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Südkreis Feuerwehr kämpft mit Corona-Stillstand
Landkreis Südkreis Feuerwehr kämpft mit Corona-Stillstand
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17:00 17.11.2020
Atemschutzgeräteträger der Feuerwehr Fronhausen trainieren in Vollmontur auf dem Laufband. Quelle: Jörn George
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Fronhausen

Die Lage der Feuerwehr in Fronhausen – das ist schon länger ein sensibles Thema in der Gemeinde und nach einem viel diskutierten Investitionsstau der letzten Jahre, gilt es noch immer Lücken zu stopfen. Nun kommen noch Einschränkungen durch die Pandemie hinzu, unter der wohl alle Wehren allerorts zu kämpfen haben. Das wurde auch in Fronhausen beispielhaft deutlich im diesjährigen Bericht von Gemeindebrandinspektor Eric Schnabel vor dem Gemeindeparlament.

Es war bisher ein hartes Jahr für die Feuerwehr, auf das er zurückblickt. Die Pandemie hat dem Übungsbetrieb fast durchgehend den Garaus gemacht. Eine adäquate Aus- und Fortbildung war im Corona-Jahr nicht machbar, „auch das regelmäßige Training bestimmter Abläufe war nicht möglich“, bedauerte Schnabel. Viele Präsenzveranstaltungen mussten bis zum Spätsommer entfallen, stattdessen wurde auf Online-Fortbildungen gesetzt, kein ausreichender Ersatz für das Praxistraining. Ab August fanden dann wieder überschaubare Übungen im kleinen Kreis statt, zur Sicherheit bildeten die Feuerwehren feste Übungsgruppen, die sich nicht vermischten. „Die zwischenmenschliche Komponente, die für eine funktionierende Feuerwehr unabdingbar ist, blieb dabei leider weitestgehend auf der Strecke.“ Seit Mitte Oktober ist der Übungsbetrieb auf Empfehlung des Landkreises erneut eingestellt.

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Wehren fordern Gerätewart

Fehlende Übung machten den Wehren zu schaffen, hat auf Dauer Auswirkungen auf die Einsatzfähigkeit. Schnabel vergleicht die Lage mit einer Fußballmannschaft: „Wenn eine Mannschaft fast ein ganzes Jahr nicht trainieren kann, sondern Spielzüge nur in der Theorie durchgesprochen werden können, wird diese Mannschaft beim nächsten Turnier mit Sicherheit keine Trophäe mit nach Hause nehmen können.“ Bei der Feuerwehr sei das ähnlich, das nächste „Turnier“ – sprich, der nächste Einsatz – könne aber ohne stetes Training vielleicht irgendwann nicht mehr ausreichend vorbereitet werden, es gehe hier aber nicht nur um einen Pokal, sondern potenziell um Menschenleben. „Fehler im Einsatzablauf können hier weitreichende Folgen haben“, warnt Schnabel. Bislang konnten die Wehren mit insgesamt 98 Einsatzkräften jeden Einsatz – bisher waren es dieses Jahr 64 – „noch hervorragend abarbeiten“. Auf Dauer lasse sich die Qualität aber ohne Übungsbetrieb nicht aufrecht erhalten.

Das große Ziel sei daher, gemeinsam für einen Rückgang der Corona-Infektionszahlen zu sorgen und damit für die Chance, die Präsenzübungen wieder aufnehmen zu können, lautet Schnabels Appell an alle.

Darüber hinaus zeige sich der Corona-Stillstand auch beim Equipment: Da Gerätewartung und Prüfungen nicht in gewohnt großen Teams durchgeführt werden können, gebe es auch dort Defizite. Das mache deutlich, dass Geräte und Fahrzeuge auf Dauer nicht ehrenamtlich instandgehalten werden können – es brauche einen, schon mehrfach beantragten, hauptamtlichen Gerätewart. Der Wink ging in Richtung Gemeinde, ebenso wie der Aufruf, dass schnellstmöglich mit dem Bau für den lange geplanten Neubau des Stützpunktes Ost begonnen werden solle. Dem stehe nach langer Planungsphase – der Förderantrag wurde schon 2017 gestellt – eigentlich nichts mehr im Wege, bis auf die Entscheidung, ob ein Kreditinstitut das Haus für die Gemeinde per Öffentlich-Privatem-Partnerschaftsprojekt baut, oder die Kommune selber (die OP berichtete). Die Entscheidung trifft am Ende die Gemeindevertretung, Schnabel bat das Gremium eindringlich darum, „die Ausführungsvariante zu wählen, welche eine schnellstmögliche Fertigstellung des Gebäudes verspricht“.

248.000 Euro für zwei Löschfahrzeuge

Dass der Neubau, ebenso eine Modernisierung aller Feuerwehrhäuser – die Standorte West und Mitte haben eine lange Mängelliste – dringend nötig sei, zeige den weiterhin bestehenden Investitionsstau bei der Gemeindefeuerwehr. Für alle Ehrenamtlichen und zuletzt auch für die Personalstärke sei es „enorm wichtig“, dass die Modernisierung weiter gehe, um nicht nur einen funktionieren Betrieb sondern auch zur Mitarbeit motivierende Unterkünfte aufrecht zu erhalten, so der Gemeindebrandinspektor.

Wie Bürgermeisterin Claudia Schnabel auf Nachfrage berichtet, läuft die von der Gemeinde beauftragte Wirtschaftlichkeitsanalyse zum Bau-Angebot einer Bank für das neue Feuerwehrhaus, das verzögere den Baustart weiter, „das dauert leider seine Zeit“. Die Analyse soll im Dezember öffentlich vorgestellt werden.

Während der Sitzung beschloss das Parlament die weitere Bereitstellung von 248. 000 Euro an Haushaltsmitteln, um Mehrkosten für den Erwerb von zwei bereits eingeplanten Löschfahrzeugen für die Feuerwehr auszugleichen.

von Ina Tannert