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Südkreis Eine Geschichte aus und in Fronhausen
Landkreis Südkreis Eine Geschichte aus und in Fronhausen
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16:00 15.11.2021
Eva Kiltz aus Bellnhausen hat einen Roman geschrieben – die Geschichte spielt in der Gemeinde Fronhausen.
Eva Kiltz aus Bellnhausen hat einen Roman geschrieben – die Geschichte spielt in der Gemeinde Fronhausen. Quelle: Ina Tannert
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Bellnhausen

Das Leben auf dem Dorf, ein beleibtes Ehepaar, ein Autounfall und ein überraschender Todesfall – auf diesen und vielen weiteren Säulen steht die gemeinsame Geschichte von Tanja und Steffen aus Fronhausen, deren Leben durch gleich mehrere tragische Schicksale auf den Kopf gestellt wird.

Allerdings handelt es sich bei den beiden nicht um reale Menschen, es sind Romanfiguren. Auf dem Papier zum Leben erweckt hat sie Eva Kiltz aus Bellnhausen. Die Autorin hat gerade ihr zweites Buch „Ein gewichtiger Entschluss“ veröffentlicht. Es ist das erste, das von einem Verlag herausgebracht wurde. Die beiden Hauptakteure sind zwar frei erfunden und nicht auf existierende Menschen gemünzt – ihr Umfeld aber, das ist real, denn die Geschichte spielt in der Gemeinde Fronhausen. Markante Orte tauchen überall auf, so kommt etwa der örtliche Kindergarten vor oder die Sparkasse, die übrigens im Buch überfallen wird. Auf der B 3 wiederum haben Tanja und Steffen einen Autounfall und werden ins Marburger Uniklinikum gebracht. Danach verändert sich ihr ganzes Leben.

Schreiben hilft bei der Trauerarbeit

Der Alltag des korpulenten Paares gestaltete sich schon aufgrund ihrer Leibesfülle recht strapaziös. Durch den Unfall trägt Tanja neurologische Schäden davon, nimmt dadurch aber auch ab und entwickelt mit der Zeit eine Abneigung gegen ihren übergewichtigen Mann. Der liegt eines Tages plötzlich tot im Ehebett und ein Marburger Polizist geht der Sache auf den Grund. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Ihr Werk ist „ein Roman mit kriminalistischen Zügen“, sagt Eva Kiltz selbst. Dafür hat sie lange recherchiert, von Gesprächen mit Neurologen bis zum Ablauf in einer Pathologie – wo der verstorbene Steffen untersucht wird. Alles wird detailliert beschrieben, ebenso die Alltagsprobleme übergewichtiger Menschen. Eva Kiltz ist selbst korpulent, schreibt schonungslos über viele kleine und große Hürden im Tagesablauf, mit denen sich das fiktive Paar auseinandersetzt. Ein Auslöser für den Roman war das indes nicht: „Es ist kein Verarbeitungsbuch, ich verarbeite darin nichts“, erzählt sie lachend.

Vielmehr ist das Schreiben ihre Leidenschaft und ihr war sofort klar, dass die Geschichte in ihrer Heimatgemeinde spielen soll. „Es ist das erste Buch, das in Fronhausen spielt, hier gibt es so viele interessante Menschen“, sagt die gebürtige Bellnhäuserin. Sie findet überall Inspiration, um sich spannende Ereignisse auszudenken und zu Papier zu bringen. Eigentlich ist die Autorin gelernte Feinwerkmechanikerin, kennt sich im Werkzeug- und Formbau und mit schweren Maschinen aus, noch lieber widmet sie sich der Sprache und dem kreativen Schreiben. Wie kam es zu dem Umschwung? „Ich weiß gar nicht, warum ich das Buch geschrieben habe, es hat einfach Spaß gemacht“, sagt sie. Ihr erstes Buch „All die in Africa“ war 2016 ein erster Anlauf, nun folgte der nächste Schritt.

„Man kann richtig süchtig werden“

Die Geschichte und die Charaktere existierten schon lange in ihren Gedanken, so startet sie jedes neue Projekt: „Die Personen sind zwar erfunden, aber in meinem Kopf werden sie lebendig, sie stehen auf“, schwärmt sie. Die 60-Jährige erzählt mit Begeisterung über das Schreiben, das facht einfach ihre Phantasie an, „man kann richtig süchtig werden“.

Mit dem Schreiben des neuen Buches begann sie 2019, mit Unterstützung ihres Ehemannes, mit dem sie stets die ersonnene Geschichte durchging. „Er war mein größter Kritiker“, freut sie sich noch heute darüber, dass das Buch beide in den letzten Jahren verbunden hat. Ihr Mann starb im Juli dieses Jahres nach schwerer Krankheit. 34 Jahre waren beide ein Paar und haben einen gemeinsamen Sohn. Ihr Mann nahm großen Anteil an ihrem liebsten Hobby; als seine Diagnose kam, war das Buch fast beendet. Die Veröffentlichung konnte er nicht mehr verfolgen, „aber er hat das Ende mit erlebt und das freut mich sehr“, sagt sie lächelnd.

Das Schreiben hilft ihr durch die Trauer, ihre Gefühle schreibt sie nieder. Die verschwinden davon nicht, aber sie kann sie ordnen, sich damit auseinandersetzen. Das habe sie immer schon in emotionalen Momenten getan, ob bei der Pflege ihrer Eltern oder nach der Geburt ihres Sohnes.

Das Hobby, das vielleicht einmal mehr wird, bleibt ihr ein wichtiger Lebensbegleiter – und die nächste Geschichte ist praktisch auch schon fertig, zumindest in ihrem Kopf sehr lebendig. Die wartet nur noch darauf, ebenfalls zu Papier gebracht zu werden.

Die erste Auflage von 100 Stück ist bereits vergriffen, das Buch wird nun nachgedruckt. „Ein gewichtiger Entschluss“ erscheint im Hachinger Verlag und ist in allen bekannten Buchhandlungen erhältlich.

Von Ina Tannert

13:51 Uhr
13.11.2021