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Südkreis Erschließung wird teurer als 2015 gedacht
Landkreis Südkreis Erschließung wird teurer als 2015 gedacht
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17:04 20.02.2017
Auf diesen Feldflächen links und rechts des noch auszubauenden Kreuzweges soll das Baugebiet in Rauischholzhausen entstehen. Im Hintergrund sind die Häuser zu sehen, die in der Straße „Am Lomberg“ entstanden sind. Quelle: Götz Schaub
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Rauischholzhausen

Kein Durchgangsverkehr, dafür aber einen Kindergarten, eine Grundschule, Gastronomie ein paar Geschäfte, eine Apotheke und ein Schloss mit tollem Schlossgarten. Das klingt doch schon sehr gut für junge Familien mit kleinen Kindern.

Doch überraschenderweise ist Rauischholzhausen neben Ilschhausen der einzige Ort in der Gemeinde Ebsdorfergrund, der keine Zuwachszahlen aufzuweisen hat, sagt Bürgermeister Andreas Schulz. Jetzt aber steht ein Baugebiet mit insgesamt 22 Plätzen vor seiner Verwirklichung. Familien mit Kindern im Kiga-Alter werden es sicher gerne zur Kenntnis nehmen, dass das Baugebiet in Steinwurfweite vom Kindergarten liegt. Man eigentlich jeden Tag sehr bequem dort hin laufen kann zum Holen und Bringen der Kinder.  

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Bauplätze kosten mehr pro Quadratmeter als gedacht

Als die Planungen für das Gebiet „Sonnenplateau“ zwischen den Straßen Am Lomberg und Potsdamer Straße so weit fortgeschritten waren, dass man damit an die Öffentlichkeit ging, um es zu bewerben, hieß es im November 2015, dass sich die Verkaufspreise für voll erschlossene Grundstücke auf unter 100 Euro pro Quadratmeter belaufen werden.“ Das verkündeten Andreas Schulz und der Kooperationspartner der Gemeinde Thomas Barg, Geschäftsführer der Geißler Infra GmbH aus Kirchhain. Unter diesem Eindruck liefen damals auch die Verkaufsverhandlungen mit den Landeigentümern. Einer von ihnen, Matthias Hofmann, zeigte sich nun sehr überrascht, dass die Grundstücke, die nun auf seinem verkauften Land entstehen, einen Quadratmeterpreis von 125 Euro haben sollen.

„Ich habe verhandelt und unterschrieben. Das ist rum und abgehakt. Ich will jetzt auch nicht im Nachhinein mehr Geld. Darum geht es mir nicht. Aber  ich muss schon sagen, dass ich mit dem Wissen von heute, das Geschäft so nicht gemacht hätte. Ich hatte schon damals geäußert, dass ich einen Verkaufspreis von 90 Euro für ambitioniert halte. Bei 100 hätte ich jetzt auch nichts gesagt. Aber nun sollen die Grundstücke zum Teil  einen Quadratmeterpreis von  125 Euro haben. Da muss ich schon sagen, dass ich mich hier getäuscht fühle.“ Hofmann fragt sich, woher diese massive Verteuerung stammt. Ihm als einer der Bauland-Verkäufer fallen keine Besonderheiten ein.

Im Durchführungsvertrag von der Gemeinde wurde festgehalten, dass wenigstens 50 Prozent der Grundstücke zum Preis von weniger als 100 Euro pro Quadratmeter zu verkaufen sind. Auf Nachfrage der OP sagt Thomas Barg: „Im Bauleitplanverfahren und der anschließenden Bauplanung zu den erforderlichen Erschließungsanlagen ­haben sich Auflagen ergeben, die zu Mehrkosten führen. Diese konnten im Vorfeld nicht berücksichtigt werden. Die Kostenkalkulation zur wirtschaftlichen Umsetzung des Projektes macht es noch erforderlich, den Abverkaufspreis einzelner Baulandgrundstücke anzupassen.“ Er bestätigt, dass trotzdem 50 Prozent der Grundstücke unter 100 Euro pro Quadratmeter verkauft werden sollen. Das Bauland, das Hofmann in das Baugebiet einbrachte, liegt direkt neben seinem Haus im Kreuzweg. Es darf sehr davon ausgegangen werden, dass die Grundstücke nach hinten heraus immer einen freien Blick auf Feld und Flur, wenn auch mit Windrädern im Hintergrund gewähren. Das macht sie von der Lage attraktiver und somit eben aus den genannten Gründen auch teurer.  

Gemeinde bekommt für jeden Quadratmeter Geld

Schulz kann die Verärgerung Hofmanns nicht nachvollziehen.  Er sagt, dass Hofmann vertraglich zugesichert schließlich zwei Grundstücke voll erschlossen für sich erhält, die er, wenn er sie nicht selbst bebauen will, nun auch für einen teureren Preis verkaufen könne. Zudem erhalte er als Altanlieger frei Haus den Ausbau des Kreuzweges mitgeliefert.  

Hofmann betont, dass es ihn nur um den Vorgang an sich geht. Und dabei bringt er noch eine andere Größe mit ins Spiel. „Ein Teil der Erschließungskosten wird durch eine Zahlung an die Gemeinde verursacht. Ich weiß nicht für welche Leistung, weil die Verhandlungen ausschließlich zwischen dem Investor und den Grundstückseigentümern liefen.“ Er sagt, dass er von einer Summe von zehn Euro pro Quadratmeter ausgeht, die die Gemeinde „einfach so bekomme“. Schulz antwortet darauf gegenüber der OP: „Ja, die Gemeinde bekommt etwas. Die Summe ist aber niedriger als zehn Euro.“ Konkreter wird er nicht. Diese Einnahme nennt er „Infrastrukturkostenausgleich“. 

„Die Einnahmen werden im Haushalt abgebildet und dienen dazu, Investitionen zum Ausbau der Kinderbetreuung mit zu finanzieren“, so Schulz. „Wir werden beispielsweise die Krippengruppen in Beltershausen von zwei auf drei erhöhen“, nennt er ein aktuelles Thema. Und weiter: „Für uns ist jetzt nur die Einhaltung des Durchführungsvertrages wichtig. Der Gewinn eines Investors liegt doch im Gesamtabverkauf der Baugrundstücke. Da kann ich doch niemanden knebeln, wenn es sich anders nicht mehr rechnet. Dann würde ja niemand mehr investieren. Und ich bin mir sicher, dass wir in Rauischholzhausen ein ­attraktives Baugebiet haben.“

von Götz Schaub