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Südkreis „Ritterschlag“ für Schneider-Erfindung
Landkreis Südkreis „Ritterschlag“ für Schneider-Erfindung
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00:15 07.07.2019
Das Modulo-System von Schneider wurde mit dem German Innovation Award ausgezeichnet – Inhaber und Geschäftsführer Gunter Schneider (links) nahm die Urkunde von Professor Alexander Wurzer entgegen. Quelle: privat
Fronhausen

Während alle Welt über „Industrie 4.0“ redet, ist diese beim Optikmaschinen-Hersteller Schneider in Fronhausen längst Realität.

Denn: Mit der Maschinenreihe „Modulo“ hat das Unternehmen ein intelligentes Maschinensystem entwickelt, in dem alle Maschinen in einem voll integrierten System miteinander verbunden sind, autark arbeiten und miteinander kommunizieren.

Die im Jahr 2013 eingeführte „Modulo“-Idee löst starre und zentrale Produktionsbedingungen ab und ebnet den Weg für einen intelligenten, dezentralen und dynamischen Produktionsfluss.

System wird stetig weiterentwickelt

Auch bei stark variierenden Produktionsbedingungen und -zeiten der Maschinen optimiert sich das System automatisch und überprüft permanent die Qualität, sodass fehlerhafte Linsen minimiert und gleichzeitig sehr hohe Durchsatzleistungen erreicht werden. Permanent überprüft das ganzheitlich überwachende System die Leistungsfähigkeit und Effizienz. Die Maschinen sind dabei in der Lage, den Produktionsfluss selbstständig zu steuern – und je nach Auslastung auch beispielsweise Arbeit, die eine andere Maschine gerade nicht schafft, für sich anzufordern.

Dieses von Schneider erfundene System wird stetig weiterentwickelt, wie Gunter Schneider, Inhaber und Geschäftsführer der Schneider-Gruppe, erläutert. Für die Erfindung von „Modulo“ als erste vollautomatische Produktionslinie zur Herstellung von Brillengläsern wurde das Unternehmen nun im Technikmuseum Berlin mit dem German Innovation Award ausgezeichnet.

Innovation und Mehrwert stehen

Vergeben wird der Innovationspreis durch den Rat für Formgebung, der 1953 vom Deutschen Bundestag ins Leben gerufen und vom Bundesverband der Deutschen Industrie gestiftet wurde. Der Award prämiert „zukunftweisende Innovationen mit nachhaltiger Wirkung“, heißt es.

Im Fokus stehe dabei der Nutzer, für den die 
­Innovation einen substanziellen und bereichernden Mehrwert gegenüber vorherigen Lösungen aufweisen muss. Aus 695 internationalen Einreichungen – darunter Samsung, Bosch und die Deutsche Telekom – kürte der Rat für Formgebung Gewinner in insgesamt 40 Kategorien.

Eine der wichtigsten Entwicklungen

Gunter Schneider sagt zum Gewinn: „Die Auszeichnung mit dem German Innovation Award ehrt uns, und wir sind stolz, dass wir für unsere Entwicklung so viel positives Feedback erhalten – sowohl von der Expertenjury als auch vom Markt, der unsere „Modulo“-Linie überragend ­positiv annimmt“.

Bis heute seien insgesamt etwa 67 Millionen Linsen weltweit auf „Modulo“-Maschinen gefertigt worden. Nach der Entwicklung der Freiform-Technologie zähle „Modulo“ bis dato zu der wichtigsten Entwicklung in der Schneider-Firmengeschichte.

Vision wurde Realität

Gunter Schneider verdeutlicht: „Insbesondere bei sprunghaften Innovationen kommt es häufig vor, dass der Markt noch nicht bereit für den Anbruch einer neuen technologischen Ära ist. Unsere Vision wurde Realität, und wir sind sehr dankbar, dass „Modulo“ den Markt als das erste vollautomatische Industrie-4.0-Linsenpoduktionssystem revolutioniert hat.“

Die Jury – besetzt mit Physikern, Patentberatern, Informatikern, Finanzierungspezialisten, Produktdesignern, Technologie-Historikern und Marketeers – lobte Innovationshöhe, Wirtschaftlichkeit, technische Qualität und die Berücksichtigung des Energie- und Ressourceneinsatzes von „Modulo“. „Es gibt gute und weniger gute Industrie-4.0-Fallstudien.

Schneider: Wir wollen weiter Akzente setzen

Die „Modulo“-Linie von Schneider ist zweifelsohne eine fantastische Demonstration von gelebter Industrie 4.0 – nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Realität“, sagte Jurymitglied Professor Alexander Wurzer. Die Produktionslinie vereine grundlegende Wettbewerbsvorteile­ wie größtmögliche Effizienz und Kosteneinsparungen „und nimmt daher eine fundamental wichtige Rolle für den Kunden ein“, so Wurzer.

Und wie geht es weiter? Gunter Schneider sagt: „Wir arbeiten mit hoher Intensität an der Weiterentwicklung autonomer, intelligenter Systeme, die zukünftig einen noch wesentlicheren Anteil in der Optik einnehmen und weltweit neue Akzente am Markt setzen werden.“

von Andreas Schmidt