 Meter. Daher befasste sich die Gemeindevertretung während der letzten Sitzung mit der möglichen Änderung des Bebauungsplans „Brackeborn“ – die Beschlussvorlage sieht vor, die Maximalhöhe anzupassen. Beschlossen ist derweil noch nichts, dazu fehlen den Mitgliedern der Gemeindevertretung und der Ausschüsse, wo das Thema bereits auf dem Tisch lag, weitere Informationen.

Auftragslage sprengt die Lager

Während der Sitzung stellte sich Ritzenhoff die Pläne vor. Das Unternehmen liefert als Hersteller von hochwertigen Verpackungen für die Kosmetikindustrie an Kunden weltweit und ist an mehreren Standorten vertreten. Langfristig wolle man sich aber in Fronhausen noch stärker „verankern“. Von einer Erweiterung würden sowohl die Gemeinde wie die Nachbarn profitieren: Von den 650 Seidel-Mitarbeitern und Auszubildenden leben viele in Fronhausen und den umliegenden Kommunen.

Und diese hätten nach der Pandemie-Flaute viel Arbeit, das Geschäft sei mittlerweile „erfreulich angestiegen“, so Ritzenhoff. Der Planungsdruck sei heutzutage jedoch ein ganz anderer als früher: Wenn heute etwa Influencer einen neuen Lippenstift anpreisen, ist dieser dann am Tag darauf in den Läden ausverkauft und die Seidel-Kunden erwarten umgehend neue Lieferungen und damit eine umfangreiche Vorratshaltung, gibt er ein Beispiel.

Die Nachfrage sei bereits so hoch, dass die Lager knapp werden, das vorhandene am Standort reiche „schon jetzt nicht mehr aus“. Daher werden bereits Lagerflächen in der Umgebung genutzt. Das mache aber einen ständigen Shuttlebetrieb nötig und genau das wolle Seidel nun mit dem Bauprojekt ändern: Eine zentrale Lagerhalle in Fronhausen soll viele verstreute Standorte ersetzen, „das hätte eine deutliche Reduzierung des Transports zur Folge“.

Das geplante Lager solle entsprechend hoch werden, um den Flächenverbrauch zu senken. Zum Vergleich: Die bisherigen Seidel-Hallen sind etwa 11 Meter hoch. „Wir wollen so wenig Flächen wie möglich verbrauchen“, betont der Inhaber. Gerade mit Blick darauf, was täglich in der Republik an Flächen versiegelt werde.

Das Thema wird nun in den Fraktionen diskutiert, wegen der geplanten Hallenhöhe herrscht eine gewisse Vorsicht im Parlament, gerade da es in der Nachbargemeinde Weimar bekanntermaßen seit langem Streit um die dortige Logistikhalle im Gewerbegebiet zwischen Wenkbach und Niederwalgern gibt. Die dortige Halle ist etwa 16 Meter hoch.

Die Situation in Weimar sei mit dem Vorhaben in Fronhausen nicht zu vergleichen, „das ist eine ganz andere Geschichte“, betont Ritzenhoff. Die bestehende Halle bei Niederwalgern sei deutlich breiter und in einem anderen Gebäudestil erbaut, habe optisch eine ganz andere Wirkung als jene, die Seidel plane. „Wir möchten eine gefällige Ästhetik, die in die Landschaft passt – schlank und hoch ist optisch attraktiver als flach und breit“, ist Ritzenhoff überzeugt. Zudem gehe es hier nicht um neuen Lkw-Verkehr, vielmehr sei das Gegenteil der Fall, man wolle den Lieferverkehr reduzieren.

Ihm sei bewusst, dass das Bauprojekt in Fronhausen eine „ästhetische Debatte“ auslösen würde, das Unternehmen sei dafür offen. Dennoch müsse die Firma auf die steigende Nachfrage und logistischen Begebenheiten reagieren.

Um auch die Öffentlichkeit in die Pläne mit einzubeziehen, soll es im Januar eine Bürgerversammlung zum Thema geben. „Wir wollen das mit der Gemeinde und der Bevölkerung machen und nicht gegen sie, wir möchten offen diskutieren“, betont Ritzenhoff. Zu der Infoveranstaltung werde demnächst offiziell noch eingeladen.

Das Parlament verschob den Beschluss über eine Änderung des Bebauungsplans auf die nächste Sitzung am 3. Februar.

Von Ina Tannert