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Südkreis Ältere wollen Klimaschutz zum Thema machen
Landkreis Südkreis Ältere wollen Klimaschutz zum Thema machen
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09:56 09.01.2020
Heinz Laucht (links) und Ferdinand Hareter wollen Klimaschutz-Themen in Weimar voranbringen und eine Ortsgruppe gründen. Quelle: Ina Tannert
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Niederweimar

Internationale­ Klimadebatten, Klimapaket, ­große Worte auf Bundesebene­ – das ist den Weimarer Umweltschützern „viel zu weit weg“. Auch sie wollen sich für den Klimaschutz einsetzen, das aber vor Ort, quasi vor der eigenen Haustür kehren und dazu ihre­ Nachbarn mit ins Boot holen. „In den Nachrichten laufen Klimathemen hoch und runter, aber da geht es um große Sprünge, dabei kann jeder selber etwas im Kleinen machen“, sagt Heinz Laucht.

Gemeinsam mit Ferdinand Hareter – beide gebürtige Weimaraner – will er eine Klimaschutzgruppe in der Gemeinde etablieren. Beiden liegt der Umweltschutz am Herzen, sie haben Verständnis für die ­Jugend, die den Klimaprotest auf die Straße und in die Öffentlichkeit trägt. „Man kann über Greta Thunberg diskutieren wie man will, aber eins steht fest – sie hat ein Bewusstsein für den Klimaschutz geschaffen, den es vorher nicht gab“, betont Laucht.

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Infoabend

Der Infoabend, bei dem auch die Klimaschutzgruppe gegründet werden soll, findet am Donnerstag, 9. Januar, ab 19 Uhr im Bürgerhaus Niederweimar statt. Folgende Fragen stehen zur Diskussion: Was können wir vor Ort für das Klima tun? Wie können wir andere Klimaaktivisten anderswo unterstützen? Wie schalten wir uns in die aktuelle Klimadiskussion ein? Wie können wir unseren Beitrag leisten, ein wenig für die Umwelt und damit für das allgemeine Klima zu tun? In einem Kurzvortrag wird Dr. Iste­mi ­Kuzu zudem das Klimabündnis Marburg vorstellen.

Eben dieses Bewusstsein wollen beide nun aufgreifen und bündeln, Jung und Alt „von 8 bis 80“ aktivieren und zusammenbringen. „Es kann so nicht weitergehen, es kommt noch etwas nach uns und wir haben eine Verantwortung unseren Kindern und Kindeskindern gegenüber.“

Doch geht es ihnen nicht um den sprichwörtlich großen Wurf, sondern Ansätze für jedermann auf dem Dorf, für jeden Haushalt, „wir wollen aufzeigen, was sich in Weimar machen lässt“, sagt Hareter. Beispiele reichen von alltäglichen Dingen, wie beim Einkaufen zum Gemüsenetz statt zur Plastiktüte zu greifen, bis zu dem Wissen darüber, wie viel Versandware jeden Tag vernichtet und „sinnlos Müll ohne Ende“ produziert wird. 

Leben ohne Auto und ohne Onlinehandel

Beide verzichten im Alltag ­bewusst auf die ein oder andere klimaschädliche Annehmlichkeit: Hareter hat mit Eintritt zur Rente sein Auto abgeschafft, nutzt öffentliche Verkehrsmittel, erzählt er. Laucht bestellt nichts im Internet, sondern kaufe möglichst in lokalen Geschäften ein. Vorschriften zum eigenen Verhalten wollen sie jedoch niemandem machen, „wir treten nicht als Ultra-Aktivisten auf“, sagt Laucht. Vielmehr möchten sie mit der Klimaschutzgruppe eine Plattform für jedermann schaffen. Ganz nach der Fasson, einer muss ja anfangen.

In der Ortsgruppe solle sich jeder, der an Klimathemen interessiert ist, willkommen fühlen, Jung wie Alt gemeinsam an einem Strang ziehen und Ideen für den eigenen Ort, die eigene Nachbarschaft erarbeiten, ohne strikte Agenda.

Beide wollen anstoßen, dabei nicht anführen, die Gruppe mitgründen, aber lieber im Hintergrund bleiben: Das Feld an der Spitze überlassen sie gerne anderen, „wir werden den Jungen nichts vorschreiben, die machen das schon“, sagt Hareter. Vorstellbar wäre für den 64-Jährigen, dass sich die Ortsgruppe mit anderen Bündnissen und Verbänden vernetzt, zudem als Ansprechpartner für die Gemeinde dienen könnte, den Umweltschutz vor Ort begleitet.

Dabei rechnen beide durchaus mit Gegenwind aus der Bevölkerung, denn ihre Themenpalette ist groß, schließt etwa auch erneuerbare Energien mit ein. Auch die Windenergie, gegen die es vor Ort kritische Stimmen gibt. Mit ihrem Vorhaben stießen sie bereits auf Kritik: „Warum denn bei uns im Dorf?“, wurden sie gefragt. Doch eben genau das treffe den Nagel auf den Kopf: Die Einstellung, dass vor Ort im Kleinen nichts erreicht werden kann, teilen die Initiatoren nicht. „Alle können etwas gegen den Klimawandel tun, es muss nur in die Breite gehen“, betont Hareter.

von Ina Tannert